“Herumkulturt?”

Vorhin schrieb ich einem hochgeschätzten Kollegen einen E-Brief und meinte darin, in einem hier nicht zu entdeckenden Zusammenhange, dass ich auf dieser Seite ja auch “herumkulture und -kalauere”.

Diese Art der selbstherabsetzenden Flapsigkeit bereue ich jetzt doch ein bisschen: Ersteres klingt an “herumhure” an (ich wusste das schon, als ich’s eintippte), wohl auch “herumtreibe”, letzteres an “herumlauere” oder gar “-lungere”.

So ist das, wenn man schräge Witze macht: Schneller als man denkt, haben sie einen umzingelt.

Dass ich selbst, in einer Zeit, da viele Kunst als kostenloses Gemeingut erachten, als weniger als das Trottoir wert, dessen Instandhaltung sie wenigstens über Steuern mitbezahlen, Texte wie als frei absammelbaren Honig auf ihre Seite laden, Kultur allenfalls als Ramschware ansehen, nicht einmal eine Flasche Rapsöl, geschweige denn Schnaps, wert, solcherlei Sprüche absondere: Ist das noch souveräne Selbstironie, oder doch schon ein Akt der Verzweiflung, des Einknickens vor den Schuldenpriestern, den Hierophanten des Genderismus, den Klakeuren der gesellschaftlichen Dekadenz?

Nein, wohl doch nicht letzteres, lediglich eine – bis vorhin noch – private kleine Verirrung.

Ich warne mich hiermit aber selber davor, auch alle anderen Schaffenden, deshalb schreibe ich dies, dahingehend die Wachsamkeit zu verlieren, sich Schritt um Schritt eben doch ins Bockshorn jagen zu lassen, der Geringschätzung unserer Tätigkeit durch die Allfinanzvernichter, Geschlechtergleichrichter und -vernichter, Einnivellierer irgend nachzugeben, selbst dann achtsam zu bleiben, wenn man satirisch überhöht, ob man jenen nicht etwa ungewollt in die Hände spiele, wieder ein wenig Rückgraterweichung eben doch schleichend stattfinde, Selbstachtung weiter verlorengehe, man jenen auf den Leim der Untergrabung alles Dauerhaften und Schönen.

Sapienti sat.

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2 Antworten zu ““Herumkulturt?””

  1. TanjaKrienen sagt:

    Lieber Magnus!

    Zum Jahresausklang wünsche ich ein paar besinnliche Tage und im Anschluss daran ein erträgliches und möglichst schmerzfreies 2012!

    Viele Grüße, Tanja

    Buchtipp: Die Gesellschaft des Spektakels von Guy Debord (1967) –
    http://www.youtube.com/watch?v=8xEdxD86D_k

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen

    Liebe Tanja!

    Entsprechende Wünsche und vielen Dank!

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