Endgraus: Vom Yottatabu

Ich weiß inzwischen, wovon man auf gar keinen Fall schreiben sollte.

Chemtrails ist lässlich. False Flags sind überall. 9/11, was soll’s. Gut, über den Holocaust eine abweichende Meinung zu äußern, das führt ohnehin ins Gefängnis, weiß jeder. Man kann ohne weiteres über Außerirdische fabulieren, interessiert eh nur Spinner. Dass der Euro – mit Verlaub – für den Arsch ist, gemeine Kenntnislage. Anonymous kann jeder sein (außer mir, ich bin des kompetenten Hackens nicht mächtig). Haarp hatten wir schon. Über ADHS schreibt nunmehr sogar die FAZ kritisch (wenn auch, fairerweise, ein “Pirat” – harhar – nachgelegt wird, der sein Recht auf Amphetaminkonsum, wahrscheinlich auf Kasse, einfordert, anstatt mal seinen Rechner auszumachen, ein Glas Rotwein zu trinken oder einen Joint zu rauchen – leider nicht auf Kasse – und sich auf einen Waldspaziergang oder einfach ins Bett zu verbringen). Man darf sogar – wenn man sich traut – den Islam, bitte gemäßigt, kritisch unter die Lupe nehmen. Selbst Goldman Sachs. Kein Problem, Monsanto an den Pranger zu stellen, null Problemo, über US-Foltergefängnisse zu räsonnieren, ohnehin, wenigstens im Groben, klar, was da läuft. Dass es die Bilderberger gibt, weiß inzwischen sogar die Bildzeitung. Man kann über die Freimaurerei ablästern. Das ganze Illuminatengeschwafle interessiert keine Sau mehr. Man wird noch nicht einmal mehr automatisch zum Nazi gestempelt, wenn man Nietzsches Werke lobt. Die meisten Christen sind inzwischen so gemäßigt, dass man auch ihren Jesus und die Offenbarung in Zweifel ziehen kann, ohne lethale Konsequenzen. Man darf über Diäten spotten, beiderlei Art. Man kann behaupten, man sei die Reinkarnation von Blavatsky, egal. Man darf sagen, dass Henry Kissinger ein böser Mann sei, macht nix. Man darf über Uranmunition schreiben, die Georgia Guidestones, mit langer, vorsichtig angefasster Zange womöglich über die Protokolle der Weisen von Zion. Locker darüber, dass der Friedensnobelpreisträger Obama ein noch größerer Kriegstreiber ist, als sein Vorgänger Bush. Den Klimaschwindel wie den Genderdreck. Tibetische Gebirgsratten. Abiotisches Öl. Den Lichtgeschwindigkeitsmythos. Weltuntergang ist sowieso en Vogue. Man kann behaupten, dass Fettleibige schlank werden, Säufer trocken, Schwangere gesund, Hirnhälftenwechsel locker zu bewerkstelligen, wofern einer sich nur einmal am Tag auf den linken großen Zeh pinkelt. Alles geht.

Ein Thema aber, mindestens dies eine, geht offenkundig gar nicht. Klar ist, warum. Wenigstens mir. Mehr sage ich, zumindest jetzt, noch nicht.

Wenn Sie selber draufkommen, was ich meine, hat sich Ihr Lesen also gelohnt wie mein Schreiben.

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