Neues von der ADHS-Front: Jungs einfach kastrieren?

Kanadische Forscher haben die Daten einer knappen Million Kinder untersucht – womit statistische Fehler bei sauberem Arbeiten größenordnungstechnisch ausgeschlossen sind – und sind zu dem wenig überraschenden Ergebnis gekommen, dass ADHS bei früh Eingeschulten sehr viel häufiger “diagnostiziert” wurde, mit entsprechender anschließender Medikation, meist Methylphenidat. Ganz einfach, wer hätte es gedacht, weil jüngere Kinder noch unreifer und zappeliger sind als ältere.

Also traurig wie lustig (wenn man den schwarzen Humor dafür mitbringt) indes, dass man sich im Spiegel-Bericht am Ende dergestalt über einen Teil des Ergebnisses – Jungen werden bis zu dreimal häufiger “behandelt” – wundert:

“Warum Jungen stärker betroffen sind, ist noch nicht eindeutig geklärt. Vermutungen nach könnte dies aber an der leicht unterschiedlichen Ausprägung der Symptome bei beiden Geschlechtern liegen: Jungen mit ADHS werden oft durch Hyperaktivität und impulsives Verhalten auffällig, bei Mädchen äußert sich die Aufmerksamkeitsstörung häufiger durch Verträumtheit und Unkonzentriertheit – und wird daher möglicherweise seltener erkannt.”

Soso, bei Mädchen wird also ADHS seltener erkannt, weil sie keine Jungs sind. Leicht unterschiedlich sozusagen, da hilft kein Genderdreck. Wer häb’ au dees dengd, sagt sich da der Schwabe noch einmal. Seit Zigtausenden von Jahren machen Jungs im Durchschnitt mehr Rabatz als Mädchen, und diese Helden der modernen Wissenschaft kriegen das einfach immer noch nicht in ihre zerstudierten Matschbirnen als, schlicht: ganz normal. Warum, Ihr Spezialisten, kastriert Ihr sie nicht einfach alle? Dass Eunuchen zwar in der Regel nicht so lange leben wie Testikelinhaber, ist doch ein geringer Preis dafür – der Eingriff ist billig, jeder Tierarzt kann das – , dass man ein für alle Mal Ruhe hat, denn die sind bekanntlich nicht nur im Harem pflegeleichter. Tut mir leid, dass ich es jetzt mal so drastisch sgen muss: Ihr Halbaffen Scientiae habt nicht nur eine an der Klatsche, nicht nur ein Rad ab, Ihr habt nicht einmal ein geistiges Chassis, auf dem man Euch noch, reibfunkend, durch die Gegend hebeln könnte.

Witzig ist das aber recht wirklich gar nicht. Denn im Bericht ist – immerhin – wiederum von Wachstumsstörungen und anderen, auch langfristigen (wie als ob das nicht an sich schon reichte!) Gesundheitsschäden aufgrund der MPH-Medikation die Rede, was nichts anderes heißt, als dass man weltweit hunderttausende Jungen unter gefährliche Drogen setzt, krank macht, potentiell irreversiblermaßen, nur, weil sie Jungs sind.

Bei mir übrigens – das wird niemanden verwundern, der mich oder auch nur diesen Blog kennt – , der ich selbst mit Fünf eingeschult wurde, hätte es alleroberlockerst für eine ADHS-”Diagnose” gelangt, denn ich war ein unablässiger Wildfang – wenn auch nicht vor jenem Herrn. Die “Krankheit” hat sich zudem – ich behandle nur mit Rotwein – bis heute nur unwesentlich gebessert; allenfalls Alters- und Ermüdungserscheinungen, wie sie früher nicht so schnell aufgetreten sein mögen, sowie, aber nicht verlässlich, eine gewisse Altersweisheit, schaffen Linderung. Nun gut, wer weiß, was der Welt erspart geblieben wäre, hätte man mich mit MPH vollgepumpt. (Was allerdings eh sehr wahrscheinlich nicht geklappt hätte, außer in direkter Zwangszufuhr, da ich das Zeug immer ganz brav eingenommen hätte, nämlich in die Toilette. Dazu, notweis, wäre es nicht anders gegangen, hätte ich sogar mal einen auf vernünftig getan, damit alle merken, wie gut die Kloware anschlägt. Naja, oder aber, ich wäre nach vorgeblicher Einnahme – schlimmstenfalls sogar tatsächlicher, wenn entsprechend hart überwacht – einfach erst recht so richtig durchgedreht, gar nicht mehr eingeschlafen, hätte gespätzt und gekottert, bis dass noch der dümmste Psychologaster das Zeug als offensichtlich kontraindiziert abgesetzt hätte.)

Ich habe übrigens – so viel Beichte sei hier noch eingestellt – vor bald dreißig Jahren einmal “Speed” (also so etwas Ähnliches wie MPH) zu mir genommen, in den schönen USA, beim Trampen, auf recht dringliche Ansage meines 2000-Kilometer-Mitnehmers, eher unfreiwillig, als es galt, zwischen New Mexico und Kalifornien die Nacht fahrend zu durchwachen, und wusste sofort, indem mir buchstäblich die Haare zu Berge standen, dass das ein irremachendes Teufelszeugs ist.

Schande! Schande! Schande!

Schändung! Schändung! Schändung!

Nachtrag: Mädchen, diese Vorstufen des ruchlosesten aller Wesen, des stets von Hinter- und Arglist beseelten Weibes, haben natürlich ebensooft, wenn man den obigen Unfug glaubt, ADHS wie die Jungs, nur unentdeckt: sind nämlich, Äonen Übung, so verschlagen, dies entscheidend besser vor den PsychologasterInnen zu verbergen, als ein gertragender Wildschweintöter solcherlei Kriegskunst je anzusetzen vermöchte.

Durchtriebenheit, dein Name ist Weib.

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5 Antworten zu “Neues von der ADHS-Front: Jungs einfach kastrieren?”

  1. Nils sagt:

    ADHS ist mittlerweile eine Modekrankheit sondergleichen geworden. Diese Krankheit ist wirklich ein weites Feld und existiert tatsächlich. Allerdings wird sie heutzutage auf jedes Kind angewendet, dass in irgendeiner Weise auffällig ist. Und sei es auch nur darum, dass sich bestürzte Eltern die schlechten Noten ihres Sprößlings halbwegs schön reden können bzw. dafür einen Rechtfertigungsgrund gegenüber anderen Eltern haben. Denn wenn man den Eltern lauscht, gibt es keine normal intelligenten Kinder mehr. Die sind alle im Geniebereich oder zumindest nahe daran. Da kommt die Diagnose ADHS doch wie gerufen. Auf der anderen Seite nervt ein sich austoben wollender Balg auch so mache Eltern und gar Lehrer; und im Nu ist der natürliche Bewegungsdrang ein pathologischer, den es mit hilfe der Pharmazie zu verhinder gilt.
    Aber wie bereits erwähnt, ist das nur eine kleiner Exkurs in dieses unüberschaubare Krankheitsbild, denn in diesem Bereich wuseln Ärzte und Therapeuten aller Couleur herum, ohne eine grundlegende Einigung zu erlangen.
    Und wie Magnus schon erwähnt hat, werden die Lütten mit Medikamenten vollgestopft, wo meistens überhaupt kein Handlungsbedarf besteht. Wenn die Kinder halt nicht still vor der Glotze hängen können und sich dann auch noch aufgrund von Bewegungsmangel nicht in der Schule konzentrieren wollen, gibts die Erstbescheinigung samt Drogencoktail. So kann man es sich auch ganz einfach machen.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Nils

    Du fasst es sehr gut zusammen. Ich will ja auch keineswegs bestreiten, dass es einen gewissen Promillesatz bedenklich gestörter Kinder gibt. Ob MPH dann das Richtige für die ist, lasse ich erstmal dahingestellt.

    Wichtig an Deinem Beitrag ist mir auch der Ausredemechanismus sowie der Geniewahn der Eltern. Jeder ist ein “Indigokind” (so ein Humbug!) oder ein verkappter Hochbegabter, irgendwas Superbesonderes.

    Und von den Ärzten sind etwa so viele Promille tatsächlich kompetent, wie es – wenn nicht durch Fehlernährung, abgedrehte Eltern und Pädagogen, Computerspielen im Übermaß etc. erst induziert – tatsächlich eigentlich gestörte Kinder gibt.

    Ich hatte einen “Fall” eines durchaus aufgeweckten, lediglich etwas dicken Jungen, der ADHS-”diagnostiziert” war und mit seiner “Jugendpsychologin”, da er darin gut war (sie bekam 75 Euro die Dreiviertelstunde dafür, oder so ähnlich), regelmäßig Schach spielte. Und er berichtete mir glaubhaft, dass diese Durchgeknallte ihn regelmäßig mit Fangfragen, seine “Krankheit”, seine Probleme betreffend, triezte, wenn er am Gewinnen war, so dass er dann schließlich doch verlor. Ein Ritalinkind natürlich.

    Eine regelmäßige Überwachung seiner Blutwerte etc. fand selbstverständlich nicht statt. Frau Schachschwach war Gott, und wir konnten den Eltern lediglich zu einem strategisch geschickten Hinterausgang raten.

    Noch eine Geschichte. (Ich denke, ich habe sie im Blog schon einmal erwähnt.) Einer meiner ersten Schüler, als ich als Nachhilfelehrer anfing, war ein blitzgescheiter Bub, fünfte Klasse Gym, mir zum Deutschunterricht zugeteilt. In der ersten Stunde, kaum zur Tür herein (der Schulleiter hatte mich in Kenntnis gesetzt, dass er ein ADHSler sei), erklärte er mir, er sei halt so ein ADHS-Chaot, in Deutsch eine “totale Null”, “was wieso?”, frug ich, erhielt die unterfränkische Antwort “ich konn mich eifach nix gekonzentrier’ “.

    Hieraufhin fragte ich ihn, wie es denn in anderen Fächern stehe. Ja, in Bio und in Mathe, da sei er der Beste, das sei ja auch “total easy”.

    Den nahm ich gleich richtig. “Achso, du kannst dich also ‘nix gekonzentrier’, aber in Mathe klappt das dann ganz locker? Ich glaube dir kein Wort. Du setzt dich jetzt da hin und wirst ganz schnell merken, dass man sich auch auf Deutsch gekonzentrier’ kann, jedenfalls erstmal schon bei mir.”

    Innert weniger Wochen (90 Minuten Einzelunterricht je Woche) besserte sich seine Rechtschreibung wie sein sprachlicher Ausdruck um Dimensionen; er war zwar noch kein Schiller und kein Kleist, aber die Fünf war weit entrückt.

    Natürlich war es mit Strenge nicht getan; wir scherzten auch und erzählten; viel Trost und Ermutigung war vonnöten; aber er merkte sehr bald, dass es voranging, auch, dass er Nachlässigkeit vor mir nicht als “nix gekonzentrierkönn’ zu verbergen vermochte.

    So “leicht”, so schnell geht es selbstverständlich nicht immer. Aber es geht.

    Gut, eine Story noch. Ich hatte einen rotzfrechen Hauptschüler, achte Klasse, stinkefauler als ein Skunk, der zu Anfang auf der A5-Seite (große Schrift) mal locker 60-80 Rechtschreibfehler ablieferte. Bald waren es nur noch 20 bis 30. Da hatte er aber etwas davon mitbekommen, dass es sogenannte “Legasth…ich wess nix genau wie dös hesst, aber du doch do konn mer so enn Schein kriech, dass mer nix mehr richtig schreib’ muss, unn es iss egohl” gebe, woraufhin ich einen mittleren, gerade noch nachhilfeschulgeschäftsfähigen Brüller (ufr. “Schree”) loßließ, dass er sich nicht einmal im Traume erwarten könne, ich hülfe ihm dabei, so einen Scheißschein rauszulassen, jetzt Diktat, so lange nochmal abschreiben, bis dass es passt. Es ward dann wenigstens gut volksschulreif.

    Ich bin jetzt, aber nur scheinbar, da auch Legasthenie oft ADHS zugeordnet und vermethylphenidatet wird, etwas abgeschwiffen; Legasthenie kommt zweifellos vor, aber auch viel seltener echt denn behauptet; und man kann sie, wenn man weiß, wie das geht, seine Methodik jeweils anpasst, auf ein allemal erträgliches Maß in den Griff bekommen. Eine Legasthenikerin, die ich wohl ein Jahr betreute, erfuhr gar irgendwann, nach stetiger Verbesserung (man wollte sie schon von der Realschule runterhaben, der Vertrauenslehrer war ein Riesenarschloch, später machte sie Vollabitur) eine Art “Spontanheilung”, wurde ein orthographisches As.

    Ein anderer, Stotterer, ebenfalls mit großen Rechtschreibproblemen, kam irgendwann auf circa, je nach Tagesform, vier Fehler pro A4-Seite runter, auf ein Niveau, dass ich ihm sagen durfte, dass das auch viele Professoren ablieferten, schon als ich Verlagslektor war. Dass nur noch ein echter Fachmann an der Fehlerstruktur noch zu erkennen wüsste, dass er ein (ehemaliger) Legastheniker sei. Er schrieb schließlich die beste Facharbeit seines Gymnasiums, mit Einsminus.

    Wir brauchen Lehrer, anstatt Schwätzern und Gift.

  3. Nils sagt:

    Danke für die interessanten und teiweise amüsanten Episoden aus deinem Leben. Es zeigt umso mehr, dass die Kinderlein in den meisten Fällen Opfer unwilliger und unfähiger Pädagogen sind. Daneben entsprechen die Kinder irgendwann, in einer Art von Resignation, den Unterstellungen des Lehrers. Wird einem Kind eingeredet, dass es jenes nicht oder schlecht kann, erfüllt es diese Vorstellung. Oft spielen dabei rein subjektive Empfindungen bzw. Sympathien des Lehrers gegenüber dem Schüler aber auch Milieuvorurteile eine Rolle, die den Lehrer zu solch bösem Spiel treiben.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Nils

    Mein Vater, seines Zeichens Französisch-Gymnasiallehrer, war zwar von der sonstigen Einstellung her auch ein Liberaler, aber an der Schule, mit einigem Recht, als erzkonservativ bekannt. Dabei war er aber so drauf, dass er es stets als eine persönliche Niederlage ansah, lange mit sich rang, bis dass er, nach X Sonderchancen, endlich nicht mehr anders konnte, als einem Schüler eine Fünf ins Zeugnis zu schreiben. Er war nämlich der Meinung, dass selbst der Sprachunbegabteste, der es aufs Gymnasium geschafft hatte, dazu in der Lage sein müsse, immerhin ein Ausreichend zu erzielen. Er sah sich als an jeder Fünf – noch nicht in einer Klausur – mitschuldig. Seine besondere Aufmerksamkeit galt den Leistungsschwachen. Manchesmal gingen gerade von solchen Kandidaten noch zwanzig Jahre später Briefe bei ihm ein, überschwenglichen Dankes voll, dass er sie quasi zum Abi geprügelt habe, sie schließlich sogar noch Freude am Französischen gewonnen hätten etc.

    Bei dem hätte wohl sogar ich anständig Französisch gelernt, wahrscheinlich über den Trick, dass er meinen Ehrgeiz dahingehend angestachelt hätte, es dem Pauker Alwis mittels einer tadellosen Arbeit einmal so richtig zu zeigen.

  5. landbewohner sagt:

    guter artikel über den adhs-wahn und die blödsinnigen studien der wissenschaftler.

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