Hyperräuber? Teradiebe? Yottabetrüger?

Es gab Zeiten, da war “Gesindel!” noch ein ernstzunehmendes Schimpfwort.

Man bezeichnete damit verlogene Bettler, schmierige Luden, abgewrackte Bordsteinschwalben, kleine Taschendiebe, abgerissene Spieler, windige Lugenbeutel, schlunzige Heiratsvermittler, Schweinehirten, die rochen wie ihre Eber, Nachtwächter, die nichts taugten, käufliche Büttel, unfähige Kesselflicker, einfallslose Gaukler, wirre Schatzsucher und Fasler, scheeläugichte Haderlumpensammler, Hauslehrer, die Madame mehr beibrachten als der Tochter des Hauses, oder beiden gleichviel, schlurige Schreiber, Metzger, die nichts davon wissen wollten, dass Fleisch in die Wurst gehört, Bäcker mit zu kleinen Brötchen, Steinmetze, die jeden noch so stichichten Brocken versetzten, um überdies die Fugen nicht richtig zuzuschmieren, handaufhaltende Gerichtsdiener, heruntergekommene Schluckspechte, übelst tratschende Waschweiber, bigotte Pfaffen mit Hausmädchen, Quacksalber, Winkeladvokaten, Hinterhofbuchmacher, Kammerjäger, die ihre Ratten selbst mitbrachten, Regenmacher, Wanderprediger, schlechte Schuhwichser, Rosstäuscher, Scholastiker, minde Höflinge, billige Kokotten, eitle Gecken, fette Prahlhänse, heuchlerische Tugendbolde, Raufhändler, Weibsverprügler, Faulfruchtunterschieber, Kohlennässer, säumige Seifensieder, betrügerische Wirte, zahnbrechende Bader, Blinde, die sahen, und Lahme, die gehen konnten, Wein- und Bierpanscher, feige Soldaten, Mucker und Schleimer, Katzbuckler und Seimer, Grüßauguste und Trinen…: kurzum, jeder wusste, was und wer gemeint war!

Nun sind wir aber so weit, dass dies Wort gegenüber jenen zu verwenden, die Milliarden drei- und vierstellig veruntreuen, jeden mit allen Mitteln verleumden, der dazu auch nur ein Widerwort wagt, eine wirklich unerträgliche Beleidigung für alles klassische Gesindel wäre.

“Geschmeiß”?

Nein, auch das passt nicht.

Schmeißfliegen sind lediglich lästig, fressen einem aber nicht einfach so alles weg.

“Wegelagerer”?

Nein, die müssen sich zunächst verstecken und tragen ein nicht unerhebliches Risiko.

“Banditen”?

Das trifft es schon eher, da es sich zweifellos um Banden handelt.

Trotzdem stellt man sich unter einem Banditen ein irgendwie verfolgtes, wenig achtbares Mitglied der Gesellschaft vor. Selbst dann, wenn es sich um einen Edelbanditen handelt.

Wie also soll man Leute bezeichnen, die sich in Dömen und Schlössern gegenseitig Preise verleihen und dafür ehren und laudationieren, dass sie das Volk ausrauben, ohne auch – bislang – nur einen Schuss abgeben zu müssen?

Hyperräuber?

Teradiebe?

Yottabetrüger?

Ich werde auf kurz oder lang den richtigen Begriff ermitteln: und wenn ich ihn eigens erfinden muss.

Alles, was vorhanden ist, lässt sich auch richtig bezeichnen.

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11 Antworten zu “Hyperräuber? Teradiebe? Yottabetrüger?”

  1. Rainer Grzybowski sagt:

    Mein Großvater hat den richtigen Begriff noch gekannt.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Rainer Grzybowski

    Dein Großvater muss ein kluger Mann gewesen sein.

  3. landbewohner sagt:

    vielleicht solltest zu einer art wettbewerb unter deinen lesern aufrufen:
    wie kann man diese sorte menschen treffend mit einem begriff beschreiben, der nicht moralisch höher stehende beleidigt?

  4. Infoliner sagt:

    Intelligenztest bestanden. Mitten zwischen all Dein Gesindel hast Du Scholastiker plaziert. Die passen nicht in Deine sonst recht eindeutige Liste.

    Ich würde sie gar nicht benennen, “jene”, denn erstens stärke ich mit meiner Aufmerksamkeit “jene” und zweitens halte ich es nicht für schlimm, durch Maßlosigkeit in Gier und Mangel an Menschlichkeit denen eine hilfreiche Erkenntnisgrundlage zu bieten, die sich noch nicht gefunden haben. Wirklich schlimme Worte suche ich für die Wissenden, die das Theater trotzdem mitmachen.

  5. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ landbewohner

    Was soll ich als Preis aussetzen?

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Infoliner

    Ich habe mir auch überlegt, ob ich die Scholastiker mit aufnehmen soll in einen so erlauchten Kreis.

    Sie wirken darinnen ja auch ein bisschen wie der Ochsenapfel auf der fleckigen Tischdecke.

    Es mag daher eine recht persönliche Wertung sein.

    Ich zitiere mal aus Wikipedia, dem Eintrag “Scholastik”:

    “Da die scholastische Methode an den Universitäten und in den „Studium“ genannten Bildungseinrichtungen der Bettelorden praktiziert wurde, spricht man von „Scholastik“ und speziell von „scholastischer Theologie“ auch im Sinne einer Abgrenzung der Hochschultheologie von der monastischen (in klösterlichen Ordensgemeinschaften gepflegten) Theologie.”

    Bettelorden: Da haben wir’s, das Gesindel.

  7. Cornel sagt:

    Lochverkäufer?

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Cornel

    Sehr gut!

    Wir kommen den Nichtsvergeldlern näher.

    Ein Loch ist immerhin schonmal ein Hohlraum, eine Leere: mit dem sprachmächtigen Vorteil, dass das Loch bloß einer Silbe bedarf.

    “Verkäufer” ist natürlich als zweiter Teil schlicht richtig, aber es stören mich eben noch ein wenig die drei Silben.

    “Lochhändler” wäre um eine knapper.

    Oder “Lochkrämer”.

    Wie wäre es mit “Lochmetz”? (Den könnte man allerdings für einen anständigen Bergbauingenieur halten, also einen, der benötigte Löcher macht, und nicht deren Inhalt verkauft.)

    Oder, wenn wir schon bei den Metzen sind, mit eingängigem Stabreim und lediglich sechs Phonemen, “Lochlud”?

    (Schlicht “Locher” sparte noch eins, wäre indes wohl zu leicht verwechselbar.)

    In jedem Falle aber hast Du die Sache in Richtung ihres Wesenskerns, nämlich des Was aus dem Nichts, gebracht.

    Zudem ist es ob der Verständlichkeit und Anschaulichkeit Deines Vorschlags fraglich, ob hier noch an ein oder zwei Silben zu geizen sei.

    Allzumal dieweil die Vier zahlensymbolisch traditionell für Macht steht.

  9. Cornel sagt:

    @Magnus

    Das Celler Loch hat mich dazu inspiriert; ein deutsches pico-911, sozusagen, welches so manchem Lochlud gerade recht in den Kram gepasst hatte.

    Nachtrag:

    Lochit- Bandit des Lochs
    Lochster – Gangster des Lochs
    Lochvier – dito
    Moloch – biblische Bezeichnung für phönizische-kanaanäische Opferriten, die nach der biblischen Überlieferung die Opferung von Kindern durch Feuer vorsahen…

    Ich muss jetzt mal ein kühles blondes schütten, vierzig Grad im Schatten und keine Wolke weit und breit, Delirium-Gefahr. Prost.

  10. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Cornel

    Na denn schüttma’, loch ein.

    “Lochster” wäre was für Schotten…

  11. landbewohner sagt:

    wie wärs mit ner einladung für den sieger und ursel leyen nach hammelburg?
    die dame wär austauschbar -auch merkel,steini,ackermann o.ä. wären brauchbar. und was ihr das mit dem gast anstellt, …..
    peinliche befragung mit kaffee und kirschtorte?

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