Talkshows immer dümmer?

Ich verfüge über keine selbst gesicherten Kenntnisse, ob das Niveau der meisten Talkshows wirklich so viel schlechter ist als früher, da ich seit Jahren keine mehr anschaue.

Ich beobachte aber seit einiger Zeit die Tendenz – denn Kritiken von dummen Fernsehsendungen sind zuweilen sehr vergnüglich zu lesen – , dass die TV-Schwätzer immer schlechter wegkommen. Mitunter wird das richtig bissig, hämisch, boshaft.

Nun passiert es mir, nur zwei Tage, nachdem Michael Hanfeld in der FAZ Markus Lanz und Philipp Rösler ob ihres Auftritts im ZDF runterließ, dass es eine Lust war, eben schon wieder, dass ich eine Idiotieabservage präsentiert bekomme, diesmal in der SZ, Plasbergs gestrige Laberrunde in der ARD, sich den Gefahren des Ruhms (wie korrekt angemerkt wird, war nur einer in der Runde berühmt, nämlich Gottschalk, und der auch lediglich in Deutschland) widmend, auf Korn nehmend.

Ziemlich am Anfang lesen wir dann das:

‘ “Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen.” Bertolt Brecht. ‘

Gleich anschließend: ‘Ein Satz, achtzig Jahre. Und doch so aktuell.’

Ich finde das schon klasse, was die Journalisten da insgesamt leisten. Sie ziehen sich, sicherlich nicht ohne entsprechende professionelle Vorbereitung (wollen wir hart aber fair sein und wiederum Namen nennen: Diesmal handelt es sich um Friederike Grasshoff und Lars Langenau; im Paarbüßen hält es sich wohl besser durch…) über eine Stunde lang ein peinliches Geschwalle rein, das immerhin, wenn auch meist nicht dort, wo geplant, manchmal komisch wird, analysieren det Janze, um noch in derselben Nacht für die kommende Morgenausgabe ihrer Zeitung ihr Überleben der Tortur in Form eines Artikels zu dokumentieren, der lesenswert ist.

Man muss sich, wenn das gelingt, kein bisschen langweilen oder gar darüber ärgern, dass man Gebühren für so eine Mentalschrotthändlerversammlung zu entrichten hat, profitiert ganz gemütlich von dem, was die Märtyrer der jeweiligen Feuilletons aus ihren Qualen herausdestillieren. Kennt also innert weniger Minuten den neuesten Simpelquotenzustand der Republik und hat etwas zum Lachen, wenigstens Schmunzeln.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Sind die Schwätzschauen nun wirklich dümmer geworden, oder die Journalisten der Zeitungen genervter, aggressiver, oder auch beides, in veränderlichen Gewichtsanteilen? Oder, was damit wiederum zusammenhängen mag, haben die Chefredakteure von Blättern wie der FAZ und der SZ die Losung ausgegeben, dass man bei derlei Kritiken, wann immer die Gelegenheit besteht (und man nicht in ein Genderloch reintappt o. ä.) Zunder geben und kräftig draufhalten möge, weil der eigene “Qualitätsleser” das am meisten goutiert, gleich weiterblättert oder wegklickt, wenn man nicht deftig zur Sache kommt?

Und, man ist ja Konkurrenz und liest sich gegenseitig (wenigstens die entsprechenden Ressorts), mag es ja auch eine Sache des sich Aufschaukelns sein: Hanfeld holt mal wieder Streitaxt und Morgenstern heraus, die Resonanz ist prima, und da will man dann auch nicht zurückstehen, wohl wissend, dass es Wetter, Börsennachrichten, Kriegslügen und Katastrophenmeldungen, Kickerei und “Lifestyle” überall gibt, man sich doch mit am ehesten – so weit kann es kommen, lustig – durch seinen Kulturteil abheben, Leser halten kann.

Ob es den Fernsehmachern egal ist, wie sie ihre Sendungen da um die Ohren geschlagen bekommen? Vermutlich nicht ganz, obschon es sich – im Falle von ARD und ZDF wenigstens – von Zwangsgebühren schon etwas bequemer lebt als von sinkenden Abonnentenzahlen: Aber, sind die überhaupt noch in der Lage, ein besseres Programm zu machen? Sollen sie überhaupt ein besseres Programm machen?

Oh je. Da habe ich am Schluss jetzt schon wieder eine – wenn auch längst geläufige – wenigstens halbe Verschwörungstheorie, wenn auch indirekt, so doch entschlüsselbar, verbraten. Dabei fing ich oben so wohlgelaunt an. Glauben Sie mir, das war nicht geplant und absolut keine Absicht.

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