Von den Verlorenen

Durch den Verlust sowohl vom Gefühl einer Volkszugehörigkeit, von Familie, wie durch mangelndes individuelles Selbstvertrauen, entsteht der hohlköpfichte Pseudo-Tribalismus, dessen wir immer mehr gewahren.

Man ist stolz, fühlt sich einer (virtuellen) Gemeinschaft zugehörig: durch irgendein Nichttun oder ein lächerliches, infantiles, zum Heldentum aufgebauschtes Tun.

Nichttun: kein Fleisch essen, kein Auto haben (das man ohnehin nicht braucht oder sich leisten kann), keine sinnlosen Kinder gemacht haben (was man sich nicht traute, wenn man’s denn überhaupt gekonnt hätte), immer noch kein Moslem sein (wie als ob das jetzt schon eine heldenhafte Errungenschaft wäre), Merkel nicht mögen (man ist mutig und sagt es in kleiner Runde ganz offen!), kein Laub saugen (vorgeblich wegen der armen Käfer; in Wirklichkeit weil man zu geizig ist, so einen Sauger zu kaufen, zumal zu faul, ihn zu betätigen), nicht beim Lidl einkaufen (der Aldi ist näher), nie Rosamunde Pilcher gucken (Pornos kommen besser) usw.

Zum Tun: Man duscht zweimal am Tag. Man pierct und tätowiert sich. Man ganzkörperrasiert sich. Man findet den FC Bayern klasse. Man frisst Bio-Fertigpizzen. Man guckt Amischlampenfilme; wie heißen die noch? Man wählt Piraten. Oder Grün. Man geht da hin, wo die Kunst ein Fetteck ist. Man wäre selber gerne Josef Ackermann. Lästert aber ein bisschen über den, da man’s nicht kann. Man findet den Islam insgeheim klasse, weil man da die Weiber verprügeln darf und derer mehrere schon ganz jung haben. Man wäre fast so emanzipiert wie die eigene Freundin, wäre sie nicht ein Windows-Rechner. Und man kauft nur das Brot vom besten Bäcker der Stadt. Man frisst ja schließlich nicht jeden Scheiß.

Sorum und andersrum geht es nur um eines: sich irgendwie bedeutend fühlen.

Irgendeine Wichtigkeit aufbieten können: egal welche.

Ich werde kein Mitleiden mit diesen Kreaturen bekommen: Was derart fällt, das stoße ich noch.

Und, sintemalen: Diese werden einen sofort auf den nächsten Scheiterhaufen liefern.

Man nehme sich vor ihnen in acht!

Denn aus ihrer Kleinheit erwächst schnell jederlei Bosheit und Grausamkeit.

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3 Antworten zu “Von den Verlorenen”

  1. Tester sagt:

    “Was derart fällt, das stoße ich noch.”

    Finde ich falsch. Einfach fallen lassen ist besser.

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tester

    Du magst grundsätzlich recht haben.

    Doch bin ich mir da nicht so sicher.

    Außerdem stoße ich natürlich schon, indem ich darüber schreibe.

  3. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Tester & Alle

    Vor zwanzig Jahren fanden sich die Leute noch klasse, wenn sie einen Nike-Pulli trugen oder eine Miele-Waschmaschine ihr eigen nennen durften (wobei letzteres zugegebenermaßen sogar etwas brachte).

    Jetzt sind viele so weit runter, so verzweifelt, dass sie sich vorsätzlich Allergien anzüchten, Metallpfrieme noch durch die empfindlichsten Körperteile treiben, sich den Schädel anbohren, nur um irgendwie irgendwas zu sein.

    Ich meine, die Sache ist – wie in meinem neuen Artikel “Spinndoktoren am Ende” ausgeführt – kurz vor dem Kippen.

    Viel bleibt den Leuten nicht mehr.

    Es mag noch eine Autokastratenbewegung aufkommen, wie im Russland des 19. Jahrhunderts und bei Dan Brown, aber das wird nicht lange halten.

    Ich habe jedenfalls noch keinen kennengerlernt, der sich selber mit dem Dremel in aller Seelenruhe das Hirn aus dem Schädel gefräst hätte.

    Vielleicht kommt auch noch das Chakrenselbstabstechen mit dem echten Solinger Dreizackmesser in Mode.

    Wer weiß.

    Viel geht aber nicht mehr.

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