Obsieg des Wortes

Die Sprachwissenschaft erlebt durch das Weltnetz einen erfreulichen, gewaltigen Aufschwung. Der Wettbewerb um Begriffe, an dem jetzt jeder teilhaben kann, setzt enorme Kräfte frei. Und gerade im Deutschen entfaltet sich die Urkraft der Wortbildung.

Ich halte dies, absolut ernsthaft gesagt, für eine der segensreichsten Wirkungen entlang der Treibriemen des Netzes.

Wer findet, wird gefunden.

Bislang sind es noch wenige, die dies im tieferen und höheren Sinne erkannt haben. Geschweige denn, diese eine solche ihrige Erkenntnis zielführend umzusetzen zu vermögen. Von nichts kommt eben – fast immer zumindest – nichts.

Und aus dem Was kommt noch lange nicht Mehrwas. C’est la vie.

Viele glauben inzwischen an die totale Technologie, die Robotronik, die Matrix, den elektrischen Überuntermenschen. Arme Tröpfe. Denn sie geben kampflos auf.

Sie lassen sich ihre geistige Welt, also ihre Welt, von den Wachowski-Brüdern, von Warner Brothers, letztlich ihrer Angst und Zagheit, errichten. Damit werden sie zu Puppen.

Aber es gibt andere. Manche von ihnen kenne ich. Rechne ich hoch, so müssen die Wenigen schon eine ganze Menge sein.

Diese Menschen wissen, wenn auch oft noch nicht oberbewusst, dass das ganze Gesülch von wegen “Schwarmintelligenz”, zumindest in der momentan üblicherweise vorgetragenen Form, eine Anleitung zum kollektiven Schwachsinn, ein Algorithmus jener Matrix ist.

Sie wissen, dass schon zwei Seiten Kleist mehr geistige, virtuelle wie reale Dynamis enthalten, als fünf Stunden Wachowski-Gescheppere.

Wir haben den Vorteil, beide Welten zu kennen. Während wir uns ihre Hollywood-Machwerke angelegentlich anschauen, intellektuell davon keineswegs überfordert, stehen sie, die Kinder der Matrix, vor Kleist, wenn überhaupt je, als bisse sie von hinten ein Elefant, indem vorn die Fee versagt, weil ihr Akku leer ist.

Wir befinden uns mitten in einer Renaissance des Worts.

Umso besser, wenn die matrixösen Bildsequenzeffektgläubigen, die Smartphone-Aficionados, die Immerzu-Appler das noch nicht registrieren oder wahrhaben wollen.

— Anzeigen —


Tags:

Eine Antwort hinterlassen