Indien: Der Spiripfuhl

Vielleicht bin ich selber schon so weit: doch, dann, sei’s drum.

Soweit in dem Sinne, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich das nicht kürzlich schon erwähnte.

Nämlich in dem Sinne, bloß deutsch, wie ein sehr guter Bekannter – den ich gerne schon Freund nennte, aber ich habe ihn noch nicht gefragt, ob ich das dürfe – mir erklärte, dass Indien das beste Reiseland von allen sei.

“En Indien driffsch an jeder Egge an Wahnsinniga. So ebbes fendesch sonschd nergends uff der Weld.”

Vielleicht sollte ich mit dieser knappen und eindeutigen Empfehlung für den Indien-Tourismus mal – halbehalbe mit ihm, Ehrensache – an das Weltvermarktungsamt jenes merkwürdigen Landes herantreten, das Ganze ordentlich übersetzt ins Englische und Deutsche. (“You will meet a crazyman at every corner. Such a thing you will find nowhere else in the world.)

Dieser wackere Mann, an dessen Worten ich bislang nie zu zweifeln Grund hatte, erzählte mir – neben anderen illustren Geschichten – auch, wie er einmal mit einem schon ziemlich abgestürzten Engländer auf Nachsuche ging, einen Guru ausfindig zu machen, der hinterpfuideibel in seiner Höhle ein rotes Telefon habe.

Und er hatte. Eigens gelegte Leitung ins Nirgendwo.

Er war aber nun leider die drei Tage, die mein Informant zu warten geduldig war, aushäusig, sänftengetragen von Anhängern, da er selber nicht mehr gehen konnte.

Ob ihn diese Malaise nach dem Konsum von 33 000 Joints überfiel, oder nach der zehnfachen Menge an gemurmelten Mantras, oder einfach, weil man mit einem roten Telefon ja nicht mehr selber herumlatschen muss, ist mir nicht überliefert.

Immerhin hatte er sich eine Höhle rausgesucht, und nicht nur eine Ecke.

Ich werde wohl trotzdem nicht so schnell nach Indien rübermachen.

Die Bettler seien überall und ließen sich oft erst mittels Vorzeigen oder Anwenden eines derben Knüttels viertelswegs bezähmen.

Selbst hinter dem einzigen Baum in der Wüste, wo man mal Ruhe vor ihnen zu wähnen meinte, säße grade erst recht noch einer.

Nein, meine liebsten Reiseländer – bisher – liegen allesamt in Europa. Am besten fresse ich mich durch Belgien und Oberitalien (Spanien ist etwas weit), wenn ich nicht gerade in Mecklenburg an den Seen oder der Küste abstracke.

Japan und China täten mich natürlich schonmal interessieren (der Käs fehlt zwar, auch tendenziell der Wein, aber sonst…), aber dazu komme ich als alleinerziehender Abbruchunternehmer grade nicht.

Und, vielleicht schon etwas mürbe, weich, alt geworden: Die Vorstellung, dass überall diebische Affen, Flöhe, Wanzen, Schlangen, Straßenköter, Stechmücken, Kot, Latrinen, halbverweste Heilige Kühe, Wasserleichen, wenn überhaupt, nur die durchgedrehtesten aller Europäer um mich herum, so, dass das schwer rollende “r” der Leute in ihrem Englisch mich noch als Letztes an meine fränkische Zweitheimat erinnert, animiert mich nicht, dahinzureisen, wo zwar immerhin doch der Pfeffer wächst.

Scherze jetzt mal beiseite: Der Reinkarnationsglaube, jener ans “Karma”, lähmt dieses Land tödlich.

Pro Mann ein Guru und ein Tempel, sonst, außer für wenige, die genau darausheraus gerechtfertigt, Elend.

Nein, Indien ist meiner Meinung nach kein “spirituelles” Land.

Island mag das sein, auch – wenn auch etwas versoffen – Russland.

Es ist eben nicht spirituell, im Dreck und zwischen Ratten zu versinken und verrecken.

Widerspreche mir einer.

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