Fluglärm ob billiger Kurzstreckenflüge: Pro Bahn

Eben las ich wieder von Protesten gegen Fluglärm. Anlass, das Thema Fliegen, Billigfliegen, zumal Kurzstreckenfliegen, nochmal aufzugreifen.

Es gibt massenweise Flüge von Frankfurt nach Berlin, Düsseldorf nach Hamburg, Frankfurt nach München usw. Im ersteren Falle schafft die Bahn die Strecke in gut vier, im zweiteren in gut dreieinhalb, im letzteren in etwas über drei Stunden. Von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof. Womit, wofern man nicht an einem Flughafen wohnt und am anderen arbeitet, einschließlich Ein- und Auschecken plus zweimal Zubringerfahrt, in der Regel keinerlei oder fast keine Zeitersparnis mehr herausspringt. Deshalb fliegen die Leute solche Strecken auch nur, weil es, ergattert man nicht eines der raren Supersparangebote der Bahn, schlicht meist billiger ist, oft gar um die Hälfte. Dies einfach deshalb, weil Flugbenzin steuerfrei ist. Pervers.

Bekannt ist, dass Kurzflüge energetisch weitaus am ungünstigsten sind, da der Start den Löwenanteil des Sprits frisst. Angesichts der Tatsache, dass eine Kerosinbesteuerung im weltweiten Alleingang Deutschlands jedoch offenkundig unrealistisch wäre, plädiere ich für eine generelle Startabgabe von 50 Euro für alle Inlandsflüge. So fiele der Peisvorteil weg. Dann flöge nicht mehr Hinz und Kunz von hier nach dort.

Den obengenannten vergleichbar unsinnige Flüge wie Stuttgart-Paris oder München-Wien blieben freilich von diesem ersten Schritt unberührt; aber wir wollen ja nicht gleich unsere Nachbarn verprellen: obschon sich das eigentlich auch duchsetzen lassen sollte, wenigstens für das Hinausfliegen. (Ja, ich weiß, die EU wird das wahrscheinlich alles verbieten. Von wegen Wettbewerbsverzerrung, weißderteufel was. Aber das müssen die dann erstmal. Und wer weiß, wie lange die Kommissare und ihr Usurpationsgericht noch verbieten können, was auch immer ihnen nicht gefällt.)

Noch ein Punkt: Wer von jenen, die gegen Fluglärm protestieren, ist noch nie geflogen, fliegt konsequent nicht mehr, wenigstens prinzipiell keine kurzen Strecken? Wäre mal eine Erhebung wert. Am liebsten wohnen doch viele, mit schnellem S-Bahnanschluss (dafür ist die Bahn gut genug) ganz in der Nähe eines großen Flughafens, nur bitteschön der Einflugschneise abgewandt.

Und: Jaja, ich weiß, die armen Arbeitsplätze bei den Fluggesellschaften. Ein paar hundert Leute wären wohl betroffen. Da die Bahn aber erst vor kurzem angekündigt hat, eine Menge zusätzliches Personal einstellen zu wollen, sich die “Freigesetzten” ja alle auf irgendeine Art mit Personentransport auskennen, könnten die bevorzugt eingestellt werden. Im übrigen vernichten viele sinnvolle Maßnahmen unsinnig und gesamtgesellschaftswidrig subventionierte Arbeitsplätze und schaffen dafür, direkt oder indirekt, an anderem Orte vernünftigere neue.

Die Bahn jedenfalls könnte sich über mehr Wettbewerbsfähigkeit, hiemit Kundschaft, freuen und hätte somit auch mehr zu tun.

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7 Antworten zu “Fluglärm ob billiger Kurzstreckenflüge: Pro Bahn”

  1. Lesezeichen sagt:

    Hallo Magnus,

    bist du mal konsequent Bahn gefahren in Deutschland bzw. warst du darauf angewiesen?

    Ich schon – und bin dann irgendwann aus lauter Verzweiflung umgestiegen auf das Auto. Entweder kam der Bus nicht oder die Bahn nicht oder im Zweifel beides und die knappen 17 km bis zum Büro wurden nahezu unüberwindlich.

    Außerdem ist die Bahn viel zu teuer.

    Hier fahren die Busse zuverlässig im Minuten-Takt ab, in der Stadt alle 10 minuten, die Metro fährt ebenfalls alle 10 Minuten. Ich brauche kein Auto, hab auch keines, und bin in einer knappen halben Stunde im Büro.

    Was den Fluglärm anbetrifft, so kann ich darüber nur müde lächeln. Ich habe Mitleid mit denjenigen, die ihr Häuschen bereits hatten, bevor der Flughafen gebaut bzw. ausgeweitet wurde. Aber viele Leute kaufen sich dort ihre Häuser, weil sie dort ganz einfach billiger sind und das eben genau aus dem Grund, weil dort der Flughafen ist. Der Fluglärm dürfte also keine Überraschung sein.

    Etwas anderes ist die Luftbelastung durch das Verklappen des überflüssigen Kerosins. Wir haben viele Jahre im Großraum Rhein-Main gewohnt und zwar unterhalb des äußeren Einflugrings. Ich habe irgendwann einmal gelesen, wieviel Tonnen Flugbenzin jährlich über uns verklappt wurden, damit die Flieger leichter sind, wenn sie landen. Natürlich geschieht so etwas völlig ungefährlich und ist auch nicht gesundheitsschädlich. Es verflüchtigt sich doch. Ebenso wenig wie jeder Fabrikunfall in Hoechst, wenn mal wieder Griesheim völlig gelb war und die Leute in ihren Wohnungen bleiben sollten.

    Jedenfalls habe ich mich ab dem Zeitpunkt nicht mehr gewundert, dass unsere Kinder so oft krank waren.

    Auf keinen Fall würde ich mich auf die Bahn verlassen, wenn ich gezwungen wäre, irgendwo pünktlich zu sein. Das funktioniert definitiv nicht.

    Wen möchte denn die Bahn einstellen? Das wäre doch mal interessant zu erfragen. Vielleicht doch eher IT-Leute, die dafür sorgen, dass der Bahnverkehr komplett personalfrei abläuft. So war jedenfalls jahrelang die Bahnpolitik. Deswegen bekam man auch das Ticket am Automaten billiger als am Schalter, wo ja ein Mensch für seine Arbeit bezahlt werden musste. Dieser Mechanismus hat übrigens gut funktioniert. Es wurde jede Menge Personal eingespart, mit der Begründung, dass die Fahrgäste die Automaten sehr gut angenommen hätten.

    Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

    herzlichst

    das Lesezeichen

  2. Matze sagt:

    Also zum Fluglärm, klar ist das nicht schön. Aber wieviele sind da wirklich schwer von betroffen??? Ich könnte mir vorstellen das von Bahnlärm viel mehr Leute bertoffen sind! Ich wohne an einer sehr stark befahrenden Mehrgleisigen Eisenbahntrasse. Es gibt keine Lärmschutzwände, obwohl einige Häuser nur 10 m vom Gleis entfernt stehen. Am schlimmsten sind die Güterzüge! Aber ich muss auch sagen, kommt man ein nagelneuer Güterzug vorbei, dann ist der wesentlich leiser als die alten Kisten. Es gibt also Möglichkeiten, nur macht keiner was. Vielleichtsoltten wir uns in Deutschland auch zusammen schließen und gegen Bahnlärm protestieren. Andersherum ist da auch noch keiner von gestorben und irgendwo muss die Bahn ja lang fahren, ähnlich wie die Flugzeuge. Würde schon viel bringen alte Modelle durch neue, leisere zu ersetzen. Ob nun bei Bahn und Flugverkehr!

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Ich fahre seit Jahren nur noch Bus und Bahn (auße Mitfahrgelegenheiten) und habe natürlich auch gemischte Erfahrungen gemacht. Allerdings steht man mit dem Auto auch oft im Stau, auf vielen Strecken regelmäßig, und Flugverspätungen, selbst das Lahmliegen ganzer Flughäfen wegen Eis, sind auch keine Seltenheit.

    Und, ja, die Bahn ist teuer; allerdings gemessen am Betrieb eines PKW mit Sicherheit nicht. Zudem kann ich beide Kinder bis 14 kostenlos mitnehmen. Und wer viel fährt, für den lohnt sich die Bahncard 50 – für 230 Euro im Jahr. Dann fährt man regulär für 65 Euro überallhin.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Matze

    Der Bahnlärm ist natürlich auch nicht zu verachten. Ich persönlich halte ihn aber für vergleichsweise verträglicher als Fluglärm oder Straßenverkehrslärm.

  5. TanjaKrienen sagt:

    Aber die Bahn rattert hundertausendfach an Schlafzimmern vorbei…

  6. Lesezeichen sagt:

    Tanja, da sagst du ein wahres Wort.

    Wir haben ca. 9 Jahre an der Bahnlinie Frankfurt – Limburg gewohnt, ca 25 m vom Bahnübergang entfernt. Morgens um 4.00 h ging das los mit dem ersten Güterzug und ca. 30 Waggons. Zuerst das Rasseln der Ketten von der Schranke und dann….rattatong, rattatong, rattatong….30 mal.

    Das ging ab dann im Abstand von 20 Minuten. Kettenrasseln…rattatong….Kettenrasseln.

    Man behauptet ja landläufig, dass man sich daran gewöhnt. Ich habe mich nie daran gewöhnt.

    Wir wären gern weggezogen. Leider herrschte zu dieser Zeit Wohnungsnot und absolute Kinderfeindlichkeit. Für eine Familie mit 2 kleinen Kindern eine absolute K.O-Situation. Wir haben uns wirklich sehr um eine neue Wohnung bemüht und waren keine Sozialhilfeempfänger.

    Mich haben die Flieger an sich weniger gestört, zumal ich auch am Flughafen gearbeitet habe. Gestört hat mich die Kerosinverklappung über uns, die – immer vollig ungefährlichen – Giftunfälle von Frankfurt Hoechst und die Bahnlinie.

    Ich weiß, dass die Bahn auch irgenwo langfahren muss, aber man hätte durchaus in diesen Gleisabschnitt investieren können, um zum einen das Kettenrasseln abzustellen und dieses Rattatong zumindest abzumildern. Außerdem gab es für die Autos zwar eine Schranke aber seitlich der Schranke war alles offen und die Bahnlinie ging mitten durch ein Wohngebiet mit spielenden Kindern.

    @Magnus,

    natürlich gibt es die Bahncard. Aber wenn du auf Bus UND Bahn angewiesen bist, nützt dir das nichts und die Gesamtrechnung wird ziemlich teuer.

  7. TanjaKrienen sagt:

    Ja, wir müssten alle defensiver leben. So halte ich es.

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