Pflegt das Wort! (II)

Auf dem gestrigen zeitgeist-Regionaltreff wurde ich auch gefragt, anhand welcher Kriterien man denn seriöse Netzseiten von den anderen unterscheiden könne.

Außer allgemeiner Logik und Prüfung der Quellen empfahl ich hierzu die sprachliche Prüfung.

Hat jemand nicht die Gabe höherer Eloquenz, so macht das nichts, wenn ein Inhalt von Gewicht trotzdem verständlich rüberkommt.

Der Witz sitzt.

Es macht auch nichts, wenn der Dativ mal da kommt, wo der Genitiv angesagt wäre.

Auch angelegentliche Rechtschreibfehler sind kein zwingendes Kriterium.

Wenn man aber merkt, dass der Autor vorsätzlich keinerlei acht auf solche und andere Dinge gibt, spätestens dann sollte man stutzig werden.

Dies bedeutet nämlich, dass er seine Leser für blöde hält, oder selber völlig wurstig, oder grade damit zu verhohnepiepeln, wenn nicht gar verarschen sich anheischig macht.

Und man kann sehr wohl merken, ob die Sache mangelnder Bildung geschuldet ist, oder ob Absicht dahintersteckt.

Das ist nur eine Frage der Übung.

Ich bin ein leidenschaftlicher Verfechter der Textverfassung, bei der sich der Autor mitunter einen Teufel darum schert, wer gleich oder überhaupt versteht, was geschrieben.

Aber nicht jener, die den Leser schlampig anrotzt.

Das sind zwei völlig verschiedene Paare Stiefel.

Man kann nicht alles für jeden schreiben.

Vieles kann man gar nicht “für den Leser” schreiben.

Also ergibt zumal keinen Sinn, dass man “immer an den Leser denkt”.

Alsomit ergibt Sinn, dass man eben gerade nicht nur das schreibt, was dieser sowieso gerne lesen will und ihm runtergeht wie Öl.

Andernfalls kann man es gleich lassen oder bei den Schafsmedien anheuern, wo so eine Denke und deren Folgehandlung gut bezahlt wird.

Noch.

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2 Antworten zu “Pflegt das Wort! (II)”

  1. Dude sagt:

    Lieber Magnus

    Also wenn man deinen Rat hier zum Unterscheiden nutzt, um deine eigenen Texte zu prüfen, kommt man nicht umhin, sich deine präzisen, genialen, tiefgründigen und oft sehr amüsanten Formulierungen und ebenso die Wortwahl, auf der Zunge zergehen zu lassen.

    Sage meinen Dank dafür. Es ist immer wieder eine Freude!

    Lieber Gruss und weiter so! :-)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Dude

    Diese großzügigst bemessene Freundlichkeit von Deiner Seite einzuheimsen, war zwar nicht der geplante Zweck der Übung; sie wird aber natürlich trotzdem dankbar entgegengenommen.

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