Säbelrasseln bis zum Ermüdungsbruch als Staatskunst

“All options on the table”: Dies ist unter den Angelsachsen inzwischen die Standardwendung für eine in Wirklichkeit direkte Drohung mit Angriffskrieg.

Es gibt ein paar kleine Variationen dazu:

“All options are still on the table”: Wir hören (noch) nicht auf, mit Krieg zu drohen.

“It would be unwise not to keep all options on (take any option off) the table”: Wir wären schön blöd, drohten wir nicht weiterhin mit Krieg.

“We must keep all options on the table”: Wir müssen weiterhin mit Krieg drohen.

Hinzu zu “(keep, are) on the table”, “not take off the table” tritt noch “not rule out any option” usw.

Im Grunde wird es damit immer so hingedreht, als sei jeder, der nicht mit Krieg drohen will oder dies für verkehrt hält, aus welchen Gründen auch immer, feige, unverantwortlich oder ein Narr. Wenn nicht ein Verräter.

Man versteht am Tavistock Institute zweifellos etwas von schwarzer Propaganda.

Nicht nur, dass so das beständige Drohen mit Krieg als der Gipfel des diplomatischen Weistums und der liberalen, aufgeklärten, feiheitlich-demokratischen Staatskunst verklärt wird: man wiederholt die Formel so oft, dass sie zumindest der Masse selbst skeptischer Politiker (einst gar friedensbewegter gar, siehe die meisten Grünen) und Medienleute, selbst wenn sie sie nicht selbst direkt übernehmen, inhaltlich zur Selbstverständlichkeit, zur Richtschnur vernünftigen staatsmännischen Handelns wird. Das Volk, die Masse, gewöhnt sich derweil natürlich auch daran. Sinngemäß hört man sie inzwischen sowohl an eher “rechten” wie “mittigen” wie “linken” Stammtischen.

Man verbrät das so im Brustton der Überzeugung, wie als ob Syrien oder der Iran oder Nordkorea oder gar der Sudan oder Somalia gleich morgen mit hunderttausenden Landungstruppen, nach einem gründlichen Bombardement des ganzen Landes selbstverständlich, innert drei Tagen gleichzeitig New York, LA, Seattle, Miami, nebenher auch London und Liverpool im Handstreiche zu nehmen fahrlässig verlockt würden, wofern man ihnen nicht ständig mit Vernichtung und Invasion drohte.

Die Sache hat allerdings auch einen Haken, “a catch”: Erstens stumpfen ständig ausgestoßene Drohungen beim Bedrohten in ihrer Wirkung im Laufe der Zeit ab.

Zweitens wissen jene, die ständig bedroht werden, dass man sie auch so nach Lust und Laune in die Steinzeit bomben wird, wenn man das für die beste Option hält. Meist eher mit einem Drohvorlauf (um den eigenen Bevölkerungen den Krieg als einzig mögliche “Option”, hiemit notwendig, schmackhaft zu machen), im Zweifel aber auch ohne.

Zumal klar ist, dass den USA unliebsame Regime (wenn sie nicht eindeutige Rückendeckung durch Russland oder China oder beide genießen) so viele Zugeständnisse machen können, wie sie nur können, und es wäre doch nie genug. (Die Iraner könnten natürlich zunächst ihre Waffen verschrotten, sodann alle Ajatollahs den Freitod wählen, hernach die militärische und sonstige politische Führungsriege sich wechselseitig bis zum letzten Manne den Gnadenschuss erteilen, selbstverständlich nicht ohne vorher die nationalen Öl- und Gasreserven an Exxon, Shell und BP – letzterer Kompanie haben sie deren Öl ja schon zweimal geklaut – vermacht und dem Volk erzählt zu haben, das sei das Beste so, um dann von einer durch die amerikanische und britische Botschaft gesteuerten Satrapenregierung in die Segnungen der Freiheit geführt zu werden.)

Ob man am Tavistock Institute auch an diese Seite der Medaille gedacht hat?

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