Meine Tiere

Oh um wieviel geht es mir jetzt schon besser, da ich mich endlich wieder von der Leine ließ!

Endlich wieder von Quarks und Bosonen, Mechatronen, Metaphotonen, Tachyonen, Memen und Nonen salbadern, ohne mich noch die Welt zu schonen!

Einem Kettenhunde gleich barkte ich vor der Türe der Vernunft.

Asselartig schlich und huschte ich durch die Keller der dingfesten Lügen.

Nein, kein kanines Hunzhofsäugetier bin ich mehr, kein Gliedertier mehr, der Guten und Gerechten Abfall zu devorieren und regurgitieren.

Jetzt fliegen zwei Raben um mich.

Ich holt’ sie vorhin ab am Stuttgarter Fleuchhafen, scheu, erst halbzahm, doch zutraulich sogleich.

Also fingen sie auch schnelle an, mit mir zu sprechen.

Munin nennt mich Wolf, Hugin Magnus. (Das machen die braven Tierchen, damit ich sie nicht etwa mal verwechsele; sie sehen sich so ähnlich.)

Sie besorgen sich ihr Futter selbst vom Felde, stets neuer Mär mir bringend: wenn ich ihr “krah! krah!” höre, weiß ich, dass ich wieder ein Mensch bin.

Sie erzählen mir Geschichten aus all den Ländern, die ich bislang nur im Traume bereiste, lehren mich amurtigerhaft schleichen, die Geduld eines schottischen Hochlandrindes, und zugleich die Geschwindheit der Gazelle wie die Gelassenheit des Steinbocks.

Sie erklärten mir gar, weshalb sie meine Tiere seien, und nicht die Schlange und der Adler Zarathustras.

“Bist Du denn ein Einsiedler?”, frug mich Munin.

“Hast Du nicht Kinder?”, setzte Hugin nach.

Ich verstand. Sie sind meine Tiere.

“Und Ihr werdet bei mir bleiben?”, versann ich.

“Meinst Du etwa, Du könntest UNS noch einmal entfliehen?”, versetzten sie beide wie eins und krähten dabei, dass es eine Lust war.

Nie überkam mich eine größere Freude, gleich zweien, meinen Tieren, nimmer entkommen zu können.

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