ACTA: Schluss mit netzlustig

Verdammte Hacke aber auch. So habe ich mir das mit der Verteidigung des Urheberrechtes nun wirklich nicht vorgestellt.

Dass nämlich, gemäß ACTA, wenn unterzeichnet, “Provider” (weshalb man die nicht Versorger nennt, weiß ich nicht) verpflichtet werden sollen, mich Tag und Nacht auszuspähen und gegebenenfalls zu melden.

Haben die ein Rad ab?

Nein, die haben alle Räder dran und schnell am Drehen.

Ich glaube auch nicht, dass dieses Abkommen dazu da ist, Urheberrechte zu schützen. Noch nicht einmal, dass die Großindustrie entscheidend dahintersteht.

Es geht meines Erachtens vielmehr um etwas anderes: totale Überwachung und die Möglichkeit, jeden Missliebigen fertigzumachen.

Stellen Sie sich mal vor, Sie drehen ein kleines YouTube-Video mit Sohnemann. Der trägt ein Nike-T-Hemd. Im Hintergrund läuft Bach.

Nun, der Herr Bach ist lange tot, die Rechte an den Brandenburgischen Konzerten sind also frei. Aber nicht jene an der entsprechenden Aufnahme. Außerdem haben Sie das Logo von Nike unerlaubt verwertet. Vielleicht haben Sie Ihrem Sohn sogar mal ein Paar anständige Schuhe gekauft, und die Kamera erfasst die Meindl-Prägung versehentlich. Radauz. Dann schnitzt Filius philosophierend einen Stecken, man erkennt das Victorinox-Messer. Schon wieder verloren.

Zwischendurch nimmt der Delinquent einen Schluck aus seiner Lieblingstasse. Homer Simpson drauf. Dazu trällert er einen Vers von meiner Präsihymne. Es ist Ihr Sohn, nicht meiner. Jetzt haben sie sechs Klagen am Hals. Und nebenher kein Netz mehr.

Gut, wenn Sie brav die Grünen wählen oder CDU, auch sonst nicht sonderlich durch Verstand auffallen, Ihr Video in drei Monaten dreiundfünfzigmal angeklickt wird, passiert Ihnen wahrscheinlich nichts.

Andernfalls…

SOPA (sp. Seife), PIPA (sp. Pfeife) und ACTA (selbsterklärend): Man seift Sie ein und raucht Sie in einem Akt in der Pfeife.

Es ist klar, worum es hier geht. Hinter vorgeblich hehren Zwecken verschanzt, sollen totale Durchgriffsrechte, soll die totale Internetzensur geschaffen werden.

Das verwundert nicht. Denn die Mächtigen haben durchaus begründet Angst vor Ihnen. Vor Ihrem Rechner. Vor dem, was Sie damit anstellen könnten.

Da sie, so tuend, wie als ob Freiheit herrsche, nicht einfach die direkte Informationsdiktatur ausrufen können, versuchen sie, diese Hintertür zu öffnen.

Wie immer, bei solchen Projekten, geht es ihnen nicht darum, Millionen Prozesse zu führen: Einige abschreckende Beispiele genügen, und jeder wird vorsichtig, ängstlich, hat die Schere im Kopf.

Und wird im Zweifel eben nicht vom bösen Staat gerichtet, sondern ganz zufällig von Samsung, Daimler-Benz oder Adidas.

Ein wahrhaft geniales Stategem. Dass ich da nicht selber draufgekommen bin, mag mich fast schon ärgern.

Spaß beiseite.

Schauen Sie sich mal noch dieses Video dazu an. Damit werden Sie sehr wahrscheinlich registriert. Aber, noch, dürfte es dies Risiko wert sein. Es ist übrigens gemeinfrei.

(Mein dreizehnjähriger Sohn hat es beigebracht. Endlich ziehen wir netztechnisch an einem Strang.)

Nachtrag: Gerade stellten wir beide fest, dass uns aufgrund eines Fotos meines Chaos-Schreintisches folgende Firmen bzw. die jeweiligen Markeninhaber verklagen könnten: Logitech, S.Oliver, Zippo, Nelson (Lidl-Tabak), OCB, Lucasarts, Activision, bigben, Sony, Wenger, Remstal Kellerei, Mercedes Benz, United Office (Lidl-Schreiber), Ubisoft, Microsoft, Avalon (Bildschirm), Siemens (Telefon), brother (Kopierer), Lexmark (Drucker), dtv (Zarathustra-Ausgabe), Volksbank Stuttgart eG (Rechnungsbeleg), Brunnen (Schreibblock), United Office (Stempel), Schüco (Fenstergriff) und vermutlich verschiedene mehr.

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5 Antworten zu “ACTA: Schluss mit netzlustig”

  1. Armin sagt:

    “So habe ich mir das mit der Verteidigung des Urheberrechtes nun wirklich nicht vorgestellt” Ja, ich auch nicht. “totale Überwachung und die Möglichkeit, jeden Missliebigen fertigzumachen” Genau!

    Es ist verrückt, wie die nun lospauken im 2012! Genauso habe ich mir das gedacht. Volle Pulle mit Arabischem Frühling bis nach Syrien mit Destination Iran, mit PIPA, SOPA und ACTA global 1984 installiert, dann noch die allzu blatante letzte Verneigung vor Giglio komplett mit wohl “Machurian” Kapitän und synchron die entsprechend weitreichende Rating Herabstufung, dazwischen Vollpropaganda (so ala Madonna “World Peace”… Ritual)für jeden Geschmack. Die feinen Herren haben was vor 2012…

    Da muss man – zwischen dem eiligen Draften, Zerreissen und ab und an Publizieren mehr oder minder wirkungsvoller Artikel – wohl ihrerseits als eine Art Hofnarr mürrig gebilligt – noch irgendwie zum Leben kommen., zum Relaxen, zur Natur, zur den Kindern etc. etc. etc.

    Und dann die Werbung z.B.:
    AXE 2012 – das Ende der Welt! (ne,ne, nur Spass, der Teufel kommt…) Aber wirklich, was für ein netter Humor hier an den Tag gelegt wird.

    Und da laufen doch wirklich noch Milliarden rum, ganz in Karriere, Mitmarschieren und NWO kompatibel werden verliebt, und denken, dass sei doch alles ganz normal…

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    Sehen wir die Sache mal sportiv: Ich schätze mal, dass wir zwei beide, hätte man uns ein halbes Jahr Zeit gegeben und schlappe 100 000 Euronen, respektive Fränkli, wir hätten eingeschlagen, so wäre uns so eine Sauerei wohl auch im Duo eingefallen.

    Auftrag: “Wie machen wir gutmenschenmäßig die Meinungsfreiheit im Netz platt?”

  3. Armin sagt:

    Sportlich gerne – ich empfinde es im Augenblick aber schon als eher nervende Multiattacke. Krise, Krieg, Ritual, Diktatur, Weltende etc. etc. wird so richtig zusammengewürfelt und im Sekundentakt durchgeprescht. Der Speed, in dem Acta durchgewunken wurde und die 0% Partizipation der Zivilgesellschaft sind schon klarer Hinweis auf die Eile, die da an den Tag gelegt wird.

    Ohne Meinungsfreiheit geht ja gar nichts mehr d.h. das ist der absolute Beweis für Diktatur. Dann ist der Vorhang entgültig unten. Dann kann man dann wirklich alles durchwinken.

    Aber wo bleibt der Aufschrei der Massen? Die Spritze wirkt, die Hypnose, die Magie. Diese ganzen False Flags, Rituale, 1984 Gesetze sind doch auch immer – neben ihrem ganz praktischen Nutzen – in ihrer Grobheit Tests, ob wirklich alle auch schön tief und gut schlafen. Und bei ACTA sieht man auch wieder schön, im Grossen und Ganzen scharcht die Menschheit… oder?

    Auch ganz interessant. Aussage des zurückgetretenen EU Berichterstatters in Sachen ACTA:
    „Ich möchte den gesamten Vorgang, der zur Unterzeichnung dieses Abkommens geführt hat, auf das Schärfste anprangern: Keine Einbindung einer Nicht-Regierungs-Organisation; mangelnde Transparenz von Anbeginn der Verhandlungen an; wiederholte Verschiebungen der Unterzeichnung des Abkommens, ohne dass je eine Erklärung dafür abgegeben wurde; das Ignorieren der Forderungen des Europäischen Parlaments trotz mehrerer Beschlüsse unserer Versammlung.”
    https://www.laquadrature.net/wiki/ACTA_rapporteur_denounces_ACTA_masquerade

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    ACTA scheint jetzt ja aufgrund massiver Proteste doch erstmal nicht zu laufen. Das ist wichtig und gut so.

    Ich wundere mich (und dann auch wiederum nicht) immer wieder darüber, weshalb die Mächtigen angesichts ihrer Kriegstreibereien (zuletzt Libyen, jetzt Syrien und Iran) keine Scheißestürme abkriegen.

    Leider muss man dazu sagen, dass der Berliner Nerd zwar sehr empfindlich reagiert, wenn man sein Netzgebaren bedroht, es ihm aber anscheinend daran gemessen scheißegal ist, wenn die NATO-Bomber und Drohnen fliegen.

    Dass beide Dinge intrinsisch miteinander zusammenhängen, sieht er nicht, oder er will es nicht sehen.

    Ich habe auch Stuttgarter Bahnhofsgegnern immer wieder vorgehalten, dass sie für ein paar Käfer und Bäume Tag und Nacht demonstrieren und Mahnwachen halten, sie der Libyenkrieg mit zigtausend Toten hingegen nicht die Bohne interessiert. Hat unser grüner Landesvater Kretschmann je auch nur ein Messdienerstimmchen dawider erhoben, sein Parteifreund Fischer nicht übelst auf Westerwelle herumgehackt, weil der Deutschland wenigstens aus diesem Krieg (weitgehend, außerdem hat dies sicherlich die Merkelin entschieden, eher jedenfalls, als seine bessere Hälfte) heraushielt?

    Das wollen die GutmenschInnen dann gar nicht hören. Manche sagten mir dann sogar, es sei doch immerhin schonmal gut, dass die Leute überhaupt gegen etwas auf die Straße gingen. So übte man immerhin schonmal (im Ernst!). Außerdem gehe einen der Bahnhof nunmal direkt etwas an, da ließen sich die Leute halt leichter mobilisieren.

    Ich sehe da eher einen Ventileffekt. Man hat “was getan” gegen “die da oben”, wählt die Juchtenkäferschützerweltkriegspartei und fühlt sich gut und gerecht dabei.

  5. moenroe sagt:

    wir müssen mal alle langsam auf die strasse wir haben nicht mehr viel zeit diese ganzen scheiss acta oder wie sie auch heissen ist nur da für da um uns das maul zu stopfen das ist doch klar

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