Deutschland stirbt den Smartphone-Tod (Schmerzphon-Tod)

Ich habe nur noch wenig Zweifel daran, dass Deutschland den Smartphone-Tod sterben wird.

Ging ich noch vor einem oder zwei Jahren durch die Straßen, so hatte ich trotz all der vielen jungen Mädchen und Frauen, denen ihr Mobilfunkgerät förmlich an der Backe klebte, der hirnschädigenden Wirkung durch die permanente starke Strahlung aus kürzester Entfernung, noch Hoffnung (obwohl ich nicht zu jenen gehöre, die meinen, Frauen sollten es eh besser nicht mit dem Denken versuchen).

Jetzt aber gewahre ich all diese germanischen Grazien mit leicht gesenktem Haupte einherwandeln, entrückt, nicht mehr von dieser Welt, eine Hand, oft beide Hände, am Smartphone, auf dieses blickend, nicht ihrer Umgebung, ihrer Mitmenschen, selbst des Verkehrs nur noch per gelegentlichem Aufschauen achtend.

Auf Kurz oder Lang werden all diese bestinformierten Teutoninnen aller Zeiten von schnöden Renaults und Hyundais überrollt worden oder unter die Tram gefallen sein: also wenig gewahren sie noch ihres irdischen Daseins.

Wir werden daher bald genetisch kompatible Aliens in gebärfähigem Alter importieren müssen.

Es gibt nämlich sehr wahrscheinlich schon eine App, die den modernen Kunigunden erklärt, wofern sie so etwas beiläufig interessieren sollte, solange sie noch nicht vom Stadtbus tödlich erfasst, wie man Kinder zeugt, aber eben keine, die selber welche macht.

Auch eine technisch immerhin machbare App, die stets pfiffe und den Flachmann vibrieren ließe, sobald sich irgendetwas mit über hundert Kilo Masse im Umkreis von hundert Metern der Smartphonerin in ihre Richtung bewegte, brächte nichts; höchstens im Wald: Überall sonst, wo dies stets der Fall ist, würde sie, da immerzu anschlagend, von Madame Starrblick dauerhaft deaktiviert.

Nun, “smart” bedeutet (und ist ersichtlicherweise direkt mit dem deutschen Wort verwandt) ursprünglich – der Gebildete, also Altmodische, weiß es noch heute, und die Verwendung ist nicht ausgestorben – Schmerz. Und als Verbum “to smart”: schmerzen.

Schmerzen können indes süchtig machen: Das weiß jeder gestandene Masochist.

So auch hier.

Sie haben also nicht mehr die Warnfunktion, die ihnen normalerweise zukommt, sondern, im Gegenteil, sie bedingen einen mentalen Abwärtsstrudel, bis hin zum davon herrührenden physischen Exitus.

Wissen Sie ein Gegenmittel?

Ich habe schon daran gedacht, dass erst Frauen ab 30, die mindestens zwei Kinder haben, von Schmerzphonen besessen werden dürfen sollten: die mögen das, nach zweimal Kreißsaal, verkraften.

Leider höre ich sie aber schon schreien, all die Liberalen und Libertären, von wegen Intoleranz und fascho usw., so dass ich wenig Hoffnung habe, mich mit einer derartigen Forderung durchsetzen zu können.

Denen ist eben der pekuniäre Umsatz wichtiger, der Volkstod durch Selbstzerstörung im Zweifel lieber, als eine notwendige vernünftige Maßnahme zur Erhaltung der Nation.

Ja, so ist das.

Wo es früher noch des gewaltsamen Genozids bedurfte, reicht heute die Vermarktung eines zigarettenschachtelgroßen Elektrogerätes.

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9 Antworten zu “Deutschland stirbt den Smartphone-Tod (Schmerzphon-Tod)”

  1. Armin sagt:

    Prägnant, klar und meiner Meinung nach kein Bischen übertrieben. Mein Smartphone jedenfalls ist betont unsmart und kennt einen einzigen quasi Dauerzustand:

    Off!

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    Meine Söhne wollten zu Weihnachten partout jeder einen i-Pod.

    Die Verwandtschaft hat ihnen welche geschenkt.

    Die blanke Pest schon so ein Teil. (Der Kleine hat sich seinen zum Glück gleich am ersten Schultag klauen lassen, fahrlässig, wie er nunmal ist.)

    Eine sehr begabte junge Frau erklärte mir kürzlich, als wir auf das Thema kamen, selber verwundert und schließlich leicht kopfschüttelnd, aber immer noch mit begeistert leuchtenden Augen, wie sehr dieses Gerät (ihr Smartphone) ihr ganzes Leben verändert habe. Was sie sich nie hätte vorstellen können.

    Ich machte keine übergroße Sache daraus, da leise Töne oft mehr bewirken als laute, brachte aber meine Bedenken doch klar zum Ausdruck.

    Jetzt haben schon bald die meisten jungen Leute einen versatilen Taschencomputer dabei, X coole Appps drauf, die alle erkundet und bedient werden müssen internetfähig, der auch noch telefoniert.

    Und wer keinen hat, der ist von vorgestern.

    Da ist eine veritable Katastrophe im Anrollen.

    Denn das wirkliche Leben erstirbt.

  3. Ich denke, hier ist ein natürlicher Selektionsprozeß im Gange. Gestern war ich bei einem namhaften Discounter in unserem Gewerbegebiet. Es ist nicht ungewöhnlich, daß dort immer mal wieder ein bis zwei Leute mit Moppelfonen (meine Bezeichnung für Mobiltelefon) herumlaufen, doch diesmal zählte ich deren fünf. Den Vogel schoß dabei eine Migrantin der finnisch-ugrischen Sprachfamilie ab, die in ihrer Kopfwindel ein solches Moppelfon gleich fest eingesteckt hatte! Es schaute zu einem Drittel vorne heraus. Dabei hatte sie natürlich den schon im Text erwähnten charakteristischen Starrblick und brabbelte ständig vor sich hin.

    Golden Zeiten werden für Hirnchirurgen anbrechen, die dann in Überstunden-Schichten irgendwann die von diesen Dingern erzeugten Tumore wieder entfernen dürfen.

    Doch wie heißt es so schön: Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.

    Ich besitze übrigens kein Moppelfon, denn ich bin dagegen allergisch. Elektrosensibel! Liegt irgendwo eins auf dem Gehweg, trete ich herzhaft drauf. Ach, und ich bin sehr gerne von vorgestern.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Patricia Müller

    Ich habe ein “Moppelfon”, führe es aber nur in ausgesuchten Sonder- bzw. Notfällen mit mir und nutze es.

    Vielleicht werde ich das noch ganz abschaffen.

  5. Armin sagt:

    @Patricia Müller
    “ich bin dagegen allergisch. Elektrosensibel! Liegt irgendwo eins auf dem Gehweg, trete ich herzhaft drauf. Ach, und ich bin sehr gerne von vorgestern.”
    Sehr symphatisch. Speziell das drauftreten.

    @Magnus Wolf Göller
    “Ich habe ein “Moppelfon”, führe es aber nur in ausgesuchten Sonder- bzw. Notfällen mit mir und nutze es.”
    Ich mache es Dir gleich und wünsche mir gleich Dir, mich ganz von dem Ding zu befreien.

    Ich bin mir da ganz sicher, ich fühle die Strahlung und sie tut meinem Hirn nicht gut. Wieviele Minuten man davon aushalten kann, ob das von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, weiss ich (noch, bei mir jedenfalls) nicht, aber Reduktion auf das absolute Minimum – auch im halbpassiven Hostentasche Eierverbraten… scheint mir im Moment der vernünftige Konsens für mich.

    Das man diesen ganzen Mist auch noch Technologie nennt, stürzt jeden Anspruch auf evolutionäre Weiterentwicklung des Menschen der hinter dem “Boom” stehenden Planer entgültig in Komplettabsurdität.

    Abgesehen davon sind die Schrillplastik Töteldinger sowas von hässlich – und das schliesst selbstverständlich jegliche “i” und “s” Marken und sonstwohliges selbstmordgeschüttelt chemieverseucht produziertes Chinageklingel mitein – und sowas von nervig pseudoinnovativ mit all den schmierig, nervig nutzlosen Apps, dass mir auch bei absolut verbriefter Heilwirkung und makrobiologischer Spiritualproduktion nicht klar wäre, was das genau bringen soll ausser… Stress.

    Wie wäre es, sich mal (wieder) hallo auf der Strasse zu sagen, mal wieder kommunikationsfreudig Kaffee trinken zu gehen, mal wieder ein Strassenfest zu organisieren, mal ohne zuheriges Erotikgeilheitauftanken im Internet Liebe zu machen, mal wieder echte Freunde zu haben, wo man auch wirklich gegenseitig füreinander da ist, mal wieder was anderes als Bytes und Bites zu schieben, mal wieder einfach Ruhe zu haben von diesem ganzen virtuellen Zombiegetue.

    Mal wieder wache, neugierige Menschen, mit wachem, neugierigen Blick auf den Strassen anzutreffen, die sich nicht foppen lassen, nicht normieren lassen, nicht täuschen, blenden, zudröhnen, sternhagelvoll strahlen lassen, sondern einfach

    leben?

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Armin

    Es gibt in der Tat Leute, die sind nicht nur so blöde, sich die Dinger an die Backe zu halten – also direkt neben das Resthirn – , der Tatsache nicht achtend, dass die doppelte Entfernung nurmehr die halbe Strahlungseinwirkung ergäbe, die dreifache ein Viertel usw.

    Ja und viele Spezialisten tragen das Ding direkt im Hosensack am Sack, manche in der Brusttasche direkt am Herzen, oder in so einem modernen Umhängeteil dito.

    Ich hatte vor Jahren einen Elektroingenieur in leitender Vertriebsposition eines großen Konzerns als Englisch-Schüler, der über nichts besser zu fluchen wusste, als das Scheißhandy, das er mit sich führen musste. Er meinte: “Wenn du länger mit dem Ding telefonierst, kriegst eine an der Klatsche.” Die erste Amtshandlung nach diesem Drecksjob werde denn auch die Verbringung jener Höllenmaschine in den Müll sein. Im Auto hatte er sich das Teil hinten im Kofferraum installiert, mit Freisprechen vorne, damit es ihm so weit wie möglich vom Hintern bliebe. Der war kein bisschen abergläubisch, eso oder technikfeindlich. Bei den Dingern hörte für ihn der Spaß aber auf.

  7. Armin sagt:

    “Elektroingenieur in leitender Vertriebsposition eines großen Konzerns”
    Ein gutes Beispiel! Da hast Du ganz recht. Die sich in der Materie auskennen, sind keineswegs unkritisch. Dieser Bockmist wird dem dummen Volk als “Technik” untergejubelt…

    Das diese Dinger so lieblich universell hochgepusht werden, sollte jedem einigermassen Halbwachen klarer Hinweis darauf sein, wie schlecht das Zeugs für Gesundheit und Evolution sein muss!

  8. [...] Biohandy) von Hartmut Müller kurz vorgestellt von Wolfgang Wiedergut (1961-2008) → Deutschland stirbt den Smartphone-Tod (Schmerzphon-Tod) von Magnus Göller | unzensiert.zeitgeist-online 17. Januar [...]

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