Das Totschlagwort

Das Totschlagwort heißt heute “Verschwörungstheorie”.

Wenn z.B. ein Hank Paulson sich mit 500 Millionen Dollar von einer Wall-Street-Bank ins amerikanische Finanzministerium verabschiedet, um später dort einen der Hauptkonkurrenten in die Pleite gehen zu lassen, während seine alten Kumpels jedesmal – auch mit Staatsknete – gestärkt aus der Sause herauskommen, und einer einen naheliegenden Zusammenhang auch nur zu vermuten wagt, dann hängt er wohl einer “Verschwörungstheorie” an.

Bald ist es soweit, dass man 2+2=4 als Verschwörungstheorie bezeichnen wird und den allgemeinen gesunden Menschenverstand als ein Konstrukt, das nur solche hervorzubringen vermag.

Demnächst wird wahrscheinlich auch als Verschwörungstheorie gehandelt werden (ich frage mich schon, was die Optionsscheine darauf kosten sowie die Derivate auf jene), wenn eine Hausfrau behauptet, dies oder jenes Brot könne nicht ohne Mehl gebacken worden sein.

Abzocker mit gemeinsamem Interesse müssen sich nicht im Sinne eines Geheimbundes mit Ritus und Schwanzbändel und Blutopfer und ich weiß nicht was noch klassisch “verschwören”, um gegen alle anderen kriminell ihren alleinigen Vorteil zu verfolgen.

Wer das nicht begreifen mag, dem empfehle ich jetzt seine Maustaste zum Ausgange aus dem Artikel hin zu betätigen.

Alle anderen rufe ich zum tätigen Widerstand gegen diese Totschlagsformel auf.

Viele schweigen heutzutage sofort stille, wenn ihnen die Vokabel ohne inhaltliche Erwiderung auf einen Verdacht oder eine logische Konjektur hin einfach so ins Gesicht geschleudert wird; viele sagen schon gleich gar nichts mehr, weil sie bereits wissen, was sie zu befürchten haben, und auch, dass nach dem Wort die meisten Umstehenden mit dem Denken aufhören und eine gewisse Brandmarkung automatisch erfolgreich durchgeführt ist.

Nicht mit mir, meine Herren Dibeliusse & Co KG!

Bekannt ist immerhin, dass einige der in Deutschland aktivsten “Verschwörungstheoretiker” in der NPD direkt vom deutschen Staat bezahlt werden, oder habe ich das mir auch schon wieder als blamblamblam so dahererfunden?

Dass es auch nicht vom Staat gerufene Spinner gibt, weiß ich natürlich ebenso.

Die sind mir aber genauso egal.

Ist denn etwa noch immer blamblamblam, dass mächtige Kreise in den USA den Irak-Krieg um jeden Preis wollten und dafür die ganze Welt, die nicht denken konnte oder wollte, mit allen Mitteln belogen?

Ist denn etwa immer noch blablabla, dass dieselben Kreise systematisch foltern ließen?

Und blblbl, dass die nicht einmal zur Rechenschaft gezogen werden, als hätten sie versehentlich falsch geparkt?

Ist denn immer noch blödblödblöd, der meint, auch deutsche “Sicherheitskreise” hätten davon gewusst?

Ist dies ein “verschwörungstheoretischer” Artikel?

Na denn bitte, Prost Mahlzeit.

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2 Antworten zu “Das Totschlagwort”

  1. Nein, der Artikel ist nicht “verschwörungstheoretisch”, aber aufrührerisch allemal. ;-) Was Verschwörungstheorie ist, hat uns ja Thomas schon in irgendeiner ZeitGeist-Ausgabe schön erklärt.
    Meiner Einnerung nach fallen Fakten und offensichtliche oder logische Dinge, wie z.B. 2+2=4, sicher nicht darunter.
    Die Offenlegung und Aufklärung über all diese Dinge ist mehr als lobenswert und enthält sich hier jeglicher Spinnerei. Danke dafür schonmal.

    Die Fragen die mir allerdings zur Zeit den Kopf bewegen, bei den ganzen Offenlegungen von Lügen, Fälschungen, Angstmachern, Hinterslichtführerereien und Ungestraft-Davonkommern, wie sie ZeitGeist und deren Autoren und Redakteure sie mir präsentieren (und natürlich auch der “Rest” des investigativen Offenlegungsbewegung), sind:
    1. Interessiert das überhaupt jemanden in der “breiten Öffentlichkeit” bzw. führt es dort zu irgend etwas anderem außer den üblichen “Bildzeitungsaufregern”, die nach einem Tag abklingen und vergessen werden?
    2. Was kann ich konkret tun um all diese übermächtig erscheinenden Ungereimtheiten in Politik und Wirtschaft glatt zu ziehen (oder ist hier tatsächlich “bekämpfen” das einzig richtige Wort)?
    3. Beeinflussen mich dies ganze Dinge überhaupt in meinem täglichen, erwerbstätigen, mittelschichtigen, freizeitsüchtigen Dasein als Mitglied der “Generation Doof” (oder “Generation Fun”)?

    Ich habe natürlich schon Ansätze von Antworten auf diese Fragen und natürlich trage auch in mir eine unbändiges Bedürfnis nach Weltrettung (sonst würde ich ja diesen Blog nicht lesen. ;-)), aber so recht will mir die Aufklarung hier nicht gelingen. Bzw. ist mir weiterhin nicht schlüssig, ob nicht doch der realitätsflüchtende Rückzug in ein japanisches Zen-Kloster (wenn auch vielleicht nur im übertragenen Sinne) doch die zuträglichere Alternative wäre, bei der man die schlechte Welt sich in ihrem Niedergang selbst überließe.

    “Die Welt ist schlecht! Die Welt ist schlecht! Die Welt ist schlecht! – Ach, echt echt echt?” Fanta4 ;-)

  2. [...] Herr von Sturzbach (siehe Kommentar zum vorigen Artikel “Totschlagwort”), ich möchte Ihnen kurz [...]

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