Gold und Silber: Der mystisch-emotionale Faktor

Im Vorgängerartikel (“Gold und Silber: Gigantischer Schwindel?”) ging ich noch nicht darauf ein, wie der Gold- und Silberhype auch auf quasireligiöser Ebene befeuert wird/ist.

Die beiden Metalle sind eben auch Symbole für das Unzerstörbare, Ewige, sich stets schenkende Göttliche.

Oder, im New-Age-Sprech, sie sind überaus “Mem”-beladen, selbstverständlich erst recht in Zeiten individueller wie kollektiver Unsicherheit.

Weiß man solches bewusst zu nutzen, so hat man viele manipulativ bequem im Sack.

Dies lässt sich am leichtesten daranentlang erkennen, wie emotionsgeladen viele Edelmetallgläubige reagieren, wenn man ihre Religion infrage stellt.

Obschon sie einen doch als Dummerjahn belächeln könnten, greifen nicht wenige den Zweifler an, wie als ob es sich um einen Ketzer handele. (Nun gut, ein Stück Ratio mag schon dahinterstecken, denn sie müssen ja Interesse daran haben, dass man auch Gold oder Silber kauft, damit ihre Bestände im Werte steigen…).

Dabei, um ein biblisches Bild zu bemühen, sind doch sie es, die gewissermaßen ums Goldene Kalb tanzen.

Auf der “spirituellen” Metaebene wirkt es oft, als wähnten sie, mit dem Besitz von Metall ein Stück von Gott selbst zu besitzen, sozusagen einen unzerstörbaren Anteil am Numinosen.

Oder, was sich nicht viel schenkt, dem Allmächtigen wenigstens näher zu sein, als der Simpel, der auf Aktien, Immobilien oder festverzinsliche Papiere setzt.

Oft auch noch mit dem vorgeschobenen Argument, auf die Stoffe ihrer Wahl gäbe es ja keine Zinsen, man mache sich also die Hände nicht schmutzig, indem man von der Leistung anderer schnöde profitiere.

Dabei hoffen sie dann ganz keusch, lieb und demütig eben doch auf ihre reale Wertsteigerung, also, dass sie selbst ebenfalls nichts dafür tun müssen, reicher zu werden.

Dass sich unter diesem gedanklichen Dache nicht wenige tummeln, die ihren Christusglauben vor sich hertragen, als mache der für sich alleine schon “gut”, feie vor Armageddon und Sonstnochwas, vermag in diesem Zusammenhang nicht zu verwundern.

Sodann tritt natürlich noch die Komponente hinzu, dass keiner sich gerne eingestehen will, er sei vielleicht ein bisschen leichtgläubig, habe sich wegführen lassen wie ein Schaf vom Gelben Gotte.

Also das (mehr oder weniger blinde und tumbe) Beharren auf einem einmal eingeschlagenen Wege als dem richtigen.

Dies verbunden mit den “Memen” (stammt das Wort etwa von “Memmen” ab? – na gut, das ist jetzt eine etwas boshaft gestrickte Volksetymologie, zurückgezogen), sich selbst für klug und dabei noch edel halten zu dürfen.

Eine Klaviatur insgesamt, auf der sich virtuos spielen lässt.

Aber wahrscheinlich phantasiere ich nur, und nichts vom oben Beschriebenen existiert.

Damit wird ein ungläubiger Thomas, vielmehr Magnus, denn wohl vom Höchsten gestraft.

Wie als ob er hinterm halbverdursteten Kamel in der Wüste Arabiens vor sich hindelirierte.

Mit dem Unterschied natürlich, dass die dortigen Deliranten Heilige sind und ich ein übeler deutscher Bierseppel, Ungläubiger und Ketzer.

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4 Antworten zu “Gold und Silber: Der mystisch-emotionale Faktor”

  1. Lesezeichen sagt:

    Volle Zustimmung, Herr Göller.

    Meiner Meinung nach handelt es sich nicht nur um einen Glaubensakt.

    Hier sind die gleichen Spekulationskräfte und -mechanismen aktiv, wie sie bei jeder anderen Blase zu beobachten sind. Ein großer Teil “Investoren” kauft etwas, bestimmte Papiere, Rohstoffe oder andere Werte. Als nächstes wird mit entsprechend geschickt lancierten Gerüchten der Wert künstlich in die Höhe gepuscht. Da man Edelmetallen unterstellt, dass sie auch bei Krisen zumindest ihren relativen Wert behalten, lässt sich mit Ängsten, wie sie aktuell nun mal selbst beim kleinsten Otto Normal vorhanden sind, sehr gut spekulativ arbeiten. Man braucht keine großen Krafteinsätze, um diese Hebelmechanismen in Bewegung zu setzen. Jeder, der auf diesen fahrenden Zug aufspringt, bringt den Hauptinvestoren gutes Geld, denn der Kurs treibt unaufhaltsam nach oben.

    Jeder, der also berechtigt über die jüngste Immobilienblase schimpft, sollte mit gleicher Verachtung über die Edelmetallblase schimpfen, denn sie unterliegt den gleichen Gesetzen.

    Es gibt keine reale Wertsteigerung von selbst. Es gibt eine hinzugefügte, z.B. durch Verbesserung eines Zustandes, durch Erneuerung etc. Jede sonstige sogenannte Wertsteigerung hat einen spekulativen Ursprung. Das ist quasi ein Naturgesetz.

    Gleiches gilt übrigens für Zinssätze:

    Es gibt einen rein menschlichen Wesenszug, der da heißt: Niemand zahlt mehr, als er muss. Wenn er es dann doch tut, dann muss er, z.B. um ein Risiko abzudecken.

    Jedes Land hat seinen Durchschnittszins für bestimmte Anlageformen. Das mag da oder dort mal um ein Viertelprozent schwanken, aber die grobe Richtung stimmt. Bietet jemand deutlich mehr, ist die Differenz immer Risikoabdeckung. Ausnahmslos. Deshalb sollte jeder bei Superzinsen sofort hellhörig werden, denn niemand zahlt freiwillig mehr als er muss. Also lohnt hier die Nachfrage immer und bei so manchem “Berater” stellt sich dann heraus, dass nur der Anzug, den er trägt, von guter Qualität war. Manchmal sogar nicht mal das.

    Sonnige Grüße vom Lesezeichen :)))

  2. Magnus Wolf Göller sagt:

    @ Lesezeichen

    Wenn Sie mir als standhafte Christin und gleichzeitig – auch naturwissenschaftlich – gebildete Frau, der Ratio ob Ihres Glaubens gleichwohl nicht abgeneigt, hier zustimmen, freut mich das natürlich sehr.

    Das gleicht für mich einem Ritterschlag.

    Ebensolche Grüße!

  3. helibenB sagt:

    Gold isst man nicht!

    ja klar, und Lotto(-spielen) macht Millionäre …
    bei einer Gewinnchance (Jackpot) von 1 zu 140 Millionen – Hauptsache steuerfrei!
    Schlafschafe glauben alles, sind sogar glücklich & spielsüchtig während der Schur.
    Die Schafe könnten genauso gut ihre Euros in’s Klo hauen- es würde keinen Unterschied machen: die würden’s wenigstens nochmal klimpern hören beim Abdrücken.
    Eine Hammelherde halt.
    Das Volk weiss doch noch gar nichts von der Silberstory.
    Dazu “muss” es (auch dass mit dem Golde nach dem doch alles drängt – frei nach Goethe!) doch erst in der BLÖD-und-ähnlichen-Zeitungen stehen.
    Als Weckruf sozusagen.
    In Großbuchstaben damit es jedes Rindvieh kapiert, natürlich exakt 5 vor Zwölf Uhr: KAUFEN KAUFEN KAUFEN! So wie bei der Dot-com-Blase Ende der 90er!
    Das schöne daran ist doch, das ich beispielsweise eine BILDZeitung einfach nur als einen Kontraindikator unter vielen begreifen muss, um dann abzuwägen, wann es Zeit wäre um z.B. Südafrikanische Minenaktien o. ä. abzustoßen.
    Ich sehe die Artikel und Kommentare dieser Website hier als Anregung sowie Aufforderung, mich weiterhin antizyklisch gegen den mainstream zu stellen; und zwar mit ausgesuchten Steinkohleminen, Gold/Silberminen und Uranerzminen als taktische Anlagen. Physisches AnlageSilber-und Gold als strategische Beimischung, auf Sicht gefahren, sollten sich für die nächsten Jahre als goldrichtig herausstellen.
    Papiergeld sowie Bauspar- und Lebensversicherungspolicen sollen doch bitteschön die anderen verspeisen, -ich nicht!

    Ich verbleibe hiermit,
    Grüße aus Berlin Süd-West, Andreas (helibenB.

  4. Chris sagt:

    an den Verfasser…
    in was lohnt es sich dann deiner Meinung nach zu investieren ?!

    in alles oder ausser halt Edelmetalle…

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