Mein allerliebster Weltuntergang

Wir haben es geschafft.

Nur noch ein Jahr bis zum endgültig letzten Weltuntergang.

Die Mayas wussten schon vor hunderten von Jahren, dass am Ende dieses jetzt begonnenen Sonnenjahreszyklus, am 21. 12. 2012, ebenjene Sonne durchdrehen werde, sozusagen ohne Käse und Salat.

Das rechne ich ihnen hoch an.

Da weiß ich doch, dass ich vorher noch die feinen Sardellen wegessen muss, derer ich noch ein paar Büchsen habe, keinen Malzwhisky und keinen Sauternes in meiner Reichweite übriglassen darf, mir keine Schuhe mehr kaufen muss, noch auch ab November meine Messer abziehen, mir über Finanzkrisen und Bundespräsidenten Gedanken machen, darüber nachdenken, wie mein Blog endlich zur verdienten Zahl von einer Million Zugriffen je Erdentag gelangt, kann alle Philosophei einstellen und alle Reste schon sommers an der Ostsee verbraten, wo man seine Ruhe vor all den Mediterranesern hat, Heilbutt mit mecklenburgischem Kartoffelsalat satt, dann noch einen letzten Altweibersommer unterm Bürgstadter Zehntgrafenberg, mit Abstechern zum Würzburger Stein und zum Homburger Kallmuth, endlich mal Hedonismus pur in meinem bislang von viel Entbehrung geprägten Leben, belgische Leberpastete, Ziegenschinken aus dem Trentino, Echtkalbsweißwürste bis zum Abwinken im späten Oktober, Masse Old-Amsterdam-Kaas nebst Megajoints an einem geheimen Ort in Holland, ein Entenbeinchen in Marienbourg hie, ein paar Happen Manchego zum Vega Sicilia dort, wenn schon auf der letzten Reise, ein paar Meeresfrüchte zum besten Sauvignon Blanc, ein wenig frisches Holzofendinkelweißbrot mit Tapenade und Tomme zuvor, etwas gefüllte Fohlenbrust mit feinen Pilzchen und Wildkräutern, ein Schlückelein Eiswein vom Riesling zwischendurch, das eine oder andere Hirschmedaillon mit Sößle und handgeschabten Haselnussspätzle und vorher das kleine Salätchen mit Kirschtomaten und Feldsalat, ein Linien-Aquavitchen nebenbei, zum sinngerecht Einlagern, einige Streifchen luftgetrocknete Rosmarin-Wildschweinlende, etwas Eichelmast-Finocchiona zum Ausgleich, die letzte Flasche Weißburgunder vom Luckert dazu, dann Wachtelbrüstchen in Burgunder mit schottischen spitzkegeligen Kahlköpfen, damit der weitere allgemeine und spezielle Appetit nicht zu lange ausbleibt, fehlt noch der obligatorische Barolo, der Pancetta und dem Pecorino sinnfällig beizugesellen, frischer Pesto, mit etwas Butter drunter aufs Häppchen, ein paar Tintenfischlein in Olivenöl-Zitronenmarinade, ein Läppchen Kobe-Rind, allein schon ob des letztmöglichen Vergleichs mit durchsichtig fein geschnittenem Bündnerfleisch, daneben ein paar Stücke echter, kerniger Mandarinen, Albapfel mit Avocadoscheiben und Basilikum, umrahmt und umrandet von kleinen getrüffelten und fenchelbehauchten Risottotupfern, jetzt ein Silvaner, ganz deutsch, schließlich der Gänsebraten, klassisch, mit Rotkraut, Soß, rohen Klößen und dem angemessenen Chateau Margaux.

Dass da noch eine anständige Mousse au Chocolat oder ein Brombeerjus, heiß an Bourbonvanilleeis serviert, draufpasst, dürfte sich von selbst verstehen.

Ein richtiger Mocca, ein alter Cognac, eine Filterlose danach, und wir können diesen Planeten getrost verlassen.

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2 Antworten zu “Mein allerliebster Weltuntergang”

  1. wartenauf sagt:

    frage: zu was ist deine freßorgie gut???

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ wartenauf

    Sie verdrießt die Weltuntergänger. (Und bringt schon dadurch Heil.)

    Mich dagegen inspiriert schon der Gedanke an ein Zipfercheln Rieslaner Auslese trocken mit einem daumengroßen Forellencremebrötchen.

    Das mag der Unterschied zwischen den zwei zur Debatte stehenden Rassen sein.

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