Sich entglauben

Glaube ist Vernichtung des Selbstes.

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20 Antworten zu “Sich entglauben”

  1. Lesezeichen sagt:

    Ja?

    Ich sehe das etwas anders.

    Glaube – in Bezug auf Gott – ist nicht die Vernichtung des Selbst, sondern die Erklärung.

    Glaube – in punkto Zwischenmenschlichkeit – ist die Basis für Vertrauen. Wenn ich jemandem nicht glauben kann, dann kann ich nichts mit ihm anfangen. Es wäre kein Wegbegleiter für mich.

    Glaube – in Bezug auf Kinder – ist der Humus für das Erwachsenwerden. Nichts ist schlimmer für Kinder, wenn Eltern ihnen nicht glauben. Wir hatten wirklich schon tiefe Krisen und knüppeldicke Probleme. Wenn wir uns in dem Moment nicht geglaubt und vertraut hätten, hätte nichts funktioniert.

    Glaube ist schon eine gute Sache – und das absolute Gegenteil von Vernichtung.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Du lieferst – wie fast immer – gleich eine vollkommene Entgegnung.

    Gäbe es mehr Denkerinnen Deines Formats auf dieser Welt…

    Mir ging es aber – Widerspruch wie den Deinigen Obigen bewusst herausfordend – um Glauben im religiösen Sinne.

    In diesem Bezuge mache ich von meiner Aussage wenigstens bislang noch keinerlei Abstriche.

  3. Monika Schulte2 sagt:

    Na klar, auf jeden Fall ist purer Glaube die Vernichtung des Selbst bzw. des Ich.
    Allerdings nur dann, wenn man
    a)unter Glauben ein Fürwahrhalten hält und das ist ja doch wohl immer gegeben beim Kirchenchristenvolk und
    b) als Nonne/Mönch sich per Glauben/Gelübde der Vernichtung des Selbst quasi verpflichtet hat, indem man den sog. Evangelischen Räten GEhorsam, Armut, Keuschheit etc., sich hier also einem autoritärem Verhaltenskodex beugt. Hier wird der Gehorsam gegenüber den Oberen gleichgesetzt mit Gehorsam gegen Gott. In WAhrheit sind die Leute hier total infantilisiert, da für alles gesorgt ist, keine Verantwortung zu tragen ist. Die GEhorsamsforderung ist im Grunde nichts weiter als eine Fortführung des Gehorsams gegen die Eltern. Die Ichaufgabe, die hier erzielt wird, ist durch Triebunterdrückung und Regression erzwungene neurotische Katastrophe.
    Im Gegensatz zur Ichaufgabe durch Unterdrückung gibt es den teuflischen Weg der Erlaubnis, wo man sich na ja, eben alles erlaubt, man nennt es auch den Lefthand Path, oder den weiblichen Weg, was bei den Righthand Pathlern s.o. immer noch arg verteufelt wird, weil er jede Art von Glaubenskonzepten als Flatwix ansieht und rigoros jede Art von Glauben als Führwahrhalten zerstört. Wo das geschieht, lässt man wie man so sagt, sein Ego fallen einfach weil Ego und Glaubenskonzepte zusammengehören.
    Und wo das Ego transzendiert wurde erfährt man dann ERleuchtung, Transzendenz usw. usw.
    Die Ichaufgabe der 1. Art führt in ein prärationales infantiles, von äusseren Autoritäten abängiges Bewusstsein. = destruktiv

    Die der 2. Art in ein transrationales erwachsenes autonomes anarchistisches Bewusstsein, Hier ist man auch Kind, aber ein befreites Kind, befreit von allen autoritären Strukturen. = konstruktiv

    Dieses Kind nennt man auch “Göttliches Kind”. Und wo kein Ego ist, da ist – christlich jargoniert – das “Reich Gottes”.
    Was den Glauben betrifft, darf man ihn keinesfalls mit Vertrauen verwechseln, wie ich das oben bei Lesezeichen sehe.

    Hat mir Spass gemacht, mal nach langer Zeit wieder ein Häufchen bei Dir zu machen, MagnusEmil, mittlerweile bin ich Netzjunkie und bekomme mehr heraus als Krch ….krch….krch..
    Ein Frohes Helau

    Monika

  4. Dude sagt:

    Als wäre der Glaube an den materialistischen Atheismus besser…

    Glaube sollte NIE durch äussere Ideologien oder Institutionen – sei dies die kreationistische Kirche oder die materialistische Wissenschaft – bestimmt sein.

    Glaub ich zumindest *lol* :-D

  5. Monika Schulte2 sagt:

    Yes, stimme Dude zu, ich gehe noch weiter und sage, jeder Glaube als ein reines Fürwahrhalten von egal was, Schulwissen, Ideologismen jeder Art, begrenzt den Menschen, engt ein und versperrt den Zugang zu dem eigenen originärem Wissen, manchmal sagt man Weisheit dazu,,krch..ch.. Die wahre Autonomie, der wahre Anarchismus ist jenseits allen Fürwahrhaltens, aller ismen und Konzepte.
    Der Buchstabeng l a u b e ist ganz besonders verbreitet, egal, obs die Medien, Bücher sind, es scheinen immer Autoritäten am Werk zu sein, g l a u b t man…krch…ch…

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Monika Schulte2

    Na, das war ja mehr als nur ein Häufchen.

    Du hast auch oben Lesezeichen das entgegengesetzt, was ich in etwa selber zu sagen gehabt hätte, bezüglich des Unterschiedes von Glaube und Vertrauen.

    Ich will sie aber dahingehend in Schutz nehmen (was sie zwar sicher nicht braucht, sich möglicherweise verbitten wird, ich hier aber anmerken zu müssen meine), dass sie Glaube normalerweise sehr persönlich betrachtet: und ich habe derwegen auch schon klaren Grund gehabt, mich bezüglich dessen, ob übertriebener Direktheit, sie um Verzeihung bittend, zurückzunehmen.

    Was natürlich nicht heißt, dass ich nicht mehr denken und schreiben darf, was ich will.

  7. Lesezeichen sagt:

    Auch Nichtglaube ist eine Form des Glaubens.

    Denn auch der Nichtgläubige weiß es nicht besser, er glaubt es nur eben so nicht, sondern anders. Wenn man diesbezüglich also von Vernichtung des Selbst spricht, dann müsste das zwangsläufig auf beide zutreffen, den Gläubigen und den Nichtgläubigen.

    Glaube ist ansonsten die Vorstufe zum Vertrauen. Wenn ich jemandem nicht glauben kann, dann werde ich ihm nie vertrauen. Diese beiden Dinge gehören untrennbar zusammen.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Oh mannomann! Wenn es Dich nicht gäbe!

    Also:

    “Wenn ich jemandem nicht glauben kann, dann werde ich ihm nie vertrauen. Diese beiden Dinge gehören untrennbar zusammen.”

    Da hast Du mich schon wieder. Dem ist schwerlich zu widersprechen.

    Aber (immerhin was geht noch):

    “Auch Nichtglaube ist eine Form des Glaubens.”

    Der Satz ist meines Erachtens nicht nur nicht beweisbar, sondern grundverkehrt.

    Ein Mythos, der aus verständlichen Gründen erwuchs.

    Nämlich auf der Grundlage, dass viele Gläubige, zumal die Intelligenteren unter ihnen, schon ein gewisses Unbehagen von daher verspüren, sich einer Sache reichlich ungesichert sehr wesentlich anheimzustellen. Daraus leiten sie dann, als Schutzbehauptung, ab, auch der Ungläubige sei eigentlich ein Gläubiger, wisse dies nur nicht, und ziehen zuweilen dann noch ein Überlegenheitsgefühl aus dieser herbeikonstruierten Konjektur. (Du machst letzteres nicht. Ehre, wem Ehre gebührt.)

    Es ist, mit Verlaub, Unfug, zu behaupten, der Ungläubige glaube an das Nichtglauben, sei hiemit selbst ein Gläubiger, im Grunde also ein sich selber belügender Depp.

    Ich glaube nicht an das Nichtglauben. Ich weiß lediglich nicht, an welchen Gott ich glauben sollte. Ich glaube allerdings, meinetwegen, an meine Kinder, guten Wein, Käsfondue made by Emil, Sonnenaufgänge an der Ostsee und noch ein paar erbauliche Dinge.

    Ich muss und will – zum Grundsätzlichen zurück – sogar soweit gehen zu sagen, dass diese vom gläubigen Ungläubigen eine der perfidesten Lügen ist, die die Theologasterei je ersonnen hat. (Wiederum: Dies ist eine grundsätzliche Erwägung und richtet sich nicht gegen Dich.)

    Wie mit einem Fangeisen hinterrücks, versuchen so die Seelenzerknechter denjenigen doch noch zu fällen, den sie sonst nicht kriegen können; viel wichtiger aber noch: Sie sagen ihren Schäflein, dass jene anderen sich doch bloß selbst belögen.

    Nun, mögen sie das tun. Ich kann es ihnen nicht verwehren.

    Am Christentum sehe ich indes inzwischen mindestens in erheblichen Ansätzen, dass dies alte Schema nicht mehr allenthalben verfängt. Viele Christen sind nämlich inzwischen weiter, auch wenn sie die Sache oft noch nicht oberbewusst einzuordnen vermögen.

    Auf diese setze ich.

    Mal abgesehen von den Ungläubigen.

  9. Lesezeichen sagt:

    Hach, ich liebe solche Diskussionen :).

    Magnus, du schreibst

    “Es ist, mit Verlaub, Unfug, zu behaupten, der Ungläubige glaube an das Nichtglauben, sei hiemit selbst ein Gläubiger, im Grunde also ein sich selber belügender Depp.
    Ich glaube nicht an das Nichtglauben. Ich weiß lediglich nicht, an welchen Gott ich glauben sollte. Ich glaube allerdings, meinetwegen, an meine Kinder, guten Wein, Käsfondue made by Emil, Sonnenaufgänge an der Ostsee und noch ein paar erbauliche Dinge.”

    Das muss man tatsächlich drei Mal lesen, aber ich denke, ich weiß, was du meinst.

    Niemand glaubt an einen Nichtglauben. Ebensowenig glaubt man an einen Glauben. Das geht nicht. Entweder ich glaube etwas oder ich glaube es nicht. Wenn ich etwas nicht glaube, dann impliziert das, dass ich es nicht weiß, denn wenn ich etwas nicht weiß oder nicht beweisen kann, dann sage ich es auch so.

    Das heißt, dass die Gläubigen im Sinne von Religion sagen: Ja ich glaube an diesen oder jenen Gott. Andere sagen – so wie ich – ja, ich glaube das, was Jesus gesagt hat, ich glaube Gott, ich vertraue ihm. Das Menschengemachte versuche ich so gut wie möglich außen vor zu lassen, wie du weißt. Ich hab da eben eine andere Herangehensweise.

    Nichtgläubige sagen dann: Nein, ich glaube das nicht. Ich sehe das aus diesem oder jenem Grunde anders. Ich bin eben ein Zufallsprodukt in der Entwicklungsgeschichte vom Urknall ins Nirgendwo. Auch das kann ich nicht beweisen, sondern aus diesem und jenem Grunde schlussfolgern. Das ist mein Denkergebnis. Ich glaube, dass das so oder so zu deuten ist. Den letzten Beweis muss ich schuldig bleiben, denn den gibt es nicht.

    Der Nichtgläubige ist eben auch kein Wissender in dem Sinne, dass er einen in sich schlüssigen Beweis für das Sein in seiner Komplexität liefern kann. Er glaubt nur nicht das, was die Gläubigen glauben.

    Du sagst dann noch etwas anderes:

    Du schreibst: Ich glaube nicht an das Nichtglauben. Ich weiß lediglich nicht, an welchen Gott ich glauben sollte.

    Damit sagst du nichts anderes, als dass du das Thema im Augenblick nicht für dich endgültig lösen kannst. Du glaubst, dass da etwas ist, was du nicht greifen kannst, dir nicht schlüssig erklären kannst, wo dir noch Denkergebnisse fehlen usw.

    Das ist doch in Ordnung. Niemand hat die Weisheit mit dem Schaumlöffel gefressen. Außerdem sind unsere Lebenswege sehr persönlich und manchmal fällt es schwer, Gott zu glauben und wir befinden uns entweder wieder am Start, oder aber müssen weitere Denkschritte erst einmal vertagen, z.B. beim Thema “Warum lässt Gott Leid und Ungerechtigkeit, das Böse, zu?

    Das Käsefondue alla Emil kenne ich leider nicht. Trotzdem liebe ich Käsefondue – vor allem, wenn es selbstgemacht ist. An meine Kinder hab ich immer geglaubt. Sonnenaufgänge über dem Meer sind etwas wunderbares, wobei ich zugeben muss, dass ich die schönsten Abendhimmel mit den unglaublichsten Farbenspielen in Schottland erleben durfte. Sowas habe ich noch nie zuvor gesehen. Hat übrigens auch etwas göttliches. Einen guten Wein verachte ich auch nicht und auch sonst keine schönen Dinge dieses irdischen Daseins.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Ich denke, dass auch Du ein Stück weit in die von mir gegenüber Lesezeichen beschriebene Falle tappst, indem Du schreibst:

    “Als wäre der Glaube an den materialistischen Atheismus besser…”

    Damit in diesem unserem Zusammenhang mindestens dem unbedarften Leser potentiell – wenn auch wohl nicht absichtlich – nahelegend, ich sei – auch ob des obigen Aphorismus ersichtlich – ein materialistischer Atheist.

    “Atheist” möchte, großzügig interpretiert, meinethalben gerade noch angehen: dass ich aber ein Materialist sei, hat noch keiner, der mich auch nur halbwegs kannte, mir je ernstlich anzusinnen verwagt.

    Außer natürlich, er hätte mir die Wahl zwischen dem guten und dem schlechten Wein geboten. Darin bin ich bekennender Material-Ist.

    Nein, der Vorwurf geht bei mir – wenn – regelmäßig dahin, dass ich kein bzw. zuwenig Materialist sei. Aus meinen nunmehr 48 Jahren Lebensspanne kenne ich den jedenfalls seit mindestens 43.

    Selbst mein bester Lehrer – Professor Wilhelm Pötters – pflegte mich dahingehend freundlich zu verspotten, wenn ich sein Büro zum Plausch betrat, “ah, aquí viene el Caballero Andante!”, damit als Kenner auf mein donquijoteskes Wesen gnadenlos, wie es sich unter Sprachwissenschaftlern geziemt, direkt abzielend.

    Snacho Pansa nannte er mich jedenfalls nicht.

    Und, wenn ich schon dabei bin: Sancho will zwar seinen Käs und seinen Wein (mir darin nicht unähnlich), ist aber seinem Herrn in einer Treue verbunden, die mit Materialismus nichts, aber rein gar nichts zu tun hat. Lieber nie mehr Käs, denn seinen geliebten Herrn irgend zu verraten.

    Sancho ist die treue Seele, die über ihre Treue sogar zur Weisheit gelangt. Das steht anhiero jetzt wohl zum ersten Mal. Wer Ohren hat, der höre.

    Und, Duder, es trifft Dich jetzt gewissermaßen zufällig, oder, Du bist es eben wert, dass dies fällt: Weshalb wohl sind “Also sprach Zarathustra” und der Quijote für mich die bislang unübertroffenen Werke der Weltliteratur?

    Sie verkörpern beide das Leben jenseits von Geld und Gier.

    Den Menschen, wie er sich über den Stoff erhebt.

  11. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Ich glaubte vielleicht gerne an einen Gott, wenn ich mich dafür eben nicht schämen müsste.

    Aber zum Schönen und Schottland: Ich habe ebenda, besonders erinnere ich mich an einen Abend in Oban, auf unserer drei Jahre verspäteten Hochzeitsreise, auch Farben gesehen, ein Licht, das ich nur noch mit dem Wort “göttlich” beschreiben will.

    Die ganze Welt taucht ins Himmlische, man weiß vor lauter Staunen und Glück sich selbst und sein Dasein fast nicht mehr zu fassen.

    Von daher – Heilandsack aber auch! – glaube ich auch.

    Es sind diese Dinge, Erlebnisse, die einem nicht einmal tausend Teufel mehr nehmen könnten. Alles Dunkel verblasst dawider.

    Und, es ist, natürlich, die Liebe in uns, die uns so etwas erst zugänglich macht.

    So gesehen richtet sich “der Böse” selbst. Denn er wird keine Augen dafür haben, ist ein sich selbst Blendender.

    Ja, und ich glaube noch an etwas. Oder sagen wir lieber mal ganauer, ich ersehne es nicht nur, sondern halte es gar für möglich. Darin bin ich womöglich verrückter gar noch als der Fahrende Ritter.

    Nämlich daran, dass der Mensch noch unglaubliche innere Schätze heben kann. Dass er, wenn man so will, Beispiele gibt es meines Erachtens schon (Bach), göttlich werden kann.

    Gut, weg von der Schwelgerei und hin zur Sprachwissenschaft: Soweit ich weiß, kommt das Wort “Gott” von “giotan”, neudeutsch “gießen”.

    Gott ist also der, welcher Leben spendet. Hiemit jeder, der etwas Gutes schafft.

    Deshalb steht in jenem Buche, dass man sie an ihren Früchten erkennen möge.

    Der Satz ist unumstößlich selbsterklärend.

  12. Dude sagt:

    @Magnus

    Du hast missverstanden, denn ich habe Dich mit dieser Aussage nicht persönlich angesprochen (oder hast Du ein “@Magnus” entdeckt? ;-)), sondern es war ein generelles Statement, dass jegliche Extreme letztendlich unangenehme Folgen zeitigen.

    Mir ist schon länger klar, dass Du kein materialistischer Atheist bist, und dachte, Dir sei dies ebenso klar.
    Da hab ich mich offenbar getäuscht. *grins*

    Eigentlich wollte ich noch viel mehr schreiben, denn ich hätte noch einiges zu sagen, doch es ist jetzt kurz nach vier Uhr morgens, also lass ich das lieber. :-)

    Nur ganz kurz:
    “Ich weiß lediglich nicht, an welchen Gott ich glauben sollte.”

    Wenn ich Dir hier einen Tip geben darf?
    Du befindest Dich auf einem guten Weg.
    Denn letztlich ist es die eigene Dir innewohnende Göttlichkeit – Deine ewige Seele (dasjenige, was Du wirklich bist, was Dich überhaupt lebendig macht, jenseits von materiellen und vergänglichen Erscheinunungsformen.) – an die Du glauben solltest.
    Und je mehr du an dich SELBST glaubst, umso klarer wird alles werden; vertrau einfach der inneren Führung, die immer da ist, wenn Du sie anzunehmen gewillt bist.

    Das findet man bei Zarathustra übrigens auch. Allerdings versteckt zwischen den Zeilen. Es ist der Übermensch, von dem er spricht!

    Liebe Grüsse vom Dude

    Ps. “Gott” hat eine andere ethymologische Herkunft, soviel ich weiss, aber ich bin grad zu faul, um nachzuschlagen, und mein Sieb im Kopf ist für solche Details nicht mehr zu haben dieser Tage – und erst recht nicht um diese Zeit :-D

  13. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Das Missverständnis lag auf meiner Seite zum Glück so nicht vor. Ich dachte als Zeremonienmeister dieser Seite lediglich an jene, die weder Dich noch mich so genau kennen, vielleicht gerade mal zufällig hier vorbeikommen und die Sache deshalb falschrum auffassen könnten.

    Noch zur Etymologie von “Gott”.

    Ich war mir sicher, die Herkunft von “gießen” vernommen zu haben, habe jetzt aber nochmal meine Bibel (Grimms Wörterbuch) sowie meine Nebenbibel (Oxford English Dictionary) konsultiert, und man ist sich in diesen Heiligen Büchern dahingehend einig, dass man keine zweifelsfreie Lösung des Rätsels gefunden habe. Man vermutet aber, dass die indogermanische Wurzel “ghau” (rufen) einer Partizipialbildung, “ghuto”, “ghutom” zugrundeliege, die Bedeutung also jene des (durchaus im magisch-mystischen Sinne) “Angerufenen” sei.

    Das passte natürlich ziemlich gut ins Bild; doch sind echte Sprachwissenschaftler (zumal jene Edlen der Sprachgeschichte und der vergleichenden Sprachwissenschaft) normalerweise darauf bedacht, sich vom Theologen durch wissenschaftliche Disziplin abzuscheiden, also nicht einfach zu glauben und behaupten, was gerade gut in den Kram passt.

    Ich habe dazu noch eine eigene Theorie, die ich aber ein andermal vorlegen werde, wenn sie hoffentlich ausgereifter ist.

    Wenn wir indes das griechisch-lateinisch-romanische indogermanische Wort für unser “Gott” hernehmen, nämlich “Theos”, “Deus”, “Dieu, “Zeus, “Ziv”, “Tiu” usw., landen wir unweigerlich, wer hätte es gedacht, bei der T-Rune, Tiwaz, jener, die durch den aufrechten Pfeil graphisch dargestellt wird.

    Hier kann man das Wort nun mit einigem Fug in Richtung des “Zeigenden”, des “Zeugenden”, “Deutenden” interpretieren, im Sinne dessen, der die Richtung, den Pfad, weist. (Ogott, hört mir noch einer zu? Wahrscheinlich sind so ziemlich alle schon eingeschlafen, weil der Göller mal wieder langatmig rumspinnt.)

    Witzig ist auch noch – für die noch Wachen – dass “Tirawa”, “Tirawas” bei den Irokesen das höchste Wesen war und – wer hätte es gedacht – durch einen (wenn auch abgerundeten, was aber symbologisch unerheblich ist) Pfeil, also praktisch die T-Rune, dargestellt wurde.

    Da kann es nur noch Zufall sein, dass die Irokesen groß, unmongolide, hakennasige Gesellen sind. Aber in Nordamerika versteckt man ja sowieso jede Moorleiche, die so aussieht, wie sie das nicht darf, ganz schnell.

    Jetzt bin ich natürlich mal wieder etwas abgeschwiffen. Ich wollte Dir aber bei dieser Gelegenheit mal ein kleines Beispiel dafür geben, weshalb ich diesen – die meisten denken da nur, dass ich spönne, oder gar Schlimmeres – Runenfimmel habe.

    Und noch: Wenn ich praktisch sicher gehen will, dass mich fast keiner ernstnimmt (abgesehen von Gert und ein paar anderen), erwähne ich einfach dies Thema. Klappt fast todsicher.

    Ja, und wenn ich schonmal wieder am dumm Rauslabern zu den höchsten, vorgeblich abrahamitisch erbgepachteten Dingen bin, will ich nicht versäumen zu erwähnen, dass sich inzwischen die Japaner, wie ich aus kompetentester germanischer Quelle erfuhr, “geradezu rührend” und überaus respektabel in der Runenforschung engagieren.

    Wundert mich jetzt nicht. Sind ja nicht doof, die Japse.

    Die wissen sogar, wer Johann Sebastian Bach ist.

    So, ich werde jetzt aber langsam von einem überrunischen aufmerksamkeitsundefizitären, jedenfalls, was das betrifft, Einmeterfünfziger zum Mittagsmahlbereiten niedergenervt, so dass ich vorläufig schließen muss.

  14. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Jetzt ist er plötzlich abgehauen, der Felsenthor, so mag das gehen, und ich kann auch noch andersrum aufs Göttliche abheben.

    Du schreibst:

    “Und je mehr du an dich SELBST glaubst, umso klarer wird alles werden; vertrau einfach der inneren Führung, die immer da ist, wenn Du sie anzunehmen gewillt bist.

    Das findet man bei Zarathustra übrigens auch. Allerdings versteckt zwischen den Zeilen. Es ist der Übermensch, von dem er spricht!”

    Das ist gut gesagt. Es ist wahrscheinlich sogar die bündigste Interpretation des Übermenschen im Zarathustra, die ich je vernommen habe.

    Gleichwohl ist dies die schwierigste Form des “Glaubens”. Und nicht leichter für einen, der mehr als nur einmal im Leben von einem Bus gestreift wurde.

    An einen externen Gott glauben (kommt von geloben), sich einem solchen anzudienen, ist zweifellos die einfachere Lösung. Zwar unredlich, aber, zumindest für die Masse, praktikabler, praktischer.

    Was man externalisiert, trägt man nicht mit sich herum. So einfach ist das. Zudem delegiert man Verantwortung – da werden mir jetzt viele wenigstens innerlich widersprechen, obschon dies nicht zu bestreiten ist – an irgendeine letztlich nicht selbst zur Verantwortung zu ziehende, nicht greifbare numinose Macht. An diesem Geschäft fressen sich die Pfaffen fett.

    Luther, einer meiner Helden, war zunächst selber einer, erkannte dann aber, was für ein hundsföttisches Tun es sei, zwischen dem Menschen und seinem Gotte schamlos abzukassieren. Dass er dies dann auch zu sagen wagte, uns zudem unsere Hochsprache gab (nicht jeder heißt Knöpfle), dafür steht er in meinem Pantheon. Erst Nietzsche sollte – bei uns – mit ihm gleichziehen, ihn gar übertreffen.

    Der sagte – im Zarathustra – aber auch: “Werdet hart!”

    Ich weiß inzwischen, weshalb er das sagte. Es bedeutet, in drei Silben gefasst, das, was Du oben ausführtest.

  15. Nils sagt:

    @Magnus

    Mal ein Hinweis: Die Rune heisst nicht T-Rune sondern Tyr-Rune oder Tiwaz.

    Wenn es ein Glaube ist, der die menschlichen Makel überwindet und ein wirklich höheres Ideal darstellt, glaube ich gern, denn was ist schon dieses Selbst – eine Überbewertung des Ichs.

  16. Nils sagt:

    @ Magnus

    Im Übrigen kann ich Dir beim gewählten Zitat ” Werdet hart” halbwegs beipflichten und finde seine Anwendung in dem Zusammenhang gekonnt.

    Allerdings geht mir die Meinung vom @Dude man solle doch gefälligst sich selbst als Mittelpunkt und gar göttlich empfinden, mehr als arrogant und naiv. Mit diesem Gedöns muss man sich Tag für Tag auseinandersetzen. Solchen realitätsfremden Überindiviualisten holt dann der Fausthieb wieder in die chaotische und schlussendlich tödliche Realität zurück.

  17. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Nils

    Die Rune ist selbstverständlich die Tyr-Rune, oder auch, Tiwaz. Es ist aber völlig logisch und geläufig, sie ebenfalls die T-Rune zu nennen. Ganz einfach deshalb, weil das Zeichen, dieser Buchstabe, phonematisch für das T steht.

    Insofern ist dann auch Othala die O-Rune, Dagaz die D-Rune usw.

    Nebenbei noch: Unser heutiges 26er-Alphabet ist, gemessen am 24er-Futhark, ziemlich gaga.

    Das “C”, das “Q”, das “X”, das “Y” und das “Z” sind im Deutschen jeweils nicht gerade sonderlich zielführend.

    Dass unser Alphabet auch noch weitere Defizienzen aufweist, nämlich, unter anderem, zumindest vermochte es bislang keiner zu zeigen, keine klare kalendarisch-kosmologische Analogie abbildet, ist ein Weiteres.

    Die meisten Leute haben gleichwohl Angst vor den Runen – und die Sache mit dem Dritten Reich erklärt diese nur zum Teil.

    Wenn man nämlich nicht so dumm ist wie ich, und sich öffentlich dazu bekennt, sich ernsthaft damit zu befassen, kann man es ja immerhin im stillen Kämmerlein tun. Kaum einer wagt aber wenigstens das. Und dies, obschon die Runen mit einiger Sicherheit mit unser bedeutendstes geistiges Erbe sind. Man lese nur mal Klingenberg und Heß.

    Jeder Halbesohutseppel studiert heutzutage die Kabbalah, mystikandert am hebräischen Alphabet herum, das einen minimalen Bezug zur eigenen Sprache hat, philosophiert über Ochs und Kamel – wogegen ich gar nichts habe, denn alle Kulturen sind es wert – , anstatt, oder sagen wir mal besser, wenigstens auch, dasjenige in Augenschein zu nehmen, was unmittelbar der eigene sprachliche Leib ist.

    Deswegen war Crowley, der durchaus etwas von Sprache und der damit zusammenhängenden Magie verstand, ein am Ende hilfloser esoterischer Tor. Ein englischer Möchtegernrabbiner, der ägyptische Aufladung suggerieren musste, um sich zum Esel eines Aiwass zu machen (eindeutig runischer Name, er wusste das auch), nur weil er so leichter zu reüssieren vorhatte.

    Dass er Shakespeare nie erreichte, ist verzeihlich. Ich schätze auch einige seiner Schriften. Letztlich ist er aber mit seiner 666, dem Tier und diesem ganzen Gedöns, eben doch auf einen fahrenden Zug aufgesprungen, war so gesehen ein eitler Opportunist.

    Und, wenn ich diesbezüglich schonmal aus dem Nähkästchen plaudere: Ich habe, außer meiner Frau und mir, nur einen Engländer und einen Deutschen kennengelernt, der sein Buch des Gesetzes vernünftig zu verdauen in der Lage war. Ansonsten folgte praktisch immer Irrsinn.

    Nietzsches Zarathustra verstehen auch nur ganz wenige wenigstens halbwegs, aber immerhin werden nur wenige darob verrückt.

    Das dürfte daran liegen, dass das Buch in keiner Weise verschlüsselt ist, von irgendeiner dubiosen Gestalt auf die Menschheit herabgesandt, wie als ob zu dem Behufe zu zeigen, dass es noch nicht genügend Irre hier gäbe.

    Insofern war Crowley eine tragische Figur. Denn seine Geistesgaben waren zweifellos außergewöhnlich. Mit seiner Magie, seinem Weltgesetz, hat er sich aber schwer überhoben.

    Ich mag ihn trotzdem. Er war nämlich witzig. Von Jesus beispielsweise ist mir kein einziger guter Witz bekannt. Deshalb ist er mir auch – selber, für mich persönlich, also nicht als vorherrschendes religiösen Phänomen – nicht so besonders wichtig.

    Da ist sogar Konfuzius witziger. Von Luther, Cervantes, Kleist, gar Nietzsche gar nicht zu reden.

    Zu Jesus muss ich mir meine Witze jedenfalls immer selber machen. Das tue ich zwar grundsätzlich gerne, aber ich höre auch gerne mal einen, den ein anderer gemacht hat. Langeweile ist schlimmer als der Tod. Wer mir einen guten von ihm selber liefert, dem gebe ich einen aus.

  18. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Nils

    Unsere Kommentare haben sich überschnitten – sprich ich schrieb und gab mich vor Deinem obigen frei – , weshalb ich erst jetzt einbeziehen kann, was Du bezüglich Dudes anführst.

    Ich denke, dass er grundsätzlich richtig liegt, sehe aber auch die Berechtigung Deines Einwandes dawider. Zumal er hart und kristallin formuliert ist.

    Indes: Da wir hier ja alle etwas weiter aus uns herausgehen, als vielleicht allgemein üblich, ich gar mit Klarnamen (das ist dann schon nochmal zu erwähnen), will ich den Duder, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, doch, unberufenermaßen, in Schutz nehmen.

    Wenn er sich nämlich äußert, wird mir nicht, wie sonst regelhaft, gleich schlecht, oder sagen wir mal, so zart bin ich denn auch nicht, muss ich ekel die Augen verdrehen, wenn einer etwas von Spiritualität erzählt. (Habe dazu, siehe Suchfunktion oben rechts, hier schon einiges von wegen spiri usw. vom Stapel gelassen.)

    Immerhin, auf jeden Fall: Der Dude hasst das Denken nicht. Er gehört zu denen, die das – meine ich – sogar gerne tun. Und er hat und schätzt nicht nur den Witz: sondern man kann sich sogar mit ihm streiten.

    Wäre er ein Weib, so grübe ich ihn wahrscheinlich mit meinem inzwischen sehr klein gewordenen und nur äußerst sparsam eingesetzten Schäufelchen ein klein wenig an.

    Aber, heute bin ich so ausgelaugt, dass ich etwas geschwätzig werde: probiere es also doch mal selber und fetze Dich mit ihm. Aber bitte auf einem Euch angemessenen Niveau. Dann schaue ich gerne zu und steuere auch mal noch meinen Senf bei. (Der passt zwar nicht recht gut zum Käsfondue, aber man kann ihn gut auch ohne Wurst essen, er ist sogar veganertauglich.)

  19. Dude sagt:

    @Magnus

    “Man vermutet aber, dass die indogermanische Wurzel “ghau” (rufen) einer Partizipialbildung, “ghuto”, “ghutom” zugrundeliege, die Bedeutung also jene des (durchaus im magisch-mystischen Sinne) “Angerufenen” sei.”

    Ich habe noch ein bisschen gegraben, sowie mir einige Gedanken dazu gemacht und es ist keineswegs abwegig, anzunehmen, dass “Gott” von “giessen / ausgiessen” kommt.

    Anders ausgedrückt: Das Leben an sich, was sich ins Materielle hinein ausgiesst.
    Wir – unser ewiger Kern der uns lebendig macht – sind das Ausgegossene, und somit zwar qualitativ gleich, nicht aber quantitativ. Daher ruft das Ausgegossene wiederum das Ausgiessende an, um letztlich wieder im Kessel zu landen. ;-)

    Allerdings ist es genauso gut möglich, dass es aus dem Sanskrit-Wort “Deva”, aus welchem wiederum über ein paar Umwege “Deus” entstand, abgeleitet ist, da das Wort “Deva” idR. mit “göttliches, himmlisches Wesen” übersetzt wird. Jedoch ist dies – wenn man’s genau betrachtet – nicht ganz korrekt, denn die Bedeutung für “Deva” in der vedischen Hochkultur war “Halbgott”, oder wie wir in unseren Breiten sagen würden: Götter (oder Engel / Elohim [Schöpfungskollektiv]).

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Menschen vor ~10’000 Jahren beim Kontakt mit transdimensionalen Wesenheiten, diese als Gottheiten bezeichnet hätten.
    Von daher würde das schon auch gut passen.

    Und es verbindet sich auch bestens mit der Tiwaz-Rune und den Irokesen. Danke übrigens für das Beispiel, das hat mir tatsächlich einiges über die Runen verdeutlichen vermögen – sie sind nämlich ziemliches Neuland für mich. :-)

    Aber das ganze wirklich lückenlos zu erörtern, bräuchte wohl mehr als nur einen Strang hier. ;-)
    Ich freu mich schon auf “Deine Theorie”. :-)

    “Das ist gut gesagt. Es ist wahrscheinlich sogar die bündigste Interpretation des Übermenschen im Zarathustra, die ich je vernommen habe.”

    Danke! Doch dies wär mir wohl nicht ganz so bündig gelungen, hätte ich nicht die entsprechende Vorlage bekommen. :-D

    Letztlich handelt es sich beim Übermenschen doch um den Glauben an das unendliche Quantenpotential = ALLES IST MÖGLICH! Die göttliche Seele beherrscht mittels des Geistes die Materie, so sie sich ihrer Selbst auch bewusst ist.

    Und hier:
    “Was man externalisiert, trägt man nicht mit sich herum. So einfach ist das. Zudem delegiert man Verantwortung”

    …triffst Du voll ins Schwarze. Unser ganzes System baut ja auf Abschiebung der Verantwortung… noch… Mehr sag ich mal nicht, war eh schon genug, wollt ja eigentlich kürzer treten. ^^

    Ps. Grüsse die Junioren von mir.

  20. Dude sagt:

    Addendum:

    “Was wir suchen, ist das, was sucht!” (Franz von Assisi)

    Ps. Daraus entstand die Sehnsucht ;o)

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