Gold als Deckbock (II)

Laut den Golddeckern hat jeder Mensch und alles dazu, was ihm auf dieser Erde gehört, was je geschaffen wurde, alle auf ihn hochzurechnenden Ressourcen, vom Fisch übers Aluminium bis hin zum Enzian, ein Äquivalentgewicht von etwa gut zwanzig Gramm und hiemit ein Volumen von etwas über einem Kubikzentimeter.

Ich führte eine ähnliche Rechnung hier schon einmal an, die darauf hinauslief, dass der Mensch mitsamt Planetenanteil nach derzeitigem Euronenstand im Schnitt ungefähr einen Tausender wert wäre.

Kein Wunder von daher, dass die Goldleute davon träumen, den Wert ihres schönen Metalls verhundertfachen, wenn nicht vertausendfachen zu können.

Wird unsere schöne Welt einst vom Golde gedeckt, dem omnipotenten Deckbocke, so wird sie mit Sicherheit diverse Zehnerpotenzen an Mehrwert gebären. Keine Frage.

Wenn man dann noch die Zinsen hinzurechnet, die das in gerade mal hundert Jahren abwirft, können wir alle bestens schon allein von diesen leben.

Arbeit erübrigt sich somit.

Jeder lässt sich ein paar Zähne mit Gold richten und trägt so ganz lässig und amalgamfrei seine ewige Deckung, die endgültige Glückseligkeit, mit sich herum.

Ich bin von daher auch dafür, dass Gold, wie es immer so schön heißt, demnächst “durch die Decke” geht. Durch aller Schädeldecke.

Die Schädeldecke ist nämlich die schädlichste aller Decken.

Sie deckt in der Tat das ab und zu, was wir am wenigsten brauchen: unser Hirn.

Eine schleimige, graue, ekle Masse, die über jedes Maß hinaus durchblutet wird und uns auch sonst fast alle Energie absaugt.

Sozusagen unser Oberchakrenerzparasit.

Sieben Milliarden Kilo Hirn erscheinen auf den ersten Blick recht viel, um irgendwo verklappt zu werden.

Bei einer Wichte von etwa eins sind das aber nur sieben Millionen Kubikmeter.

Oder sieben Würfel von hundert Metern Kantenlänge. (Bei fünfzig Gramm Hirn pro einem Gramm Gold!)

Die bringen wir locker in einem niedersächsischen Salzstock unter.

Deutsche Ingenieurskunst kann das.

Machen Sie sich also keine Sorgen mehr um unsere geistige und materielle Zukunft.

Deckel drauf, und fertig.

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6 Antworten zu “Gold als Deckbock (II)”

  1. Lesezeichen sagt:

    Die aktuelle Goldblase erinnert mich immer an die Sirenen des Odysseus.

    Da wird von den Goldjunkies mit vehementer Penetranz der Crash der Währungen beschworen, damit möglichst viele Leute auf den Zug des knapp gehaltenen Goldes aufspringen und damit den Kurs nach oben treiben.

    “Komm auf unsere Insel”

    Ich finde das lustig.

    Demnächst werden dann alle heulen, wenn die Goldblase platzt und sich fragen, wie denn sowas möglich sein konnte, wo doch nur “echte Werte” gehandelt wurden.

    Dabei ist es der gleiche Zockermechanismus wie bei den Investmentpaketen. Er klingt nur besser.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Die Goldfrickos sind schon sagenhaft.

    Ein Großteil derer regt sich übers Geldsystem auf, zumal die Zinsen quasi aus dem Nichts, will aber über den Golderwerb selber leistungslosen Mehrwert bzw. verspricht einen solchen den Leuten auf seinen Werbeseiten.

    Da wird dann sozusagen der letztmögliche Goldkauf in den Markt geschrien, und keine Sau fragt sich, weshalb denn einer noch professionell Gold verkauft, wenn es so unterbewertet und billig ist, dass es kein vernünftiger Mensch mehr für ein paar lumpige Eurönchen hergibt.

    Ich weiß natürlich, dass ich einigen Leuten damit gewaltig auf die Nerven gehe, dies immer wieder aufzugreifen, zumal ja keiner von denen mehr ein inhaltliches Argument vorzubringen wusste, seit ich – mühelos, zwei Mausklicks – herausfand, dass es von dem Zeug nur etwa zwanzig Gramm pro Erdennase gibt.

    Woraus folgt, dass es wohl zwar kaum wertlos werden, aber jede Golddeckung der gesamten Weltwirtschaft und Währungen doch nur in einem Wolkenkuckucksheim stattfinden können wird.

    Man kann vielen Leuten eben noch immer – die Sau hatte ich oben schon – so ziemlich jedes Viech durchs Hirndorf treiben, wenn man ihre Angst damit propagandistisch kombiniert, ihnen vorgeblich besonders intelligentes Handeln zu attestieren, indem sie einem etwas abkaufen.

    Ich habe keine nähere Ahnung, wer da zur Zeit womöglich im Hintergrunde was treibt.

    Und will darüber jetzt und hier auch nicht spekulieren.

    Dass sich aber masse Leute, die nicht einmal über ein Viertel an Erfindungsgabe verfügen wie ich, im Laufe der Zeit an ihrer Panikmache finanziell fettgefressen haben, wurmt mich manchmal schon.

    Immergleichen, dreisten Mist rausschwätzen, sonst nix schaffen, darauf gegründet mächtig einsacken: so etwas mag der Schwabe eben nicht besonders.

    Ich habe in der Tat auch keine Ahnung (bin ich Rockefeller oder Rothschild?), wann diese Blase, gemessen an anderen Realwerten wie Immobilien, Broten, Blei oder Arbeitskraft, platzen wird.

    Aber der Tag wird kommen.

    Das ist so sicher wie (soll jetzt keine Anspielung auf Religiöses sein, sondern nur die volkstümliche Redewendung) das berühmte Amen in der Kirche.

  3. healer sagt:

    ich lese ja gern diesen blog, jedenfalls bisher.
    aber was sie zum thema gold und edelmetalle immer wieder ablassen, ist nicht nur kurzsichtig, sondern lässt mich an ihrer intelligenz zweifeln.
    schwabe hin, schwabe her, wenn die einzige triebfeder so einen nonsens von sich zu geben, der pure neid ist, weil einige sich eine goldene nase an ihren edelmetallgeschäften verdienen, dann frage ich mich ernsthaft, ob sie sich schon mal mit den boni für banker befasst haben, die dafür tatsächlich über leichen gehen. zumindest, wenn sie sich mit nahrungsmittelspekulation beschäftigen.
    mit euroscheinen können sie sich irgendwann den hintern abwischen, zugegeben, das geht mit gold nur sehr bedingt gut.

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ healer

    Ich habe das derzeitige Bankwesen hier sehr oft schärfst kritisiert.

    Und ich habe nicht gesagt, dass Neid meine einzige Triebfeder für die Abfassung dessen sei, was Sie für Nonsens halten.

    Wenn Sie mir aber schon ausschließlich ein niederes Motiv für meinen obigen Artikel vorwerfen und mich – unbenommen – so vernichtend zu kritisieren sich anschicken, ohne anscheinend geprüft zu haben, was es hier bezüglich des heute herrschenden Finanzsystems schon hagelte, erwarte ich künftig doch wenigstens von Ihnen, dass Sie sich immerhin in deutscher Groß- und Kleinschreibung versuchen.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie das, mit auch nur etwas gutem Willen, bei den meisten fraglichen Buchstaben durchaus hinkriegen.

    Könnten Sie sich dann noch dazu durchringen, mit Ihrem Klarnamen anzutreten, so schadete dies dem Diskurs sicher auch nicht.

    Das ist aber nicht Bedingung.

    Kurzum: Ohne anständige Schreibung werde ich zunächst nicht mehr antworten, dann irgendwann nicht mehr freischalten.

    Ich dulde hier auf Dauer keine schlecht leserlichen Texte.

    Und zwar unabhängig davon, ob am Schlusse noch ein Beleidigungsversuch steht oder nicht.

  5. healer sagt:

    Lieber Herr Göller,

    solange ein sachlicher Diskurs geführt werden kann, versuche ich nie jemanden zu beleidigen.
    Für meine Kleinschreibung bitte ich um Entschuldigung; wie Sie sehen können, bekomme ich das gerade so noch hin. Aber ich vergesse manchmal, dass es Menschen gibt, sog. Legastheniker, die damit Mühe haben, den Text flüssig zu lesen.
    Bei all den netten Formulierungen, die Sie treffen, die Sie als Freund des Wortes ausgeben, was ich sehr mag, sollten wir aber die Sache an sich nicht vergessen.
    den Goldbugs geht es in keiner Weise darum, ihr Vermögen zu vermehren. Der Sinn liegt in der Erhaltung. das sind Menschen, die sich nicht passiv enteignen lassen wollen. Die in der Hoffnung leben, nach einem Crash etwas zu haben, womit sie weitemachen können.
    Ähnlich verhält es sich mit Währungen. Bricht sie zusammen, wird die Goldreserve des Staats als Basis für einen Neuanfang genutzt.
    Womit machen Sie weiter, wenn das System down ist? Oder glauben Sie, dass das hier alles noch längere zeit so weiter geht?
    mfG

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ healer

    Sie reden von “Goldbugs”.

    Wissen Sie, was “bug” bedeutet?

    Ich habe mich im übrigen nie gegen eine gewisse Goldsicherung ausgesprochen, die einer für sich wählt.

    Nur gegen den Goldschwindel.

    Und ich habe auch nie ein sonderliches Vertrauen darein ausgedrückt, dass dies System noch lange halte.

    Ich werde aber, solange Leute mittels Gold den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, jetzt und hier gerade erst recht nicht erzählen, womit ich weitermache, wenn das System “down” ist.

    Zum einen habe ich dazu schon mannigfache Hinweise gegeben – kostenlos! – zum anderen sehe ich nicht mehr ein, weshalb die Betreiber von Goldseiten sich sanieren, während bei mir für gute, geprüfte, unter einigem Einsatz entwickelte Ideen nichtmal ein Lummelkeks rumkommt.

    Bin ich denn jedermanns Billigloddl?

    Der immer für nix alles Was?

    Nee, ich weiß schon, wie ich weiterkomme.

    Oder eben auch nicht.

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