Aufzeichnungen aus einem Tollhause

Einige verbale Ejakulate meiner Filiorum kann ich hier gar nicht wiedergeben. Es ist der blanke bläkende Irrsinn. Etwas von einem reichlich impotenten schwäbischen Brechreizvirus befallen, das sie zwar schulunfähig gemacht, aber leider keineswegs bettlägerig, habe ich jetzt seit zwei Wochentagen einen gut einpubertierten und einen anpubertierenden Göllerschen Maniakalen im Hause, so, Zank, Radau, Gebrüll, Gequietsche, Raufhändel, Fehlalarm ständig, pur, dass ich mich nur noch über meine eigene Widerstandskraft dahingehend wundere, noch keinem Herzkasper erlegen zu sein.

Immer wieder zerschallen mich Geräusche, wie als ob der Don der mächtigsten transorinocoischen Tapirzucht die allgemeine jährliche Jungbockkastration in Order gegeben habe, die Novizinnen vom benachbarten Kloster San Grito von den Kampfhunden der Leibgarde des Don Cocainón gestellt würden, gleichzeitig Thors Hammer sauste, als müsse eben der Kaukasus binnen Sekunden ins Schwarze Meer getrümmert werden, dazu der Urschrei eines Shaolinmönches, der gerade den letzten korrupten General des Kaiserhofes enderledigt, Gequieke, verqueres Gebäbbere, dementes Gegrumpf, Schlachtengesänge, kurzum: ein Endzeitszenario jagt das andere.

Dazwischen Flüche, Beschuldigungen, Beschimpfungen, dass man den Stuttgarter Süden mit den übelsten Ecken der Chicagoer South Side kurz vor dem Crackdealer-Shootout verwechseln möchte, der Kleine dabei reichsdeutschflugscheibenbrummkreiselnd, Nanohirnthermitexplosionen all over the place, ein um Gnade winselnder, manchmal selber erfolglos die Phonzahl erhöhender Erzeuger, Geklapper, Geschepper, Geschrote, jede nur nicht erdenkliche Form primatenmöglichen Aberwitzes und Unfugs, keine Gnade, mit der Ausdauer eines Weltumseglers, der Verve eines altgriechischen Pankrationreckens, der weiß, dass bis zum Tode gekämpft wird, armageddonischem Zittern und Krachen, inkamäßigen Herzfraßritualen, Schächtungen weißer Nashörner, Obeliskensprengungen, Pyramideneinstürzen, Kettensägenrodungen Heiliger Haine, Mariannengrabenkeile, Beteuerungen eigener völliger Unschuld.

Nun, das dies Verhalten bedingende Y-Chromosom stammt wohl von mir (pater semper incertus est), so dass ich nur den Schluss daraus ziehen kann, mir für meine nächste Inkarnation (wenn eine übrigbleibt) zu wünschen, ein X-Chromosom zur Wirkung kommen zu lassen, für eineiige weibliche Zwillinge am besten gleich, ganz liebe, fleißige, aufräumende, englischlernende, vollkommene Lichtwesen, die Vater und Mutter achten und ehren.

Solche Satansbraten.

Neulich meinte der eine sogar, er wolle damit anfangen, an Gott zu glauben, wofern sein Bruder und ich nicht in seinem Sinne spurten.

Ich weiß jetzt endlich auch, wozu man die Schule erfunden hat.

Nämlich nicht, wie viele glauben, für die Kinder, sondern für deren Eltern.

Damit diese lange genug am Leben bleiben, jene großziehen zu können.

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