Deutlichkeit ist zu laut

Der Mucker erklärt sich Deutlichkeit als zu laut.

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2 Antworten zu “Deutlichkeit ist zu laut”

  1. TanjaKrienen sagt:

    Ein fabelhafter Aphorismus. In der Tat: wer immer die klare Überzeugung scheut, wird jeden, der sie – vielleicht auch subjektiv vertritt – schon nicht verstehen wollen und können, weil er ein Laumann ist.

    Vor Jahren schon schireb ich eine Satire, die ich, leicht gekürzt, einmal quasi zitieren möchte -

    Der kleine Muck

    Inwieweit er etwas dafür kann, meistens schlechter auszusehen, als sein altersgemäßer Widerpart aus dem linken Lager, können wir letztlich nicht ergründen. Nähern wir uns deshalb seinem soziokulturellen Umfeld, mag sein, dass wir hier eine Teilantwort auf das Gesamtproblem finden.

    Er, der jungliberalkonservative Muck, bürstet sich stolz, spreizt sich ob seiner Zukunft, die, davon ist er überzeugt, längst nicht so sein wird wie die Gegenwart, denn die ist doch: sehr mittelmäßig. Eher mäßig. So wie er. Doch er besitzt die feste Überzeugung, wenn er jetzt einige Jahre stillhält, nicht weiter auffällt, sich nicht erregt, nicht zu stark gegen etwas eintritt, und nur ab und zu für diese oder jene untergeordnete Kleinigkeit, dann wird es etwas werden – in der Jungen Union, im Liberalen Jugendverband oder in der Kirchengruppe.

    Er pflegt seine Manierismen, manchmal schlingt er auch den taubenblauen Schal um den Hals, schmückt sich mit farblich auffallend sehr gedeckten Krawatten, lässt aber auch schon einmal ein gewagtes Tüchlein blitzen. Seine Söckchen von „La Redoute“ halten die Füße gerade so umspannt, das die Schuhe von „Daniel Hechter“ so eben noch nicht den Straftatbestand des arrogantes Totschlags erfüllen; den Wert der früh erworbene Brille, Marke „Aristo“, unterstreicht er mit leichtem Blinzeln, wenn er etwas mit erlernten snobistischen Geste von sich weist, was er wissen sollte, aber jetzt nicht unbedingt wissen muss, denn: es könnte ihm ja schaden. Und schaden will er nicht, schon gar nicht sich selbst. Aber sonst geht’s ihm gut! Zumindest, momentan. Zumindest halbwegs. Das soll auch so bleiben, lächelt er verschmitzt, und sein ICH lächelt ebenso belustigt zurück: Ich bin doch ein deutscher Student!

    Eigentlich versteht er sich als Kämpfer: gegen Rot-grün, gegen die Linken, gegen die Gleichmacherei. Eigentlich. Daneben aber weiß er, schickt es sich nicht, mit den Linken allzu heftig zu streiten, zumal: die machen ihn fertig! Und wovon die reden: ach Gott, da versteht er doch nur die Hälfte, und dann sind die auch noch lauter als er. Da spielt doch lieber seine eigene Geige, schaut beseelt ins Album „Große Deutsche, bunt bebildert“ und kichert, wenn er den Namen Dolly Buster hört, oder „Prostituierte“ oder „Transsexuelle“. Igitt, denkt er dann, und: Was ich Mama (mit deutlicher Betonung auf der zweiten Silbe) nur am nächsten Muttertag schenken soll, immer diese Narzissen….?

    Die Welt ist sehr profan, zu profan für unseren Muck. Er widersteht im Geiste, manchmal auch im Hinterzimmer. Sein Vorbild ist Stauffenberg. Wie der damals war, ja so mutig möchte er auch mal sein. Wenn doch nur ein zweiter Hitler in Sicht wäre. Schade. So wartet er halt ab. Ästhetik ist ihm auch wichtig. Leni Riefenstahls Bilder – mit Beethoven untermalt – gilt ihm als höchstes Prinzip. Momentan ergötzt er sich an – weil sie so schick sind – Wolfgang Joop und Guido Westerwelle. Er hat damit einen schweren Stand. Die Linken lachen ihn aus. Er schlägt die Augen zum Protest nach innen, nach unten. Er ist sogar zu arrogant, um sich zu schämen.

    Er mag das Militär, doch nicht zu sehr, immer nur ein bisschen, so, dass es da ist, aber nicht unbedingt dort sein muss, wo es eigentlich hingehört. Auch Burschenschaften findet er nett, denn da knistert und knastert es zwischen den uniformierten Männern im bunten Wichs, da mauschelt und mieft es, da werden nicht nur die Salamander gerieben: Prost und dann der Stoß! Und wenn es dann eins auf das Schnütchen setzt, sodass es die halbe Wange zerfetzt, dann sinkt er zufrieden ins warme Bett: Heut´ war es mal wieder besonders nett! Die Mensur ist eine Tortur, doch aus manchem kleinen Fux, wurde schon bald ein echter Windhund.

    Neulich, da hat er was ganz etwas Tolles entdeckt. Da geriet er in eine Versammlung von Leuten, die waren sehr patriotisch, doch nicht idiotisch (was er nicht auf Anhieb bemerkte), denn die sprachen von ihrem Land, von Sicherheit und Militär, von Feinden und einem Krieg. Und da sagte sich der Muck: Schau, das wäre doch etwas für mich, da kann ich endlich mal mein nationales Mütchen kühlen, kann mich ganz patriotisch fühlen, kann den Mund weit aufmachen, ohne das die Leute lachen, und ohne das jemand „Nazi“ schreit. So trat er der deutsch-israelischen Gesellschaft bei. Als die merkten, warum er zu ihnen gestoßen war, sprachen sie nicht mehr mit ihm. Da war enttäuscht und wurde wieder in der katholischen Kirchengruppe aktiver.

    Dann engagierte er sich für die USA, doch Uuuiii! davon hat er eigentlich keine Ahnung, versteht nix minus Zwölfdreiviertel. Die US-Musik hasst er, die Freiheit dort eigentlich auch, Hollywoodprodukte findet er prinzipiell „total doof“ und er kann nie beim neuesten Film mitreden, den die Linken alle kennen.

    Er ist für die wehrhafte Demokratie: unbedingt. Er glaubt Bush zu verstehen, schimpft, wenn einer sagt, so wie er es verstünde wäre es eine Karikatur, und seine Autorität nur den Autoritäten geschuldet, weil er selbst autoritär denkt. Wenn er aber einen Feind der Demokratie trifft, sagt er ihm ganz deutlich, warum er…nicht mit ihm streitet. Warum die Linken nur immer so gut aussehen, denkt er dann nur, und entschließt sich von nun an mehr Sport zu treiben und nicht mehr so viele Salamander zu reiben. „Pah, nicht mal eine Coleurdame hat er in Anspruch genommen“, raunt sein „Alter Herr“ ob des Teilrückzuges barsch in die gestählte Runde.

    Nach dem 11.9 war er sehr entsetzt, politisch und menschlich. Seine Arbeitsgruppe „Kirche und Kopftuch“ war auch entsetzt. Sie vereinbarten einen weitreichenden Protest: eine Stunde abwägendes Schweigen. Sie saßen da, schweigend, abwägend, nacheinander, miteinander, an den Händen fassend, eine Stunde. Dann gingen sie wieder auseinander. Die eine mit Kopftuch, der andere ohne.

    Es klopft unterirdisch, mal hier, mal dort; lauter und lauter. Doch kein Laut, der des Mucks Ohr heute erreicht, weil sein Panier „gestern“ heißt. Und leis´, ganz leis´, erklingt der Geige Ton – „fideldumm“. So geigt der kleine Muck unerschütterlich sein Lied vom Eichenlaub mit Schwertern, die er durch die Israel-Fahne und das Sternenbanner ergänzt, – denn er ist doch immer derselbe der Mucker, er, der zeitlose, er, der über die Welt geht, als Menetekel für die, die ihn immer wieder erkennen und sich entsetzen.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ TanjaKrienen

    Dein kleiner Muck ist – abgesehen von den aktuellen Bezügen – zeitlos.

    Und ich freue mich natürlich, dass wenigstens mal eine meinen obigen Aphorismus verstanden hat und goutiert.

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