Vom Kreuze des Literaten

Am häufigsten bedauerlich an der schriftstellerischen Tätigkeit empfinde ich, dass man so oft nicht unmittelbar und offen von Dingen erzählen kann, die einen selbst oder einem Nahestehende betreffen.

Man sieht und empfindet die jeweilige Sache so genau, wie sonst kaum, Wichtiges, durchaus allgemein auftretende Dinge, Mitteilenswertes, verfügt über die höchste Anschaulichkeit, und kann doch nichts oder nur wenig sagen, da man sich selbst oder ebenjene im Umfeld möglicherweise dem Spotte, der Häme, jeder Art Bosheit aussetzte oder sonstwie schädigte.

Es kam dessenthalben sogar schon vor, dass ich mir wünschte, endlich ein so alter Sack zu sein, wenigstens von mir selber sozusagen gewissenlos erzählen zu können, als abgedrehter seniler Blödmann, so frei, dass meine Söhne, auf meine Tiraden angesprochen, schlicht mit den Achseln zuckend und recht gleichgültig, völlig unbeschadet, erklären könnten, wenn überhaupt ein Kommentar noch erfragt, der Alte sei schon immer ziemlich daneben gewesen und das habe sich nunmal mit der Zeit nicht gebessert.

Ich weiß jedenfalls jetzt schon, dass ich, wenn dann noch dazu in der Lage, ich überhaupt dahingelange, ein paar Sachen erzählen werde, die man normalerweise nicht sagen darf, aber eigentlich unbedingt einmal gesagt gehören.

In diesem Sinne freue ich mich darauf, vielleicht doch irgendwann noch ein nicht mehr ernsthaft zur Verantwortung zu ziehender alter Depp zu werden.

Das wird mir einen Riesenspaß machen.

Manchen anderen wohl auch, anderen hinwiederum ganz deftig gar nicht.

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