Söhne ohne Gnade

Dass es, wenn ich im Jenseits gelandet, ein Regime eines Tyrannen geben könne, der tatsächlich keine Nudeln mehr buckelnd aufträgt, wenn nicht wenigstens einen halben Spaghetto lang aufgeräumt wird, hat meine Buben nur ganz kurzfristig auf die Probe gestellt.

Trotz apokalyptischen Gesichtsverzugs meinerseits, befleißigten sie sich alsbald wieder mehr des wechselseitigen Piesackens und Zankens, denn dass sie die Drohung ernstgenommen hätten und noch wenigstens einen Stinkesportschuh etwas entfernt.

Diese Satansbrut glaubt mir kein Wort.

Nicht einmal, dass ich bald unansehnlich langsam verenden werde, wenigstens in irgendeinem Irrenhaus landen, wofern sie meiner nicht gleich hundertjährigen Geckos gegenüber einem gemeinen Laufkäfer hohnzulachen einzustellen bereit.

Diese schrägen Typen sagen sich einfach: Papa ist schon so oft durchgedreht, hat gefuchtelt, wie als ob er selber der Leibhaftige wäre, und am Ende war er bloß so am Ende wie immer, also keineswegs ernstzunehmen.

Der Alte krepiert eh frühestens, wenn alles vorbei ist, der markiert schon immer, weswegen wir uns darüber keine Gedanken machen müssen.

Außerdem hat er uns von klein auf erzählt, wir seien nicht die anderen: also wieso aufräumen?

Der Alte hält sich für so überlegen und gescheit, dabei ist er in Pädagogik eine glatte Null.

Wenn er noch frecher wird, klauen wir ihm noch die restlichen Unterhosen und Socken.

Der wird noch einmal darum winseln, dass er uns frische Bolognesesauce kochen darf.

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8 Antworten zu “Söhne ohne Gnade”

  1. Lesezeichen sagt:

    :D

    Da hilft nur Gelassenheit.

    Eine Familie im Freundeskreis hat zwei Söhne, die nur ein Jahr auseinander sind. Die beiden haben sich ihre Austest- und Protestphase immer gemeinsam genommen, was bei den Eltern schon mal in eine Art beidseitiges Armdrücken ausarten konnte.

    Folgende Szene morgens zur besten Aufstehzeit. Die Mutter bereitet das Frühstück und mahnt in regelmäßigen Abständen die beiden Herzchen, nennen wir sie Florian und Fabian, immer wieder, doch endlich aufzustehen. Je weiter die Zeit voranrückt, umso lauter wird natürlich ihre Stimme.

    Dann hört sie – nach dem x-ten Rufen – wie im Zimmer der Söhne der kleinere zum größeren sagt: Florian, lass sie noch ein Mal rufen, dann schreit sie los… und dann… stehen wir auf.

    :D

    Eine weitere Geschichte für das Kaminstory-Buch ;)

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Ja, Schimpfen und Brüllen, das ist zweier nah beieinanderligender Söhne Elter hartes Dauerlos.

    Jedenfalls, wenn man nicht also ansatzlos wie hart Maulschellen, Arschtritte, Hausarrest, Computerverbot, Kochstreik und weitere ernstzunehmende Maßnahmen verhängt.

  3. Lesezeichen sagt:

    Männer haben hier aber echte Vorteile. Naturgegeben!

    Die männliche Stimme dringt einfach besser durch, kann sich besser Gehör verschaffen. Bei Frauen klingt es – leider – schnell, wie hysterisches Gekreische, das sowieso keiner ernst nimmt. Ach die, lass die mal plärren.

    So wurde ich schon diverse Male gefragt, ob ich den besten Ehemann von allen mal zu kurzfristigen Erziehungsmaßnahmen verleihen würde. Als Bauingenieur ist er es gewohnt, schon mal seine Stimme so laut werden zu lassen, damit auch wirklich die letzte Maschine übertönt wird und er noch im hintersten Winkel zu hören ist.

    Das wirkt. :D – mehrfach ausgetestet!

    Aber ausgeliehen habe ich ihn trotzdem nicht ;)

    herzlichst

    das Lesezeichen

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Nun, wenn der beste Ehemann von allen eine beste Ehefrau von allen an seiner Seite hat, mag das funzen.

    Die dann stolz vor die Nachbarschaft tritt und erklärt, der Ernst August Hugo habe den Bengeln mal wieder gezeigt, wo Barthel den Most holt.

    Wenn man aber als Alleinerziehender losplärrt wie unter altfränkischen Steinmetzen, wenn der Kran klemmt, der Stapler nicht aus dem Matsch kommt, der Rohblock partout nicht ins Gatter will, der Fäustelstiel bricht und die Flex auf wackeligem Gerüst in 15 Metern Höhe am Kirchturm das Stinken und Rauchen anfängt, was ich lernen zu dürfen das Privilegium hatte, kann das zu mehr als nur hochgezogenen Augenbrauen führen.

    Man hört das nämlich durch Wände und geschlossene Fenster auf der Gasse, so, dass ohne weiteres ein Ungeübter vom Fahrrad fallen oder sich velozipedlos stolpernd längweis wiederfinden kann.

    Da man in diesem Zusammenhang nicht blind und taub auf das altfränkische Bauhörverständnis vertrauen kann, das sich entlang durchdrehenden Kompressoren, bierwütigen Kapos und Meistern, Altgesellen und Junggesellen, die zwischen Tonnengewichten, Ketten, Seilen und Kanthölzern tanzen, entwickelt, muss ich mich leider ein wenig zurückhalten.

  5. Lesezeichen sagt:

    :D :D :D

    Herr Göller, ich musste eben laut lachen. Nur soviel dazu: Sie sind nicht allein. Ich kenne das nur zu gut, obwohl ich nicht allein erziehend war – oder vielleicht halb. Eine Freundin erfand mal für mich den Familienstand: Alleinerziehend mit Mann, was MeinerEiner seinerzeit nicht so lustig fand wie ich.

    Ich kenne das Gefühl sehr genau, dass draußen jeder Vorübergehende denken müsste, ich könnte mit meinen Kindern kein vernünftiges Wort wechseln oder würde sie schlimmstenfalls sogar misshandeln. Und das, obwohl ich nie handgreiflich wurde. Das ist etwas, was ich einfach nicht kann. Nicht, dass es da an möglichen Anlässen gefehlt hätte. Kinder können einen schon zur Weißglut bringen und sie wissen das auch. Nein, ich kann bzw. konnte das einfach nicht. Lieber hab ich erst einmal für 10 Minuten das Zimmer verlassen, tief Luft geholt und dann einen neuen Versuch in der Höhle des Löwen gestartet. Meistens ging es dann auch irgendwie.

    Aber ich gebe zu, dass ich es bei den wenigen Anlässen z.B. an Wochenenden genossen habe, mal nicht diejenige zu sein, die nun sofort reagieren, handeln, losdonnern muss. Ich hab dann auch mal gern das Feld geräumt :D – ich geb’s ja zu.

    Das können Kinder. Sie bringen einen auf den höchsten Baum und trotzdem liebt man sie wie nichts anderes auf der Welt.

    Schmunzelgrüße ;)

    vom Lesezeichen

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    “A Briiied har!”

    “Wos?”

    “Dou nü!”

    “Braugst erst a Schelle?”

    “I gab dir enne mitn Kantholz, Messter!”

    “Fäustel rü!”

    “Roflex, neisetz, eispeis, verfuch, fertig”.

    “Fuchnäss nit vergass!”

    Viele Dezibel, kein Gelaber, klare Anweisungen, und wehe man ist der jüngste Stift…

  7. 18 sagt:

    Selten so gelacht. Wirklich nett von Deinen Jungs, Dich zum Schreiben eines derart erfrischend witzigen Lamentos zu inspirieren. Weltklasse. Vielen Dank für´s Heben meiner Stimmung!

  8. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ 18

    Es ist wohl eine der besseren meiner Seiten, dass ich immer wieder versuche, aus meinen hilflosen Begegnungen mit dem wirklichen Leben Freud für andere aufzubilden.

    Immer, wenn das klappt, fühle ich mich selber schon etwas weniger wie ein abgerissener, ausgelaugter, halbverdürsteter Windmühlenflügelkämpfer in den letzten sinnlosen Zügen.

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