Neues vom Silberschakal

Dieser sagenhaft freche Silberschakal treibt es so toll, dass ich Ihnen den Spaß nicht vorenthalten will, ein paar seiner Aussagen aus seinem virtuellen Frage-und-Antwort-Spiel herauszuziehen.

“The dollar has declined 90% since 2001 and silver has gone from $4.75 an ounce to $41.00 at the time this article was written.”

(Der Dollar ist seit 2001 um 90% gefallen, und Silber ging von 4,75 $ auf 41,00 $ bei Erstellung dieses Artikels.)

Nun, guter Mann, wenn der Dollar in diesem Zeitraum um 90% gefallen wäre, dann gingen inzwischen alle Amis in Lumpen. Oder meint er den Dollar in Silber gerechnet? Dann aber wieso “UND”?

Und wenn der Dollar gemessen an anderen Bezugsgrößen wie z. B. Schweinehälften um 90% gefallen wäre, dann hätte Silber ja grade mal seinen Realwert gehalten, wäre also gar kein so geniales Investment gewesen…

“Q. What are you forecasting for the future?

A. $50-60 dollars per ounce of silver by June, 100 dollars plus an ounce by mid summer and at least 10 times that by this coming Fall. At this point, I think $1,000 per ounce by the Fall is very conservative.”

(F. Was sagen Sie für die Zukunft voraus?

A. 50-60 Dollar je Unze bis Juni, über 100 Dollar bis zur Mitte des Sommers und wenigstens zehnmal so viel im kommenden Herbst. An diesem Punkt meine ich, dass 1000 $ je Unze sehr konservativ angesetzt ist.)

Mein lieber Schieber.

Gut, wenn der Dollar bis dahin in Hyperinflation versinkt, so dass er gar keine Bezugsgröße mehr darstellt…

Aber was ist dann mit den Schweinehälften?

Doch der echte Seppelabschakalshammer ist seine Begründung, was den Preis hochtreibe:

“Q. What is driving the price up?

A. Silver is a precious metal, right behind gold in availability and scarcity. It is also the best conducter there is, with numerous manufacturing applications including cell phones, computers, medical, and even solar panels. Its simple supply and demand.”

(F. Was treibt den Preis hoch?

A. Silber ist ein wertvolles Metall, direkt hinter Gold in Verfügbarkeit und Seltenheit. Es ist auch der beste Leiter den es gibt, mit zahlreichen Herstellungsanwendungen, einschließlich Mobiltelefonen, Computern, medizinischen, selbst in Solarpaneelen. Es ist einfach Angebot und Nachfrage.)

Ohmannoman!

Silber ist zwar das leitfähigste Metall, aber nicht allzu viel leitfähiger als das viel billigere Kupfer. Und ein paar technische Anwendungen gibt es auch, ja. (Die technische Nachfrage ist meines Wissens auch nicht entscheidend angestiegen in den letzten Jahren.)

Aber ansonsten: Hat dieser Obermetallurge schonmal was von Osmium, Iridium, Palladium, Rhodium…(ich habe jetzt gar nicht alle aufgezählt), wenigstens mal Platin gehört?

Die alle viel seltener sind, technisch relevant und daher um ein Vielfaches teurer?

So ein Schmodder.

Und was ist mit diversen seltenen Erden, technisch sehr gefragt (Handys etc.!), die trefflicherweise so genannt werden, weil man sie kaum beikriegt (gibt es fast nur in China in Mengen, dass die Gewinnung bisher einigermaßen vernünftig darstellbar)?

Wie kommt dieser “Experte” mit einem derartigen Granatenbockmist durch?

Naja, auf seiner Seite wimmelt es nur so vor – Sie haben es erraten – Gold- und Silberangeboten.

Ansonsten widmet sich dieser dreiste Scharlatan ebenso heroisch und selbstlos dem Sturze der “Illuminati”, dieser bekanntlich abgefeimtesten und gierigsten aller Lügner und Desinformanten…

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7 Antworten zu “Neues vom Silberschakal”

  1. Lesezeichen sagt:

    Herr Göller, so funktioniert eben die Preistreiberei.

    Die gleichen Leute, die lauthals gegen die Spekulationsblase der jüngsten Finanzkrise gewettert haben, treiben nun das gleiche Spiel mit den Edelmetallen. Nur hier sind sie jetzt die good guys, die Retter des Geldes.

    Heute Morgen in den google news:

    http://news.google.de/news/story?pz=1&cf=all&ned=de&cf=all&ncl=dCiszcd7L8NoXyMVG06mFI_J2sbIM

    282 Artikel nur über die Angst vor der Inflation und die steigenden Gold- und Silberpreise. Na, wenn das mal keine Bewegung ist.

    So funktioniert das mit der sogenannten Wertsteigerung IMMER. Sie entsteht und gedeiht ausschließlich durch gezieltes Streuen von Gerüchten – übrigens auch auf ef im regelmäßigen Marktkommentar.

    Faszinierend ;)

    das Lesezeichen

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Klar.

    Aber dieser Metallfritze ist schon extraklasse.

    Man fragt sich wirklich, wer sich so einen Blödsinn erzählen lässt, Silber sei das rarste Element nach Gold.

    Gold ist der Regel ja nicht einmal das teuerste (und selbst bei weitem schon nicht das rarste).

    Teuerer (zumal rarer, technisch begehrter) sind Rhodium oder Platin oder…so genau müssen wir das jetzt gar nicht wissen.

    Und “eigentümlich frei”, naja, sagen wir mal, war schonmal besser.

  3. Lesezeichen sagt:

    Herr Göller, das ist eindeutig der Nachteil des Internets.

    Sie bekommen eine Flut von Information aber keine Klassifizierung in gut und schlecht bzw. wahr und unwahr. Selbst die Aktualität ist nicht gewährleistet.

    Deswegen kann für mich das Internet nur eine von mehreren Möglichkeiten der Information sein und steht hinter den klassischen Quellen (Bücher, Lexika, Enzyklopädien etc…) ganz klar in dritter oder vierter Linie.

    Auch wikipedia, was mal als wachsendes Infoportal gedacht war, ist völlig ungeeignet, weil jeder etwas hineinschreiben kann.

    Man schlägt ja auch nichts mehr nach, man googlet. So witzig das einerseits klingt, so erschreckend ist es auch, denn bei Suchmaschinen bin ich abhängig davon, was sie mir auswerfen.

    Ja, und jemand der vor einer Inflation Angst hat, wird einem solchen Artikel eher Glauben schenken, sei er auch noch so unsinnig.

    Sehr empfehlenswert dazu das Buch von Schirrmacher “Payback”.

    herzlichst

    das Lesezeichen

  4. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Völlig richtig.

    Aber im Falle dieses Lumpen muss doch jeder Viertelsgebildete und halb Denkfähige, der wenigstens mal was von Platin gehört hat, merken, dass da kompletter Unfug verzapft wird.

    Manchmal will man es schier nicht glauben – wüsste man’s nicht, man täte es auch kaum – , wie beknackt wie viele Leute sind.

    Denen hilft das Netz dann auch nicht auf.

    Im Gegenteil: Sie verblöden dort noch mehr.

    Immerhin bleibt mir, da ich das Medium ja auch nutze und gar dort meine Texte einstelle, der Trost, dass es wohl nicht viele solcher Schwachmaten lange auf meiner Seite aushalten dürften.

    (Ich weiß eine Seite, die ist dümmer, als die Polizei normalerweise erlaubte, steht aber auf der “richtigen” Seite und hat um 50 000 Zugriffe pro Tag. Na denn.)

  5. Adi Hadi sagt:

    Nun ja, Jeder darf nun mal seinen Senf im Netz feilbieten, aber lassen wir mal die Kirche im Dorf und widmen wir uns mal der industriellen Nachfrage nach Silber, und da ist tatsächlich einiges im Gange. Besonders scharf auf Silber sind, um nur einige Anwendungsgebiete beim Namen zu nennen, mit steigender Tendenz die Batterie- und Solartechnik, die Medizintechnik und die Textilindustrie (Silber hat eine starke antibakterielle Wirkung), und, man höre und staune, die Rüstungsindustrie. Jeder BGM-109 Tomahawk Marschflugkörper, den die friedliebenden US Amerikaner gleich weit mehr als hundert Mal auf Libyen haben herabregnen lassen, enthält ca. 15 KG Silber, die sich selbstverständlich bei Einschlag, zum Schutz der Libyschen Bevölkerung, vaporisieren. Das macht das Recycling von Silber in dieser Branche nicht gerade einfach und ist zweifelsohne Preistreibend.

  6. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Adi Hadi

    Danke für diese Informationen.

    Da Silber sich nun aber im Preis seit 2001 mehr als verachtfacht hat, ist es schon die Frage, was da derartig den Preis treibt.

    Ich würde mich freuen, wenn Du hier Genaueres zu den technischen Silberperspektiven einstelltest – die natürlich auch umso bescheidener werden, je teurer das Metall.

    (Hundert Tomahawks, was schon eine ganze Menge ist, verbrieten also 1,5 Tonnen. Das wäre dann – derzeitiger Preis aufgerundet – Silber für 1,5 Millionen Euronen. Nicht eben viel.)

  7. Adi Hadi sagt:

    Genaueres zu den technischen Silberperspektiven

    Die +160 Tomahawks, sind natürlich nur die verballerten Raketen zu denen man noch die bereits hergestellten und auf ihre Vernichtung wartenden Tomahawks hinzu zählen muss. Ferner kommt praktisch kein modernes Waffensystem ohne Silber aus. Der Silberanteil in einer Tomahawk lässt ungefähr erahnen, wieviel Silber in die Rüstungsproduktion fließt. Weitere Anwendungsgebiete lassen sich diesem Dokument, das zwar nicht mehr ganz aktuell ist, aber zumindest einen breiteren Einblick gewährt, entnehmen. „Overwiev of the silver market“:
    http://www.lbma.org.uk/assets/crossjess.pdf .

    Die technischen Silberperspektiven, auf seine monetäre Funktion möchte ich hier und jetzt nicht eingehen, ergeben sich aus den besonderen Eigenschaften von Silber. Das Metall Silber ist das weißeste, mit der höchsten uns bekannten optischen Reflexion und der höchsten thermalen- und elektrischen Leitfähigkeit. Darüber hinaus hat Silber eine stark antibiotische Wirkung. Diese Eigenschaft des Silbers findet erst langsam Einzug in die Medizintechnik und Hygiene. (Kollodiales Silber, Silber Socken etc.)

    Silber kommt, soweit wir fehlbaren Menschen wissen, nur in der obersten Erdkruste vor. Je tiefer man bohrt, umso weniger Silber findet man. Silber wird im Wesentlichen als Nebenprodukt gefördert. Förderkosten sind daher schwierig zu kalkulieren. Silber kommt etwa 16 Mal häufiger auf diesem Planeten vor als Gold. Vermutlich aus diesem Grund war das historische Preisverhältnis zwischen Silber und Gold 16:1. Sein Extrem fand dieses Verhältnis während der Crash Phase Ende 2008 mit 80:1. Seitdem hat eine Trendumkehr stattgefunden und ad hoc haben wir ein Verhältnis von 36:1.

    Da Silber nur in sehr kleinen Mengen, dafür aber millionenfach, verbaut wird, ist ein Recycling bei den heutigen Preisen unwirtschaftlich. Da die abbaubaren Silbervorräte ständig (ca. 24.000 Tonnen p.A.) abnehmen, werden wir vermutlich in ca. 15 bis 20 Jahren kein abbaubaren Silber mehr vorfinden. Man kann Silber heute schon mit recht zu den seltenen Metallen zählen.

    Weitere Details entnehmen Sie bitte diesem Dokument: http://minerals.usgs.gov/minerals/pubs/commodity/silver/

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