Links oder rechts oder A…?

“Rechts” ist böse, “Links” ist gut: Das kennen wir schon.

Andere sagen: “Right is right and left is wrong”.

Ich habe zu diesem merkwürdigen Themenkreise in letzter Zeit wieder einmal ein paar Feldstudien unternommen.

Einfach, indem ich also provokant wie richtig anführte, dass viele Nazis sich als Sozialisten durchaus als links verorteten.

Und indem ich frug, ob denn Stalin und Mao jetzt “Linke” oder eben doch “Rechte” gewesen seien, da sie ja einerseits eindeutig Sozialisten waren, aber doch Millionen umbringen ließen, soherum also “Rechte” gewesen sein müssten.

Reichlich Ratlosigkeit bei den Angesprochenen. (Ich hatte mir vorsätzlich nicht eben die ärgsten Dummbatze rausgesucht.)

Einer meinte dann, nach einigem verbogenem Gesichte: “Arschloch ist Arschloch, egal, ob links oder rechts!”

Na gut, damit hätten wir wenigstens schonmal eine zwar derb ausgedrückte, aber immerhin zu verfolgende Arbeitshypothese.

Und man bedenke dabei, dass Mao wohl doch eher eine Art Nationalsozialist war, Stalin hingegen ein Internationalsozialist.

Wer war dann von daher “lieber”, also linker, weniger “rechts”? (Lassen wir die Opferaufrechnung in Millionen mal beiseite; das bringt nichts; Mao dürfte wohl der unbestreitbare Weltrekordhalter darin sein, hatte aber auch mehr Menschen zur Verfügung, die er erschießen, verhungern lassen, in Todeslager stecken konnte.)

Ist Goldman Sachs, ist George Soros, ist Henry Kissinger nun “rechts” oder “links”?

Oder sind die die Mitte?

Naja, das wär’s.

Aber hatten wir nicht auch das von den Arschlöchern?

Das Arschloch sitzt, zumindest bei den meisten, wenn wir schonmal deutlich werden wollen, doch eher in der Mitte, denn links oder rechts.

Ich bin von daher zu dem – zumindest vorläufigen – Schlusse gekommen, dass ich mich gerne weiterhin von Rechten als zu links und von Linken als zu rechts beschimpfen lassen werde, von ganz Übelwollenden gar als politisch mittig, den ganzen Firlefanz aber so, wenigstens für mich und in meinem Geiste, nicht mehr mitspielen.

Es sind dieselben Leute, die “linke” und “rechte” Parteien gegeneinander finanzieren, ihre Hetzblätter dazu, ihre Heuchler und nützlichen Idioten, ihre Terroristen und Streu- und Phosphorbomber, was je ihrer Agenda sonst noch nützlich.

Mich haben sie noch nicht versucht, zu finanzieren.

Ganz blöde sind die ja auch nicht.

Die haben schon gemerkt, dass ich in ihrem Sinne weder rechts noch links noch Arschloch bin noch auch so leicht werde, nur, weil sie mal ein paar Kröten rüberschieben.

Eher noch schöbe ich die Kröten, magisch verwandelt in Stipendien für die Richtigen, wenigstens zum größten Teil, gleich an solche rüber, die jene ebenfalls fürchten zu lernen allen Grund haben.

Verlinkst und verrechts und verarschlocht, wen Ihr wollt: Ich schenke mir jetzt vom Zweieuroroten nach, freue mich auf meinen Käsgast nachher, und zeige Euch den Vogel, dessen Flugbahn Ihr nicht einmal im Traume in der Lage zu erahnen.

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8 Antworten zu “Links oder rechts oder A…?”

  1. Sehr schönes Wortspiel! Unser Gesprächskreis fragt sich seit 10 Jahren, sind wir links oder rechts, vielleicht auch mittig? Die Antwort brachte uns auch die 100. Monatsveranstaltung nicht. Dennoch hat eine hinterhältige Politmafia, aus dem heute etablierten politischen Millieu, Antifaaufklärern bis hin zur CSU Obrigkeit und der örtlichen Zeitung, es fertig gebracht, uns als Rechte anzuprangern. Das bedeutet in der Praxis Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Wir werden uns dennoch nicht auf dieses Spiel einlassen und beurteilen das Geschehen nicht mit links und rechts sondern mit richtig und falsch. Deshalb auch unsere Analyse der Weihnachtsrede “unseres” Bundespräsidenten, aus einem scheinheiligen Saulus wird noch lange kein Paulus. Wir wünschen auch diesen Auftritt weiter einen scharfen Blick auch auf die Ereignisse 2012.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2011/12/24/saulus-und-paulus/

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ rundertischdgf

    “Rechts” ist halt zu einem Synonym für böse gemacht worden.

    Also ist alles Unerwünschte per definitionem automatisch “rechts”.

    Ich habe mir auch schon überlegt, ob ich nicht einmal hergehen sollte und Grüne zum Spaß als “Rechte” beschimpfen, weil die ja inzwischen so gerne “gerechte” Kriege machen (lassen).

    Aber das ist mir bisher zu blöde. (Wer weiß, vielleicht mache ich es doch nochmal irgendwann. Grade zum Possen.)

  3. Uwe Habricht sagt:

    Wahre Worte. So wie Ihnen gings mir vor gut 10 Jahren auch mit diesem leidigen Thema ….. Beste Grüße, von Freigeist zu Freigeist.

    http://www.raum-und-zeit.com/raum-zeit/archiv/2001/ausgabe-113/globalisierung-und-neofaschismus-sind-keine-gegensaetze.html

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Uwe Habricht

    Danke! Dito!

  5. Uwe Habricht sagt:

    Man muss in jede Richtung fragen dürfen. Denkverbote haben noch nie Toleranz erzeugt, noch stehen sie für Toleranz. Eine Meinung kann ich mir bilden, wenn ich meinen Standpunkt verschieben darf, quasi forschen darf, vergleichen, abwägen. Die Gefahr besteht, dass ich mir mit einer “Identität” meine eigene Beweglichkeit verbiete und somit das Feld meiner Wahrheitssuche einschränken muss. Vielleicht müssen wir uns ein bisschen ins “rechte” GedankenLager wagen, um uns darüber eine Meinung bilden zu können. Ebenso ins “linke” Lager und ins “Oben” und “Unten”-Gedankengebäude. Dann stelle ich mich in die Mitte und habe einen Standpunkt, der nicht starr ist, sondern immer wieder durch neue Inhalte in Frage gestellt werden kann, quasi beweglich bleibt, ohne mich auf ideologische Schablonen festlegen zu müssen. Dieses neue uneingeschränkte, nichtideologische Denken, Suchen und Fragen ist die Herausforderung einer neuen Zeit.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Uwe Habricht

    Es geht hier letztlich um eine Totschlagformel im Sinne der Mächtigen.

    Nehmen wir nur ein Beispiel.

    Wer sich heute dawider stellt, Kinder so früh als möglich (bereits im Krabbelalter oder kurz danach) ganztags von ihren Müttern wegzunehmen, in staatliche Einrichtungen, um letztere so schnell als möglich wieder dem Produktionsprozess zuzuführen (und wohl auch die Kinderseelen zu entführen), wird als “rechts” angeprangert.
    Ganz einfach, weil man das so will, den Widerstand dagegen über diese Formel brechen. Denn wer will schon als “rechts”, also böse, gelten?

    Aber: Ist es nicht eigentlich “rechts” (wenn man darunter faschistoid versteht), Müttern per ökonomischem Zwang ihre Kinder wegzunehmen? Grundgesetzwidrig? Totalitär?

    Und wenn man Gendersprachregelungen vorgibt, die unsere Sprache vierlerorts zwangsweis verhunzen, was ist das?

    Und wenn man das Volk qua Kommissariaten und Governeursräten enteignet, was ist das?

    Die Liste lässt sich lange fortsetzen.

    Vielleicht mache ich mich bald mal an die Aufstellung einer solchen.

  7. Uwe Habricht sagt:

    DITO, Herr Göller. Genau das beschrieb ich im o.g. Artikel in der “raum&zeit” (2001). Der Kampf gegen Rechts ist von seiner Energie her ein Herrschafts- und Gewaltkonzept und daher ebenso faschistoid; reproduziert faschistoide “Über- und Untermensch” – Ideologien und Verhältnisse. Dies weltweit.

    Man könnte fast denken (oder wir sollen es GLAUBEN), dass der Imperialismus (Neudeutsch “Globalisierung”) mit dem Nationalismus konkurriert. Jedoch nur scheinbar. In Wahrheit sind es dieselben Kräfte, die uns hier das links-rechts-Schema indoktrinieren, um von eben jener Gewaltherrschaft in ihrer globalisierten, extrem zerstörerischen, teilweise subtilen und hoch menschenverachtenden Form abzulenken.

    Allerdings und Gott sei Dank: Ohne Erfolg! Wir haben 2012! Das Bewusstsein wird immer heller und bringt all das ans Licht. Im Innen, wie im Außen.

    (PS: Ich bin jener UMK, der Ihnen die FA auf FB sandte)

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Uwe Habricht

    Zustimmung!

    Ob allerdings diese Mechanismen ohne Erfolg seien…?

    Ich sehe durchaus Bewusstein in der von Ihnen angezeigten Richtung wachsen. Inwieweit es sich (rechtzeitig) durchsetzen kann, weiß ich nicht zu sagen.

    Zu Facebook: Ich bin nur noch gelistet, aber nicht mehr aktiv. Sie dürfen mich dort aber gerne, auf diesem Wege bestätigt, als “Freund” aufführen.

    LG

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