Steinschröder

Vorher hörte ich einen Auszug der Rede des Außenministers und SPD-Kanzlerkandidaten Steinmeier auf dem Parteitag der Sozialdemokraten im Berliner Estrel-Hotel.

Er hörte sich an, als habe er sich vorher absichtlich 30 Marlboros und sechs fünfundvierzigprozentige (D)Rachentöter reingezogen, um so proletarisch-entschlossen zu klingen wie weiland sein Mentor Schröder.

Er versuchte sich aufzuschrödern, und außer dass die letzte Silbe, die ich vernahm, deutlich zu weich wurde (was dem Gerd eher nicht passierte), schröderte er schon gar nicht so schlecht.

Wenn er brav weiterübt und sich dann noch an meinen Rat hält (was er aber wahrscheinlich nicht tun wird), für den Fall seiner Wahl den Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan zu versprechen, dann reißt er die Sache noch.

Ohne dieses sichere Feldzeichen des Sieges allerdings ist zu bezweifeln, ob es reicht; sein kerniger Name birgt zwar gegenüber “Angela Merkel” fraglos einen Vorteil in verunsicherten Zeiten, aber er muss sich, wie jeder sieht, mühsam antrainieren, was Schröder wohl schon in den Genen und als bitterarmes Halbwaisenkind bereits auf dem Fußballplatz und später am Bau noch dazugelernt hatte.

Aber er hat diesen versierten, erfahrenen Trainer, der immerhin zu einem mörderischen amerikanischen Angriffskrieg nein sagte, den unser Engelchen selbstverständlich auch mitanfangen wollte.

Schröder bewies jedenfalls mehr Humor, zeigte mehr Bauchhirn, mehr Stehvermögen, als die Kanzlerin sich in hundert Jahren anzueignen in der Lage wäre.

Und dem Schwatzel Westerwelle gönnte ich es allemal, wenn er sich unter den Nachfolger Gerd Schröders gestellt sehen müsste.

Ansonsten glaube ich, dass außer ein paar etwas unterschiedlichen Worthülsen zunächst sowieso mehr oder weniger die gleiche Politik gemacht werden wird, egal, welche von den Schafsparteien nach dem 28. September den Kassensturz verkünden und den USA Gefolgschaft schwören darf.

— Anzeigen —


Tags: , , , , , , , ,

Eine Antwort hinterlassen