Von der Angst der Geldherrscher

Wäre ich ein Mitglied oder Vertreter der weltweiten Finanzoligarchie, ich fühlte mich nicht mehr so richtig wohl in meiner Haut.

Ganz einfach deshalb, weil mir klar wäre, dass ich das Spiel mit “Links” und “Rechts” nicht mehr wie gewohnt im Griff habe.

Allzugroß sind inzwischen die Schnittmengen zwischen “Linken” und “Rechten”, denn dass ich mir noch sicher sein könnte, sie so aufeinanderhetzen zu können, wie ich das – nicht nur im Zweifelsfall – brauche.

Ich habe so blöde agiert, dass viele Linke inzwischen mehr gegen mich sind, als gegen die “braune Gefahr”, viele Rechte mich ebenfalls als den Hauptfeind erachten, und nicht etwa die dummen Linken, als mein gehirngewaschenes Instrumentarium.

Dass die heillose, völlig verunsicherte sogenannte “Mitte” auch ganz schnell fällt, wenn “Linke” und “Rechte” sich gegen mich verbünden, ist mir klar.

Ich weiß ja ganz genau, dass die “Mitte” aus den Feigsten und Halb- und Halben besteht, jenen, die mir immer noch zwanghaft zu glauben gewillt, aber bald vielleicht auch nicht mehr – außer in letztlich nutzlosen Resten – in der Lage dazu.

Es gehen mir sogar schon gut bezahlte Journalisten von der Stange, mitunter selbst in bürgerlichen Blättern, also der Idiotenmitte Zufraß.

Die ganzen NGO-Vereine, die ich von hinten steuere, besitzen bei allzuvielen kaum noch das, worauf sich meine Unantastbarkeit letztlich gründet, nämlich Glaubwürdigkeit gegen mich.

Gut, ich habe den Papst noch in der Tasche und den Dalai Lama, weitgehend auch Moses, Jesus und Mohammed.

Es braut sich aber eine gefährliche Mischung zusammen.

Nicht nur jene der von mir Stück um Stück Enteigneten: Es treten immer mehr Leute hinzu, die selbständig denken können und sich gar erdreisten, nicht von mir entlohnt werden zu wollen.

Die das Weltnetz unsicher machen.

Recht eigentlich gebiete ich fast nur noch über Schlafmützen und bestenfalls absolut zweitklassige Leute.

Ich darf gar keinen mehr von den anderen in irgendeiner Schwatzschau zu Wort kommen lassen.

Das fällt aber auch schon auf.

Die Lage ist vermaledeit.

— Anzeigen —


Tags: , ,

2 Antworten zu “Von der Angst der Geldherrscher”

  1. TanjaKrienen sagt:

    *g* Eine Parodie der Wahnzettel? *lol* (ich weiß, diese blöden Kurzzeichen, aber – - -)

    Georg Kreisler hat das so beschrieben, “Noch einmal von vorn” -

    Die Welt ist rauh und voller Dissonanzen,
    die man genießen könnte, wär’ man nicht gedrillt.
    Doch teilt man ein in schlecht und gut
    und hält die Zeit für absolut
    und lernt schön willig sein, anstatt gewillt.
    Man glaubt, was falsche ist, sei nicht wahr
    und lebt ein Oberlehrerjahr
    und schafft sich Gott nach seinem Ebenbild.

    Kommt eine Kuh ums nächste Eck geflogen,
    denkt man: nanu, wieso ist die so frei?
    Man fühlt sich eingeschüchtert und betrogen
    und ruft auf jeden Fall die Polizei.
    Die heilige Kuh, die darf bei uns nicht fliegen!
    Die muß mit allen Beinen fest im Grase steh’n.
    Denn was nur fliegt, hat kein Gewicht,
    egal, ob’s schön ist oder nicht.
    Man muß Punkt sieben Uhr zur Arbeit geh’n.
    Man hat vom Leben nichts gehabt,
    nur seine Rechnungen berappt,
    was soll ein Schmetterling und Orchideen.

    Doch eines Tags läßt man die Kühe fliegen!
    Das liegt an uns und nicht am Karajan.
    Und man entdeckt das Leben als Vergnügen,
    anstatt als Sorgenkind aus Porzellan.
    Dann schafft man Schule, Eigentum und Staat ab
    und lebt von Sinnlichkeit und Solidarität.
    Dann ist es schnuppe, ob ich glänz’,
    ich hab’ ja keine Konkurrenz.
    Ich bin mein eigener Gott, mein eigener Prophet.
    Was als Gesetz galt, nun zerbricht’s.
    Der Mensch ist Leidenschaft, sonst nichts,
    weil die vergänglich ist, doch nie vergeht.

    Wer unterwegs ist, wird vorm Weitergeh’n geküßt,
    der Mensch darf werden, wer er ist.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tanja Krienen

    Ecce Vacco: Da kreislert der Kuh.

Eine Antwort hinterlassen