Verdurrst!

Normalerweise hielte ich ja meinen Mund, wie das so das Meine ist.

Aber da der bisher weitgehend hinterkulissige Schmusekurs zwischen Teilen der Linken und Rechten (Konservativen) sich nunmehr in einer gemeinsamen Wahlveranstaltung von Peter Gauweiler (CSU) und Oskar Lafontaine (Die Linke) auf dem heiligen Münchener Nockherberg höchstselbst mitsamt seinen Leuchttürmen öffentlich manifestiert hat, begehe ich weder an anständigen Linken noch an anständigen Rechten einen Verrat, wenn ich jetzt doch etwas dazu sage.

Zunächst einmal sehe ich diese Entwicklung als sehr zu begrüßen. Einige Hundert Linke haben in München mit einigen hundert CSU-Leuten zusammen einige hundert Maß Bier getrunken, ohne dass es auch nur verbal zu größeren Entgleisungen gekommen sein soll.

Das ist ein Anfang im Erkenntnisaufbruch vieler Menschen, dass konservativ auch sozial bedeute und sozial auch konservativ.

Solches alte neue Denken wird von der sogenannten “Mitte” der Parteienlandschaft natürlich argwöhnisch beäugt, denn diese hat ja genau bezüglich wichtiger politischer Punkte so verschworen gegen das Volk zu agieren, dass Linke und Rechte in Teilen ähnliche Sichtweisen entwickeln, dass durch die Ausgrenzung der Vernunft und des Volkes, welche Rechte und Linke gleichermaßen sehen, erst die Voraussetzung für Berührungspunkte zwischen Linken und Rechten geschaffen wird.

Welche Gemeinsamkeiten finden die gepiercte Sozialpädgogikstudentin und der rotgesichtige Großmetzger?

Nun, zunächst einmal hat keiner für die Langfinger der Wallstreet etwas übrig. Den Krieg will man auch nicht. Irgendwie, findet auch der dicke Mann, sollte es etwas sozialer zugehen. Der menschliche Zusammenhalt müsse wieder gestärkt werden. Gemeinsame Jugendzeltlager sind wichtig. Eine stetige Bierversorgung ist extrem gemeinwichtig. Man sollte hinpinkeln können, wo man will, solange sich niemand dran stört. Und wenn man Fete macht, dann macht man Fete. Man weiß auch, warum man lieber Lederhose trägt, wenn’s auf der Alm oder im Schanzenviertel plötzlich schüttet wie aus Kannen. Und beim Fensterln macht so ein Frauenversteher-Studienassesor aus Bielefeld dem Hörndl Schorsch aus Balderschwang auch nicht so leicht was vor.

Und die paar Erz-Antifas, die nicht in Bayern das Biertrinken gelernt haben, sondern ihre Szene-Erfahrung aus Kreuzberg ins Feld führen, man solle die fetten Pfeffersäcke wenigstens unter den Tisch saufen, wenn man sie jetzt schon grade nicht verprügeln oder wenigstens mit Flaschen bewerfen oder auslachen und anspucken dürfe, werden von verständigen bayerischen Antifas – bleib cool ey! – vom Trip runtergebracht unter dem dringenden und schließlich überzeugenden Hinweis, dass niemand außer den Herren von der CSU selbst die Herren von der CSU unter den Tisch trinken könne. Das sei deren Los.

Ob und wie oft es in München allerdings schon zur Großen Fraternisierung gekommen ist, werden wir frühestens in einigen Monaten einigermaßen verlässlich wissen.

Augenblick…

Gerade kommt ein Ebrief eines für gewöhnlich gut informierten bayerischen Freundes herein, den ich exklusiv…

Ahja, da, er schreibt: “tatata…einflussreiche Kreise in der CSU rätseln in Klausur, ob die Partei nicht nach der Wahl den Befreiungsschlag hin zu einer bundesweiten Gruppierung führen müsse, als eine nationale, soziale, konservative, ökologisch sensible Partei für Familien, Aufsteiger und Looser.”

Naja, ein anderer Freund pflegte zu sagen, in Bayern fange der Balkan an. Er nahm Franken und Schwaben dabei weitgehend aus und meinte, man merke es ein Stück südlich von Nürnberg und östlich von Augsburg ganz genau, wie die Durchstecherei schlagartig zunähme. Alles sei in und um München eine einzige Ochsenseppelei von lauter Spezln und den Spezln von den Spezln, so dass man Mitteleuropa dort eindeutig Richtung Südosten verlassen habe.

Wenn er ein Gran Recht hat, dann ist München, die Hauptstadt der autonomen nordwestbalkanischen bajuvarischen Gebiete unter deutscher Verwaltung, schon wieder Ausgangspunkt einer massiven antipreußischen, antiberlinischen Verschwörung; ein geheimer Kalender aus dem 16. Jahrhundert ist aufgetaucht und elektrisiert alle Logen und Biertische von den Spezln, alsda über München steht geschrieben: “/kompt ein koenigin aus ostseelant/ muoss die statt versynken/ wann nicht burgers lugenband/ macht balt das sie ertrynken/”

Wir müssen sie drum verstehen, die Münchener, die “Bavarische Apokalypse”, wie die Prophezeihung von Eingeweihten genannt wird, ist mit dem bisschen Moses, Jesus, Mohammed oder Buddha nicht zu vergleichen, das dem illuminierten Bayern sonst so über den Bierdeckelweg läuft, nicht zu vergleichen. Man handelt aus Notwehr, denn wenn München untergeht “/dan brathet und verdurrst/ die gantz Welt/”.

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