Nietzsches Mitleiden mit Gott

Nietzsche hatte, bei allem, mit Gott doch noch ein gewisses Mitleiden. Ich nicht mehr. Der hatte jetzt Zeit genug, sich wenigstens halbwegs anständig benehmen zu lernen.

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3 Antworten zu “Nietzsches Mitleiden mit Gott”

  1. Annet sagt:

    Nietzsches Mitleiden mit welchem Gott ?

    Sollte er den Gott meinen, den auch Jesus seinen Vater nennt, so erklärt sich Nietzsche somit als auch glaubend an zumindest einen Gott, denn sein Mitleiden drückt nichts anderes aus, als dass es einen Gott gibt. Wäre Gott tot, wie Nietzsche proklamierte, gäbe es Gott nicht mehr und so wäre jedwedes Mitleiden völlig sinnlos.

    In seinem Werk “Zur Genealogie der Moral” schreibt Nietzsche, dass er hin und wieder das Buch der Offenbarung des Johannes gelesen hat. Ein “Buch des Hasses” nennt er es.
    Ob Nietzsche das was in der Offenbarung geschrieben steht wirklich verstanden hat?
    Seit 2000 Jahren versuchen alle möglichen Gelehrten herauszufinden, was das ganze Buch der Offenbarung oder auch einzelne Passagen daraus in Wahrheit bedeuten mögen. Theorien über Theorien und Irrlehren über Irrlehren sind so schon zustande gekommen, von denen viele bis zu einem vermutlich bevorstehenden Ereignis reichen, welches landläufig Weltuntergang bzw. auch das Jüngste Gericht genannt wird.
    Kann man nicht nur etwas mit einer Wertung versehen, so wie auch Nietzsche es getan hat, wenn man meint zu wissen, was die Zeilen der Offenbarung in Wahrheit bedeuten sollen?
    Dass er es getan hat, damit erklärt Nietzsche praktisch, er wüsste was das was in diesem Buch steht bedeutet.
    Die Adventisten z.B. meinen es auch zu wissen und so wie Nietzsche sind sie auch der festen Ansicht, dass so etwas wie ein Hassgericht Gottes in der Zukunft anstehen müsste, denn die Guten kommen ihrer Meinung nach dann in den Himmel, werden entrückt, vorher sogar noch und die Bösen werden dann ihrer gerechten Strafe nicht entgehen können, wenn es soweit ist. Um etwas gänzlich vernichten zu wollen, braucht es bestimmt gewaltigen Hass.
    Seltsam dabei ist, Jesus predigte aber nichts anderes als die Liebe und die Gewaltlosigkeit und diese Dinge zu predigen, erläuterte Er seinen Zuhörern, hätte Ihm sein himmlischer Vater aufgetragen. Dann wird das Ganze für die Nachwelt in ein Buch geschrieben, welches mit dem Teil-Buch der Offenbarung endet und diese ‘Krönung’ des Ganzen dann, soll nach Nietzsches Ansicht ein “Buch des Hasses” sein.
    Kann das wirklich so stimmen? Oder hat Nietzsche sich vielleicht was die Offenbarung und einen Gott voll mit Hassgefühlen angeht, gewaltig geirrt?
    Irren sich vielleicht auch die Adventisten? Dass Jesus Wiederkunft 1844 anstand, darin haben sie sich auch gewaltig geirrt. Seitdem warten sie bis heute, dass es irgendwann einmal wirklich so weit sein müsste.
    Was Nietzsche angeht, so hat für ihn hat das Warten auf den vermutlichen Hassausbruch Gottes schon längst ein Ende gefunden, denn Nietzsche ist schon längst tot. Es kann sein, dass damit auch sein Gott zusammen mit ihm gestorben ist. In dem Fall hätte Nietzsche dann doch Recht gehabt, wenn man es auf seine kleine Welt(sicht) begrenzt.

    Aber vielleicht hat Gott auch inzwischen gelernt, sich zu benehmen. In dem Fall zumindest, müsste Gott aber noch immer quicklebendig sein.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Annet

    Mag sein, dass schon Nietzsche kein Mitleiden mehr mit Gott hatte.

    Man darf aber wohl davon ausgehen, dass Nietzsche, nur weil er die Offenbarung als ein Buch des Hasses bezeichnete, nicht wie die Adventisten ein Hassgericht Gottes heraufziehen sah.

    Lustig übrigens auch – das wusste ich bislang nicht – dass letztere eine Wiederkunft Jesu im Jahre 1844 erwarteten, denn das ist ausgerechnet das Geburtsjahr Nietzsches…

    Was die Offenbarung als ein “Buch des Hasses” anlangt, so schließe ich mich der Einschätzung Nietzsches an.

    Ich will in diesem Zusammenhang nur mal auf Kapitel 22, Vers 3 und 4 verweisen: “…Und der Stuhl Gottes wird darin sein; und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht; und sein Name wird an ihren Stirnen sein.”

    Man muss also, dient man Gott anstatt dem Tier namens 666 (eine Verteufelung der solaren Hochzahl), ebenfalls ein Zeichen auf der Stirn tragen (beim Tier darf es auch die rechte Hand sein, wie großzügig).

    So ist das für mich Jacke wie Hose.

    Zwei Hassprediger stehen nur scheinbar gegeneinander, als Spiegelbilder, zwei Seiten der einen Medaille, letztlich nicht unterscheidbar, eins, da in ihren Methoden gleich.

    Ich habe das Buch zwei oder dreimal ganz gelesen, immer mal wieder reingeschaut, und abgesehen von teils illustrer Zahlensymbolik (im Falle der 666 entlarvend bis zum Grunde) nur Ekel empfunden.

    Es bedient in der Tat jeden unheiligen, grausamen Impuls, die Untergangssucht psychisch Gestörter.

    Und die katholische Kirche, Adventisten, Esoteriker, bis hin zu Aleister Crowley, berufen sich darauf (letzterer war immerhin mit einem teils äußerst witzigen Humor gesegnet, welcher ersteren in der Regel, zumindest, was ihre “heiligen” Dinge anlangt, gänzlich abgeht).

    Wie durchsichtig, fast lächerlich zynisch, nach aller Mordbrennerei und und ewigen Verdammnis für die Bösen, denn auch der Schlussvers: “Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch allen! Amen.”

    Dies Buch ist eine derart widerliche Konkoktion von inneren Widersprüchen, dass ich zwar nicht auf Luthers Sprache, aber auf inhaltliche Logik an jeder Schule eine 6 dafür gäbe.

    Es sei denn, das Thema hätte gelautet: “Verfassen Sie einen Text, der möglichst viele schwache Naturen durch schreckliche Metaphern und Drohungen, ihnen den Restverstand raubend, geistig zu unterwerfen geeignet ist.”

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Annet

    Nachtrag.

    Egal, wer der Autor der Offenbarung war: Der wollte, um es zunächst mal sehr milde auszudrücken, der Menschheit nichts Gutes.

    Er wollte Macht über sie, gründend auf den grausen Memen des Abrahamitismus, zum Behufe der totalen Unterwerfung Bruder gegen Bruder hetzend.

    Dies über die geschickte Aufpolung von immer mehr Angst und Hass.

    Insofern mag Nietzsche zu kurz gegriffen haben: Es ist auch ein Buch der Angst, des Schreckens. In offenkundiger Tradition des Alten Testamentes.

    Von daher verstehe ich nicht, wie ein Anhänger der Lehren Jesu, der noch alle auf dem Christbaum hat, dies Werk in dessen Predigt der Liebe und Vergebung irgend sinnig einzubinden vermag.

    Ich will Dir mit derlei Aussagen nicht zu nahe treten.

    Da wir hier aber eine öffentliche weltanschauliche Diskussion führen, muss ich die Dinge so klar und hart benennen, wie ich sie sehe. Auch und gerade in diesem Zusammenhang. (Jedenfalls inalsoweit, wie ich sie hinschreiben darf, ohne dafür womöglich erschlagen oder vor den Kadi gezerrt zu werden.)

    Ich mag Deine Offenheit, auch den souveränen Aufbau Deiner Texte, und hoffe von daher, dass ich Dich mit obigem nicht vergrault habe.

    LG

    Magnus

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