Heilandsjesusgottesdonnerwetter (noch einmal)!

Den obigen Fluch pflegte mein Vater gelegentlich abzulassen, wenn er sich gewaltig ärgerte.

Bemerkenswert daran ist nicht nur die klangliche Qualität dieses Kompositums, sondern auch, dass darin neben dem Heiland, Jesus und Gott auch noch Donar vorkommt, man also von einer christlich-heidnischen Hybridfluchbildung sprechen kann.

Das Wort, welches drei Starktöne birgt, am Schluss erstaunlich sanft, mit drei schwachen Silben ausklingt, wie als ob die Welt damit erlöst wäre und wieder zur Ruhe kommen könne, hatte, jedenfalls in der Diktion meines alten Herrn, einen deutlichen, langen Hauptstarkton auf dem “je”, holte mit dem “Heiland” gleichsam bis dahin aus, um dann mit abnehmender Tonspannung sehr schnell zum Ende zu kommen. (Man beachte auch die elegante Verteilung der Vokale und Konsonanten!)

Er hatte diesen Spruch, den er selten verwandte, so hervorragend, fast putzig zu nennnen, drauf, dass wir als Kinder manchmal lachen mussten, was für ein shakespearesker Mime da vor uns stand, wobei wir uns natürlich lieber hinter einen Sessel verzogen, um ihn nicht noch mehr zu ärgern, uns womöglich noch ein “Was gibt’s doh zom Lacha, ihr Heilandsäck’?!!” einzufangen.

In der Regel hatte dieser Fluch aber durchaus die wohl angesteuerte wutabführende (jetzt wäre Wodan auch noch berücksichtigt) Wirkung, so dass er sich nach so einem Ausbruch meist sehr schnell wieder fasste und in rationale Fahrwässer zurückkehrte.

Vielleicht sollte sich mancher, der nicht lieber Buddhist wird und im Kloster herummantriert, bis er sich nicht einmal mehr zu ärgern vermag, wenn ihm sein Mitbruder nacheinander Gemüsebrühe und Tee über die freiwillige Glatze schüttet, um dann die umgedrehte Reisschüssel draufzusetzen, mal überlegen, ob er sich nicht einen guten Lieblingsfluch zulegt und diesen so gut übt, dass er im Sinne des Nachlassens der Körperspannung sowie der mentalen Erregung atem- und tontechnisch therapeutisch optimal funktioniert.

Besser wahrscheinlich, man beherrscht drei oder vier Lieblingsflüche, einerseits der Vielfalt per se halber, andererseits, um verschiedene Intensitäten und Formen (auch ob deren Grund verschiedene) der ärgerlichen Erregung je angemessen betreuen zu können.

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3 Antworten zu “Heilandsjesusgottesdonnerwetter (noch einmal)!”

  1. Rainer Grzybowski sagt:

    Ich fluche lieber ökonomisch:

    HEILIGENDAMM!

    Da schließe ich mit vier Silben so viele Siebenarmleuchter in mein Gebet ein, dass ich die gar nicht alle zählen kann.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Rainer Grzybowski

    Wozu Gebete, lieber Rainer, es ging doch um Flüche.

    Allerdings mag zumindest manches Gebet mit einem Fluch in eins zu setzen sein.

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