Reinkarnation ins Mittelmaß

Wüsste ich, dass so ein Unterfangen wahrscheinlich nicht allzuteuer zu bezahlen sei, so suchte ich mir für meine nächste Inkarnation mal eine Mittelmäßigkeit raus, dass die Schwarte kracht.

Leider aber besagen alle diesbezüglich halbwegs seriösen Theorien, dass man aus einer einmal erworbenen Dummheit nicht so schnell wieder herauskommt. Das ist sogar ein glaubwürdiger Ansatz, da er aller Lebenserfahrung entspricht.

Was also tun, wenn man mal Urlaub von seinem Verstande und damit der erkannten Ruchlosigkiet dieser derzeitigen Welt machen will? Selber Bänker werden?

Als Behinderter lebt es sich nicht gut. Ich weiß das, da ich über Jahre hinweg eine nur teiltüchtige linke Hand, später eine zerschrotete rechte Körperhälfte hatte (mal abgesehen vom Gesicht, das in dieser Inkarnation wenigstens nicht mehr vorteilhaft anzuschauen sein werden wird).

Es gilt wohl, bei unseren Großen geistige Anleihen zu nehmen. Die verweigerten sich der Anforderung, dümmer zu werden (außer Goethe natürlich), schossen sich, wie Kleist, lieber noch eine Kugel in den Schädel, ließen sich lieber, wie Schiller, einem Hunde gleich begraben, setzten sich lieber, wie Nietzsche, zehn Jahre in einen Rollstuhl, denn ein Gran nachzulassen.

Ich empfehle diese Haltung auch dem noch an sich zweifelnden Nachwuchse. Unterm Strich ist dumm werden nämlich zu teuer.

Mag sein, dass einen die Bank dafür lieber hat, Freimaurer, Kühe, Christen und Weiber auch: ES kostet aber das eigentliche Leben, alswelches das geistige ist.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Die besten Witze macht sich der Philosoph selber. Er hat selbst dann Gewinn daran, wenn kein anderer mitlacht. Ihm ist selbst der Schemel, der ihm weggeholt wurde, noch eine Lachsänfte seiner Wortbildung.

“Weh spricht vergeh!” – ja, aber heimisch unter Rosenhängen und Lilienhecken!

Und wenn je Außerirdische hierherkommen sollten – oder schon da waren, da sind – werden sie sich, wofern sie keine – mit Verlaub – Arschlöcher sind, nicht für unseren steinzeittechnischen Tand interessieren, sondern für das, was wenigstens einige von uns schon gedacht haben, für unsere Kunst. Deshalb auch mein Artikel zu Außerirdischen und Kunstmord. (Suchfunktion rechts oben hilft. Bin jetzt zu faul, zu “verlinken”.)

Wer den Menschen zu versklaven trachtet, wird ihm zunächst versuchen, die Kunst zu nehmen. Wir sehen das verschärft seit etwa hundert Jahren. Ich mag nicht heranreichen an unsere Großen: Das aber habe ich erkannt. Und spreche es deshalb auch aus.

Inzwischen gibt es – selbsternannte oder gekürte sogenannte – Kunstsinnige, die noch nicht einmal den Goldenen Schnitt auf drei bis fünf Prozent Nähe des Punktes festzustellen wissen; sie verstehen sich nur aufs politisch korrekte Firlefanzen und backenaufgeblasene Aufsprechen vor lesbisch sandrigen Moderatorinnen. Ob sie wenigstens eine Pyramide, Hauptschüleraufgabe, auszurechnen wissen, sei dahingestellt.

Und wer sind deren Schutzpatrone?

Es sind Leute, die für die Letztverpfändung des Ersparten der Anständigen in Aachen den Karlspreis verliehen bekommen. Verliehen wohlgemerkt. Namen kann ich mir als Schwabe dazu sparen.

Man schaue sich den Vorgängerartikel an. Engländer als sprachliche Halbschnabeltiere. Versocksung jeder Vernunft. Muttersprache als Hirnzoo.

Gut, ich will doch nicht mittelmäßig werden in meiner nächsten Inkarnation. Es ist es nicht wert.

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3 Antworten zu “Reinkarnation ins Mittelmaß”

  1. Infoliner sagt:

    Hey, Du kannst nicht jede Inkarnation als Ausruh-Inkarnation machen!

    Aber die Frage ist tatsächlich, ob das noch geht, ein “nächstes mal wird rangeklotzt”, wenn wir diesmal zu wenig erreichen…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Infoliner

    Bisher hatte ich noch nicht den Eindruck, dass ich hier gerade eine Ausruh-Inkarnation führe. Vielleicht habe ich das aber bloß nicht gemerkt.

    Zum zweiten Teil Deiner Invektive: Wenn wir uns jetzt nicht anstrengen, dürfen womöglich in der Nichttat viele so bald nicht mehr her.

  3. Dude sagt:

    Die Körperlichkeit eines toten Fisches würde Dir nun wahrlich nicht passen. Braucht der Hecht des freien Geistes doch schliesslich einen reinen Strom, angesät mit reichlich Schnellen, auf dass er sich zum Überhecht kultivieren kann, und nicht in der Kloake des trüben Mittelmasses vorsichhintreibt, um dann einst in Nichtigkeit von den Bakterien zerfressen, unterzugehn.

    “Wer den Menschen zu versklaven trachtet, wird ihm zunächst versuchen, die Kunst zu nehmen. Wir sehen das verschärft seit etwa hundert Jahren.”
    Das Musterbeispiel dazu findet man bei der Kulturrevolution der KPC! Da kann nicht mal der Vatikan mithalten…

    Liebe Grüsse

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