Steinmeiers Magic Bus

Steinmeier hat sich bewegt.

Noch vor ein paar Tagen hatte er es als kontraproduktiv bezeichnet, ein konkretes Abzugsdatum für Afghanistan zu nennen, selbst das von Altkanzler Schröder ins Spiel gebrachte Datum 2015 galt in der SPD als zu ehrgeizig – also mindestens noch fünf Jahre Krieg als zuwenig.

Jetzt nennt Steinmeier selbst 2013 als Ziel. Dies ist einigermaßen erstaunlich, denn bisher war man immer von noch mindestens 10 Jahren Mitsterben am Hindukusch ausgegangen; es ist aber wiederum auch nicht so erstaunlich, denn in zwei Wochen ist Bundestagswahl, und danach kann sich die Sache einfach mal wieder schwieriger gestalten, als man zuvor gedacht hätte, also alles ganz normal.

Allerdings ist Steinmeier auch kein politischer Anfänger: Er weiß höchstwahrscheinlich sehr genau, dass sich hier eine Debatte mit Eigendynamik entwickeln kann, er ein großes Fass aufgemacht hat, auf welches der Deckel schwerlich wieder aufzuschrauben sein wird.

Aber er wird die Grünen mit seiner Forderung in Bedrängnis bringen können; auf deren Reaktion dürfen wir gespannt sein; ebenso wird es für Merkel schwierig, denn Unionsanhänger lehnen den Krieg fast genauso überwiegend ab wie der Rest der Bevölkerung.

Vor allem hat Steinmeier aber das Schweigekartell der Kriegsparteien, dieses wichtige Thema einfach aus dem Wahlkampf herauszuhalten, jetzt aufgebrochen, von dem es noch vor wenigen Wochen so aussah, als werde es eisern halten.

Sicherlich werden viele in den anderen Kriegsparteien (auch in der SPD ist offenkundig nicht jeder begeistert über den Vorstoß) jetzt stinksauer auf den SPD-Kapo sein; wobei das Problem allerdings darin besteht, dass es so kurz vor der Wahl einem Spiel mit dem Feuer gleichen dürfte, Steinmeier jetzt offen Verrat vorzuwerfen, er habe die Vereinbarung, um jeden Preis gemeinsam für den Krieg und damit gegen das Volk zu stehen, hinterlistig, als unverantwortlicher “billiger Populist” nur zwecks Stimmenfang aufgekündigt.

Jetzt könnte sich für die anderen Kriegsparteien umso mehr rächen, dass sie, alle bislang mit immerhin vergleichsweise guten (Union) bis gar sehr guten (FDP, Grüne) Umfrageergebnissen, einen Wahlkampf ohne reale Themen und Inhalte geführt haben (das Versprechen von Steuersenkungen war von Anfang an so lächerlich, dass Union und FDP nicht einmal mehr dieses allzu laut herausbläkten).

Ich mochte es nie ganz ausschließen, aber jetzt hat Steinmeier seine Chancen, Angela Merkel zum Kofferpacken zu schicken, möglicherweise entscheidend verbessert.

Wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht, wird man sich bei den Grünen dreimal überlegen, wohin die Reise geht; auch die FDP könnte umfallen und sich mit den Grünen bei Steinmeier doch wohler fühlen (“Wir retten Deutschland, indem wir eine linke Volksfront verhindern…”): denn schließlich bleibt ja noch die rot-rot-grüne Option.

Sollte Steinmeier der Linken in Koalitionsverhandlungen nämlich einen relativ kurzfristigen Ausstiegsplan bezüglich Afghanistans anbieten, so könnte diese ohne Gesichtsverlust von ihrer Maximalforderung eines sofortigen Abzuges Abstand nehmen und die Beendigung der deutschen Kriegsbeteiligung sich trotzdem mit einigem Recht und stolzgeschwellter Brust auf die Fahnen schreiben.

Dann noch ein bisschen Ökozeugs für die Grünen, einen gesetzlichen Mindestlohn, ein paar Doktorspielchen an Hartz und Rente, ein paar Milliönchen für Homos und Gender-Verblödung, und alle sind’s erstmal zufrieden; und Merkel und Westerwelle sehen auf einmal aus, als habe sie ein solargetriebener rosafarbener Magic Bus voller johlender schwerstbekiffter Peaceniks kurzerhand aus dem Hinterhalt kreuzweise überfahren, Steini am Steuer.

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