Letzte Chance: Unter die Schweine

Es wird mir so langsam fast peinlich: Aber ich muss fairerweise schon wieder auf einen FAZ-Artikel hinweisen.

Diesmal einen von Gina Thomas, der England-Korrespondentin der Zeitung, die unter dem Titel “Olympische Spiele in London – Das Lesben-Schwulen-Toilettenproblem” aufgreift, wie siebzigtausend freiwillige Helfer auf das politisch korrekte Bereiten der “inklusivsten Spiele aller Zeiten” broschüral getrimmt werden.

Ich weise auch deshalb darauf hin, weil mir beständig auffällt, wie leichtfertig viele Konservative, Liberale, Libertäre, zumal Patrioten, immer wieder behaupten, unser Land sei das orwellsprechste Tollhaus aller TollhäuserInnen.

Der Genderismus sowie die zwanghafte Gleichmachverkleisterung treiben nämlich in Britannien landesweit Sumpfblüten, wie man sie hier – zumindest bislang – nur in randständigen Veranstaltungen spezieller Edelminderheitenvereine gewahrt.

Nachdem man früher noch per Schießgewehr ein Viertel der Welt kolonialisierte, sich am Sklavenhandel fettfraß, China kriegsweis mittels Opium ruinierte usw. (na gut, Libyen hat man eben erst bombardiert, Syrien steht wohl bevor), heute noch in der City jedes finanzielle Schandbubengeschäft betreibt, scheint man nunmehr gleichzeitig zu meinen, man müsse die Welt mittels des größtmöglichen Blödsinns davon überzeugen, die eigentliche gutmenschliche Hochzivilisation des Planeten zu verkörpern.

Scharia-Gerichte (nicht die zum Essen) hat man ja schon. Und zum Glück heißen Gurken in England nicht Gurken (die Ghurkas könnten sich beleidigt fühlen und ihre berüchtigten Dolche zücken), sondern Cucumbers. Was dann aber hinwiederum die Bewohner von Cumbria diskriminieren könnte, bloß, dass die das wohl noch nicht gemerkt haben.

Und die Tomate heißt – ebenso vorteilhafterweise – Tomato, so dass der Mate-Teehändler nicht gleich zum Vorandenaufstand blasen muss, weil er garantiert keine blassrote Mehlfrucht aus Holland, was sage ich, den Niederlanden, äh, den Nichtganzsohochlanden, verscheppert.

Man sagt auch nicht “Gesindel” in Engelland, da das zu sehr nach Sünde klänge, sondern “Rabble” (“Flunkeydom” kennt kaum einer), was zwar ein bisschen nach “babble” (babbeln) klingt, aber immerhin nicht nach “able” (wegen des eleganten Diphtongs am Anfang), und damit nach dem unsäglichen “disabled” (behindert).

Wahrscheinlich werden die Engländer die ersten sein, die das Alphabet abschaffen. Äh, abschafen. Nicht nur, weil Alfa-Romeo sich die Namensschändung nicht mehr länger gefallen lässt, sondern auch, weil sich Alphatiere wie Gangsta-Rapper (der Ganges kann in dem Falle nichts dafür) sowie Betschwestern aus Deutschland (jaja!) das nicht länger gefallen lassen.

Allein das X ist ja schon ein Skandalon an sich. Man findet unter diesem – insgesamt ziemlich sinnlosen  - Buchstaben kaum lexikalische Einträge, daher umso schneller “Xantippe”, also ein Wort für etwa “hinterlistiges, bösartiges, hässliches Weib”. Wer auch nur einmal ein paar zufällige Engländerinnen gesehen hat, weiß, welche Sprengkraft das birgt.

Es endet nie und nirgend. Wir werden frühestens dann politisch korrekt genug sein, wenn wir grunzend unter die Schweine gehen. Aber bitte so gut verkleidet, dass die sich nicht verpferdsäppelt fühlen und hiemit in ihrer kulturellen Besonderheit, Tradition und Ehre auf den Tod hin gekränkt.

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