Jetzt langt es

Alle Kinderlosen mögen gleich weglesen, da sie das Folgende in der Regel ohnehin nicht interessieren wird.

Dies ist ein partieller Präventivschlag.

Den ich vielleicht auch stellvertretend, aber in erster Linie für meinen Sohn führe.

Der nämlich morgen – datumsmäßig bereits heute – mit der Angst in seine Realschule gehen muss, wie seit Freitag befürchtet, von einem Mob verprügelt zu werden.

Er bat mich darum, nachdem derlei Dinge schon lange gehen, ich auch schon beim Rektor, beim Klassenlehrer, beim Jugendsozialo interveniert hatte, nichts zu unternehmen, da ihm ohnehin nicht geholfen werde, es jenen scheißegal sei, was derlei Gestalten herausschwätzten, wissend, dass die sowieso zahnlose Tiger seien, die Verantwortung für sein Geschlagenwerden (es gab schon eine praktisch folgenlose Strafanzeige) gar noch ihm übertrügen, weswegen es denn gerade ihn träfe, lieber nichts zu unternehmen, da ihn jene sowieso kriegten, dessenthalben ein Muttersöhnchen schimpfen würden (er hat keine Mutter mehr, also kämen selbst solche Dummfeigen dann wohl auf “Vatersöhnchen”), alles nur noch schlimmer werde, wofern ich eingriffe.

Ich kann ihn verstehen. Und bin froh, dass er mir überhaupt noch etwas davon erzählt, wie es ihm ergeht.

Jetzt langt es aber. Selbst dem Schwaben.

Deswegen wird mir morgen auch nicht ein freundliches Schwabenwörtchen mehr über die Lippen kommen, wenn ich die Sache verschärft angehe. Jetzt wird es streng Schriftdeutsch, sei es denn, dass man den Akzent noch hört.

Mein Sohn steht zu mir und ich zu ihm. Damit sind wir “Albanerkreisen” und wie derlei Einkreisen – das auch andere trifft, der Lehrerschaft wohl bekannt, aber ignoriert – am Ende vielleicht doch überlegen. Auf jeden Fall gilt es jetzt zu zeigen, dass wir Göllers nicht einfach in die Knie gehen. Und sollte es noch ein paar Narben kosten.

Selbst der Krug des Wegleugnens geht zum Brunnen der Schande, bis er bricht. Ich werde daher morgen dort anrufen und um Termine bitten; gar mal ein Jackett rausholen, auf dass man sehe, inwiefern ich nicht mehr nur nicht mehr zu schwäbeln aufgelegt sei, sondern auch ansonsten den Ernst der Lage kenntlich mache. Eher watzt mich ein Staatsschimmel endab, als dass er meinen Buben einfach so wegguckend kaputtmachen lässt.

Was da läuft, ist letztlich unterlassene Hilfeleistung. Noch ist keine Strafanzeige gestellt. Ich werde aber, mag eine solche auch im Sande der Wegverlaberung verlaufen, nicht davor zurückschrecken, sie zu stellen. Die Dienstaufsichtsbeschwerde selbstverständlich obendrein. Damit man am Schulamt auch mal was zu tun hat.

Und, da ich schon dabei bin, werde ich die Sache auch mit allen mir möglichen Mitteln, Vergleichsfälle, die unschwer zu ermitteln sein dürften, beiziehend, zusätzlich skandalisieren. Fortgesetzte, wissentliche unterlassene Hilfeleistung auf Beamtengehalt. Ein unschönes, aber, wenn es sein muss, wenigstens für manche nicht uninteressantes Thema.

“Ich schlage dich ins Grab deiner Mutter!” – war, nach jener bezeugten Körperverletzung, eine der Nettigkeiten, von einem Mädchen, das er wohl mit zwei Fingern zu bezwingen wüsste, die er, vor zwei oder drei Monaten zu hören bekam, um dann, darob reichlich aufgelöst, vom Sozialo dafür gelobt zu werden, inalsoweit bei sich geblieben zu sein, dafür keine, klassisch verdientermaßen, Altdeutsche ausgeteilt zu haben. Das war in der Tat sehr beherrscht, sehr stark, ich bin stolz auf ihn: aber es hat ihm nichts gebracht.

An dieser Penne haben die Lehrer nichts mehr im Griff. Es regiert die Gewalt. Das ist nicht mehr Raufen, wie wir es kannten, wie es das immer gab. Das ist Terror. Täglich. Immerzu.

Ich weiß nicht, wie viele Kinder und Eltern schweigen. Denn dies trifft nicht nur meinen Sohn.

Ich aber habe hiermit schonmal nicht mehr geschwiegen. Und wenn diese Schule unrühmlich berühmt werden will: Bitteschön. Das Buffet ist eröffnet.

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8 Antworten zu “Jetzt langt es”

  1. TanjaKrienen sagt:

    So ist es und ich wüsste nicht, wie ich es als Kind hätte überstehen sollen, wenn ich in diese Verhältnisse hinein geboren wäre. Man gestatte mir in diesem Zusammenhang eine kleine Abschweifung, weil mir sowieso derzeit mehr danach ist zu erzählen, was einmal war – und wohin es führt. Man kann vielleicht an diesem kleinen Video, das duchgehalten werden muss um zu begreifen, erkennen, welcher Verlust uns widerfahren ist – http://www.youtube.com/watch?v=uPYkTDg4-I0&feature=channel

  2. Jochen sagt:

    Meine zwei Geschwister und ich, haben früher in der Schule so ungefähr das gleiche durchmachen müssen wie Dein Sohn.

    Hilfe damals von den Lehrern – Fehlanzeige!
    Hilfe damals von den Eltern – Fehlanzeige! Denen muss ich aber zugute halten, sie haben darüber auch nicht allzu viel gewußt. Als Jugendlicher erzählt man eben nicht alles, was einem so alles widerfährt.

    Was mich persönlich angeht, meine Faust hat mir dann zum Teil den nötigen Respekt verschafft.
    Heute verabscheue ich Gegengewalt, aber damals wußte ich einfach nicht, wie ich mir sonst hätte noch ins Gesicht schauen sollen.

    Alles Gute für Deinen Sohn und möge es ihm/Euch besser gelingen als mir, seine Persönlichkeit zu schützen.

    Erst kürzlich riefen mir junge Mädchen (?) hinterher,: Guckt mal, wie der aussieht! Dann lachten sie und sagten noch etwas, das ich aber nicht verstanden habe.

    Im ersten Moment trifft so etwas ja einen. Aber dann dachte ich, Mädchen, was seid ihr dumm.

    Wahrscheinlich gibt es Menschen, wie Dein Sohn und meine zwei Geschwister und ich, denen es schon im Leben gegeben ist, durch die eine oder andere Hölle zu gehen oder verbales oder nonverbales Spießrutenlaufen ertragen zu müssen.

    Das ist unser Land, da wo Gerechtigkeit und Freiheit und Brüderlichkeit wohnt. – Ein Scheissland !!!

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen & Jochen

    Dank Euch beiden!

    Auf das Video bin ich schon gespannt, schaue es mir nachher in Ruhe an.

  4. Lesezeichen sagt:

    Hallo Tanja,

    vielen Dank für deine Videoarbeit, ich sehe deine Filme sehr gerne.

    Wir sind im Siegerland aufgewachsen, also gar nicht weit weg und mir kam alles sehr bekannt vor. Was diese Gegend auch auszeichnet, sind die wirklich sehr schönen Fachwerkhäuser, die heute kein Mensch mehr bezahlen könnte, die aber von der Wohnqualität her unübertroffen sind.

    Unser Gymnasium – auch aus den 70-ern – hatte auch so ein UFO als Turnhalle. Die wurden damals so gebaut. Das galt als chic und außerdem hatte man wohl nichts anderes :)). Ich denke, die Architekten hatten alle zuviel Raumpatrouille gesehen. Die Schule selber ist ein Betonklotz reinster Gütem, natürlich mit entsprechenden Beton-Sichtwänden. Fand man damals auch sehr chic. Heute wohl eher weniger. So ändern sich die Zeiten.

    Aber Fußgängerzonen sehen mittlerweile fast überall gleich aus. Offensichtlich lassen sie immer die gleichen Städteplaner ans Werk. Einige Aufnahmen hätten auch durchaus von der Zeil in Frankfurt stammen können. Pflastersteine, Bänke und hin und wieder ein Bäumchen, dem ein Quadratmeter Pflastersteine weichen musste. Dabei könnte so ein bisschen Ursprünglichkeit wirklich nicht schaden.

    Aber die ganze Gegend – von Hagen bis Krefeld – also nicht nur der Pott an sich, hat es sehr schwer. Die Arbeitslosenquote ist hoch, der größte Teil der Städte hat Nothaushalte und ist nahezu unbeweglich. Stadtbäder, Museen, Theater – alles mögliche wird geschlossen, weil man es nicht unterhalten kann. Es ist wirklich traurig, was da passiert. Armut an allen Ecken.

    Herzliche Grüße

    vom Lesezeichen

  5. TanjaKrienen sagt:

    Ich danke dir! Die Bemerkung zur Turnhalle war eine ambivalente. Es war ja schön, dass der “Bauhaus-Stil” der Nachkriegsjahre überwunden wurde – doch man schuf eine futuristische Neuheit, über die man auch lange debattieren kann.

    Mein Thema ist halt der Verlust unseres Gedächtnisses. Es macht mich total traurig, melancholisch, ungeduldig, partiell resignierend und an manchen Tagen auch aggressiv (wenn ein Anlass hinzukommt). Die Gegenwart ist total banal. Die Realtivierungsideologen entziehen dem Boden jedweden Halt. Wir taumeln ins entsetzliche brutale Nichts und die Zahl derer, die weiß, wie es war, wird immer geringer. Dagegen will ich sein, solange ich darf…und kann.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen

    Hier bist Du damit immer willkommen.

  7. Nils sagt:

    @ Magnus
    Alles Gute und viel Kraft für Dich und Deine Lieben im Kampf gegen feige, gehirnamputierte, systemkonforme Behörden und gegen diese balkaniden Verbrecherhorden. Es gibt einfach Situationen, in denen auch ein Mann des Geistes die Glaceehandschuhe ausziehen und Härte beweisen muss.
    “Mit Athena und bewege deine Hände!”

  8. TanjaKrienen sagt:

    Nils ist zuzustimmen: Alles Gute! Der Kampf für das Recht muss stattfinden, wenn man im Recht ist!

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