Ist Gott da und dumm (II)?

Ich habe im ersten Teil keineswegs nur einen faden Witz gemacht.

Das, was viele unter “Gott” verstehen, mag sehr wohl vorhanden sein, und ist eben doch, auch nur etwas genauer betrachtet, erzkreuzdumm.

Bislang spricht jedenfalls alle Vernunft zuwenigst für den zweiten Teil der Rechnung.

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9 Antworten zu “Ist Gott da und dumm (II)?”

  1. Josef sagt:

    @ Magnus

    “Das, was viele unter “Gott” verstehen, mag sehr wohl vorhanden sein, und ist eben doch, auch nur etwas genauer betrachtet, erzkreuzdumm.”

    Darin hast Du meine Zustimmung. Dieses “Ding”, was viele mit “Gott” gleichsetzen, ist nicht nur erzkreuzdumm, sondern es mordet am liebsten Menschen.

    Andererseits gibt es aber den Gott, dem man ein Attribut wie “erzkreuzdumm” nicht andichten kann, weil das schlichtweg unmöglich ist, ohne sich selbst noch erzkreuzdümmer erscheinen zu lassen. Dieser Gott wird hier umrissen:

    5.Mose 4,15-19 So bewahret nun eure Seelen wohl, weil ihr keine Gestalt gesehen habt an dem Tage, als der HERR aus dem Feuer heraus mit euch redete auf dem Berge Horeb; daß ihr nicht verderblich handelt und euch irgend ein gemeißeltes Bild machet, irgend eine männliche oder weibliche Figur, oder das Bild irgend eines Viehes, das auf Erden ist, oder eines Vogels, der am Himmel fliegt, oder das Bild eines Reptils, das auf dem Erdboden kriecht, oder der Fische, die im Wasser unter der Erde sind; daß du deine Augen auch nicht gen Himmel hebest, und die Sonne (Anmerkung von mir: Betrifft: z.B. auch das Wintersonnenwendefest, an dem im Grunde der Sternengott Remphan (Jupiter) verehrt wird) und den Mond und die Sterne und das ganze Heer des Himmels beschauest und dich verführen lassest, sie anzubeten und ihnen zu dienen, die doch der HERR, dein Gott, allen Völkern unter dem ganzen Himmel zugeteilt hat.

    Dieser Gott ist also rein geistiger Natur, denn nie hat ihn irgend jemand zu Gesicht bekommen.

    Ein Zitat von Dir unter dem Artikel “Gott auf dem Narrenkarren (II)”:

    “Gott hat bei mir natürlich auch ziemlich schlechte Karten, weil er mich allzufrüh allzusehr von allzuvielen misshandeln ließ.”

    Interessant finde ich es, daß Du jemand den Du Gott nennst, den es aber Deiner Meinung nach gar nicht gibt, für etwas verantwortlich machst, was Dir in Deinem frühen Leben widerfahren ist. Erstens, lieber Magnus, bist Du was so eine trübselige Zeit angeht, bestimmt nicht der einzige auf der Welt, und zweitens scheint es Dir selbst nicht aufzufallen, daß Du denselben Fehler machst, wie alle, die an einen erzkreuzdummen “Gott” glauben, der sie, wenn sie nicht gewillt sind Folge zu leisten, dazu imstande ist, sie nach Lust und Laune züchtigen zu können. Dein Problem ist Magnus, Du hast wie viele andere auch, trotz allem, ein sehr naives Bild von Gott.

    Andererseits hältst Du viel vom Geist und geistigen Dingen, weshalb Dir auch das Werk Nietzsches so gut gefällt, merkst aber nicht, und Nietzsche merkte es vielleicht auch nicht, daß der Geist, über den ihr beide verfügt, nicht durch Fleisch geboren worden sein kann. Geist kann nur durch Geist geboren werden, und indem Du Magnus, den Geist Gottes nicht anerkennen willst, verleugnest Du das, was Dich erst zu einer lebendigen Seele macht.

    Und übrigens Magnus, Gott, der Geist, ist nicht das, was Dich allzufrüh allzusehr von allzuvielen misshandeln ließ. Gottes Geist ist vielmehr das, was Dir die Kraft gab, das zu überstehen, was Du erlebt hast und das oder den zu überwinden, den Jesus mit dem Titel Menschenmörder versehen hat. Und als Dank für die Kraft, die Gott Dir gegeben hat, verleugnest Du Ihn und machst diese Kraft schlecht, wo und wie es nur geht.

    Irgendwo habe ich gelesen, daß es oft die Ungläubigen sind, die sich am meisten mit Gott, dem Geist beschäftigen. Was Dich betrifft Magnus, so trifft das zweifellos zu. Du erscheinst mir wie jemand, der sucht und sucht, aber den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

    LG

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Josef

    Kann schon sein, dass Du recht hast.

    Vielleicht habe ich Gott ein wenig zu sehr diskriminiert.

    Mich der Sünde der Xenophobie schuldig gemacht, sozusagen.

    Doch ist es einerseits meine Aufgabe, die Menschen zum Denken zu bringen, und habe ich andererseits meine Zweifel.

    Nein, falsch ausgedrückt, ich halte einfach wenig bis gar nichts vom Glauben. (Damit meine ich jetzt nicht nur jenen an einen Gott oder auch mehrere, sondern das Glauben ganz allgemein.)

    Manchmal beneide ich ja auch Leute, die glauben: das gebe ich unumwunden zu.

    Die sparen sich manche Kräfte.

    Aber sie bringen nach meiner Erfahrung damit die Menscheit nicht weiter.

    Schaffen sich lediglich ein Behagen. (Was Du, wie vermutlich auch Lesezeichen – die allerdings mit mir eher nicht mehr über derlei Dinge diskutieren will, was ich sehr gut verstehe – , wahrscheinlich bestreiten wirst. Euer gutes Recht.)

    Vorhin rief mich X an, musste sich dann aber zunächst um Y kümmern (immerhin heteromäßig, so weit ich das weiß), der geglaubten oder wirklichen Liebe halber.

    Ich habe gelacht und den Golddeckbocksartikel gemacht.

    BW

    (Steht hier für “Beste Wünsche” anstatt für Bundeswehr.)

  3. Lesezeichen sagt:

    Hehe Magnus, jetzt machst du es dir etwas zu einfach.

    Eines der Hauptprobleme, das Gläubige haben, ist dass man ihnen permanent unterstellt, sie wollten andere missionieren. Das will ich deutlich nicht. Wenn mich jemand nach meiner Sicht der Dinge fragt, bekommt er meine bestmögliche Antwort dazu. Bestmöglich deswegen, weil diese Antworten sich auf meine persönlichen Erfahrungen beziehen, die jemand anderes dann nur aus zweiter Hand mitbekommt und das dann evtl. nicht so nachvollziehen kann.

    Weiterhin habe ich mich dagegen gewehrt, dass mein Glaube hier bei jeder Gelegenheit – und sei sie auch noch so unpassend – als Pseudoargument aus dem Hut gezaubert wird. Das möchte ich deutlich nicht, weil es nicht zum Thema beiträgt und schon gar nicht zu einer Lösung.

    Jetzt mir daraus zu stricken, ich wolle nicht über den Glauben diskutieren, um mein persönliches Behagen zu erhalten, halte ich schon für sehr kühn.

    Wenn du also einen entsprechenden Fred hast, wo es um Glaubensdinge geht, dann habe ich keine Probleme, meine Sicht der Dinge darzustellen – unter der Voraussetzung, dass diese Diskussion sich auf einer fairen Ebene darstellt. Sehr oft ist das (nicht in diesem Forum) nicht der Fall, weshalb ich mich dann aus diesen Debatten ausklinke. Wenn das Niveau zu weit absinkt, bin ich dann mal weg. Das hat nichts mit Feigheit zu tun, sondern es gibt Diskussionen, die dann so niveaulos verlaufen, dass ich da einfach nicht mitmischen will.

    Herzlichst

    das Lesezeichen

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Ich weiß, dass ich mich diesbezüglich Dir gegenüber schon danebenbenommen habe.

    Und hätte Dich in meiner Antwort an Josef vielleicht auch nicht wie oben erwähnen sollen.

    BW

  5. Lesezeichen sagt:

    Hallo Magnus,

    ist schon in Ordnung.

    Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es bei Gläubigen sone und sone gibt, manchmal richtig unangenehme, penentrante Kandidaten – ebenso wie bei Atheisten übrigens. Die können durchaus radikaler in ihren Ansichten sein und spätestens wenn die Debatte bei den angeblich fehlerhaften Schläfenlappen der Gläubigen angekommen ist, ist auch für mich die Diskussion zu Ende.

    Der Mensch ist eben radikalisierbar – durch was auch immer.

    Ich teile auch Josef’s Ansicht oben nicht.

    Man kann in der Diskussion um Gott die offensichtlichen Fragen nicht damit ausblenden, indem man darauf verweist, dass Unglück oder Unrecht jedem widerfahren kann. Nur weil es häufiger auftritt, erfährt es damit keine Steigerung der Legitimität.

    Nein, diese Fragen muss man stellen und sie sind schwierig. Der Krebstod im 6. Schwangerschaftsmonat einer meiner besten Freundinnen war für mich ein Ereignis, mich auf größtmögliche Distanz zu Gott zu bringen. Egal, wie ich es drehte und wendete, ergab dieses Ereignis für mich keinen Sinn. Bis heute übrigens.

    Eine ähnliche Sinnfrage habe ich mir gestellt, als wir mal in Krefeld in der Burg Linn waren. Dort gibt es einen Raum nur mit Passfotos der Opfer des Volkssturmes. Kindergesicht an Kindergesicht, teilweise jünger als unsere zu diesem Zeitpunkt waren. Wer da nicht fragt, wieso Gott Unrecht zulassen kann, der ist entweder verblendet oder ignorant.

    Mein Problem bei der Geschichte ist quasi eine griechische Tragödie. Es gibt mehrere Varianten, aber keine Lösung. Einerseits weiß ich, dass es Gott gibt – mit all den sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen. Andererseits stelle ich mir die menschliche Frage nach dem Gott der Liebe, wenn um mich herum so viel Grausames passiert. Nicht nur das, sondern ich sehe, dass die Grausamsten meistens durchkommen, besser dastehen, zu den Gewinnern zählen?

    Ich habe da noch keine schlüssige Lösung gefunden, die mich wirklich zufriedenstellt. Und so werde ich mir weiter meine Gedanken machen, weitersuchen, weiterforschen mit dem bisschen Verstand, der mir zur Verfügung gestellt wurde.

    Gott zu negieren ist für mich auch keine Lösung, weil ich eben davon überzeugt bin, dass es ihn gibt. Also werde ich diesen Glaubensweg einfach weiter gehen, sehen was passiert und darauf hoffen, dass ich irgendwann mehr verstehen kann. Es ist wie bei anderen Wissenschaften auch. Nur, weil manches nicht gleich klappt, heißt das nicht, dass der Weg falsch ist. Oder wie Sir Ken Robinson es ausdrückt: There is no success without failure.

    In diesem Sinne

    das Lesezeichen

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Du schreibst, unter anderem, ergreifend:

    “Ich habe da noch keine schlüssige Lösung gefunden, die mich wirklich zufriedenstellt. Und so werde ich mir weiter meine Gedanken machen, weitersuchen, weiterforschen mit dem bisschen Verstand, der mir zur Verfügung gestellt wurde.

    Gott zu negieren ist für mich auch keine Lösung, weil ich eben davon überzeugt bin, dass es ihn gibt. Also werde ich diesen Glaubensweg einfach weiter gehen, sehen was passiert und darauf hoffen, dass ich irgendwann mehr verstehen kann. Es ist wie bei anderen Wissenschaften auch. Nur, weil manches nicht gleich klappt, heißt das nicht, dass der Weg falsch ist.”

    Ich denke, Du denkst und handelst für Dich und die Deinen im Ganzen richtig.

    Du redest auch wiederum durchsichtig und auf den Punkt.

    Lediglich Deiner Geringschätzung Deines eigenen Verstandes mag ich nicht zustimmen.

    Davon nämlich hat Dir Gott, sollte es ihn geben, mehr geschenkt, als den weitaus meisten.

    Insofern schätzte ich es an seiner Stelle nicht, dass Du Dein Licht zu sehr unter den Scheffel stellst.

    Und auch nicht an meiner.

    Du darfst ruhig zugeben, dass Du weißt, dass Du nicht dumm bist.

    Sonst wird es Heuchelei.

    Noch eins.

    Vielleicht bin ich in meinem Ringen mit dem Nichtglaubenwollen beziehungsweise -können in einer nicht unähnlichen Lage wie Du umgekehrt.

    Wir haben uns einfach mal vorläufig für unsere Wege entschieden.

    Dass Du allerdings, um dies nochmal zu betonen, Deine Geistesgaben wie oben herabsetzt (ich mache das auch oft, aber nur in Selbstironie, die ich dort nicht zu erkennen vermochte, zudem natürlich gelegentlich ob all der Blödsinnigkeiten, die ich zweifellos schon hingelegt und verbrochen habe), ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung.

    Eine unglaubwürdige Form der Bescheidenheit.

    Wenige Menschen wissen sich zu verschiedensten Themen so erhellend und präzise auszudrücken wie Du.

    Das wurde Dir auch sicherlich nicht einfach nur so dahingeschenkt. (Dafür muss man auch sehr lange sehr hart an sich arbeiten. Das weiß ich.)

    Aber es ist da.

    Und es kann noch viel mehr daraus werden.

    Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung hast Du wohl noch etwa dreißig Jahre dafür.

    Du wirst immer noch schneller, sicherer und gleichzeitig souveräner.

    Es werden noch viele Menschen viel von Dir lernen können.

    Wenn Du das willst.

  7. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen (Nachtrag)

    Um mal wieder etwas Spaß in all diesen Ernst zu bringen: Sollten die Inder und all die anderen Reinkarnationauten recht haben, so wirst Du in Deinem nächsten Leben sicherlich nicht als Molch oder Stichling oder Laus wiedergeboren werden.

    Es sollte desfalls mindestens für einen hochbegabten Menschen reichen, der sein Glück aufs Neue versuchen darf.

  8. Lesezeichen sagt:

    Hallo Magnus,

    vielen Dank für die Komplimente.

    Aber man sieht, dass Schriftsprache eben doch oftmals nur unzulänglich ist oder aber dass man gar nicht alle Gedanken in Worte fassen kann, die einem so durch den Kopf gehen und man manchmal einfach Dinge überspringt.

    Als ich auf “das bisschen Verstand” hinwies, wollte ich damit auf den Größenunterschied zwischen Gott und dem menschlichen Erfassungsvermögen hinweisen. Da sehe ich eben deutliche Unterschiede, so wie wir eben im Vergleich zur Unendlichkeit des Universums nicht mal die Größe eines Staubkornes haben.

    Wenn ich mich also daran versuche zu messen, bleibt eben, großzügig gerechnet, nur ein bisschen Verstand übrig.

    Unter irdischen Zeitgenossen komme ich gut zurecht. Manchmal wäre ich gern richtig schlau bzw. beneide ich die Leute, die wirklich hochgebildet sind. Aber die haben auch sehr oft ihr ganzes Leben Zeit und verdienen nicht selten noch damit Geld, um sich ausschließlich um ihre Bildung zu kümmern. Professoren z.B.

    Naja und da sieht es eben bei mir – und vielen anderen – eben doch anders aus. Aber ich bin darüber nicht traurig. Es fällt mir nur manchmal auf.

  9. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Gegenüber einem Alwis (ein Beiname Odins) wissen wir selbstverständlich wenig. (Tatsachenbeschreibungen sind aus meiner Sicht übrigens keine Komplimente. Aber das nur nebenbei.)

    Und unsere Schriftsprache ist in der Tat oft unzulänglich.

    Hört und sieht man einen Menschen zu seinen geäußerten Worten, so hat man, zumindest in der Regel, ein klareres Urteil.

    Aber schon diese Aussage ist trügerisch, einzuschränken.

    Ist man jenem oder jener gewogen oder weniger gewogen, versteht jener oder jene bestimmte Beimittel gut einzusetzen: schon trübt es die Sache sehr leicht.

    Die Schriftsprache ist unbestechlicher.

    Es steht für jeden da.

    Schon wieder Stoff für einen gesonderten Beitrag.

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